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Aus: Ausgabe vom 28.07.2021, Seite 6 / Ausland
Washingtons Kuba-Kurs

Saat der Gewalt

Nach US-Attacken gegen Havanna: Anschlag auf kubanische Botschaft in Paris. Mexiko schickt Hilfslieferung
Von Volker Hermsdorf
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Experten untersuchen am Dienstag die in Mitleidenschaft gezogene Fassade der kubanischen Botschaft in Paris

Die USA haben 20 weitere Länder dazu gebracht, am Montag (Ortszeit) eine »gemeinsame Erklärung« zu verabschieden, in der sie »Massenverhaftungen und Inhaftierungen von Demonstranten« in Kuba verurteilen und die Regierung der Insel auffordern, »die allgemeinen Rechte und Freiheiten des kubanischen Volkes zu respektieren«. Damit soll, wie von US-Präsident Joseph Biden angekündigt, der »Druck« auf die Insel verstärkt werden. Am Abend ging die parallel dazu von Contras gestreute Saat der Gewalt dann auch in Europa auf. Kurz vor Mitternacht wurde auf die kubanische Botschaft in Paris ein Anschlag mit drei Molotowcocktails verübt. Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung konnten das Feuer löschen.

Kubas Außenminister Bruno Rodríguez bezeichnete den Angriff als terroristischen Akt und warf Washington vor, den Boden für derartige Vorfälle zu bereiten. »Ich mache die US-Regierung verantwortlich, mit ihren Kampagnen gegen unser Land diese Verhaltensweisen zu fördern, und für die Aufrufe zur Gewalt, die ungestraft von ihrem Hoheitsgebiet ausgehen«, schrieb Rodríguez auf Twitter. Havannas Chefdiplomat dementierte zugleich Berichte über neue »Volksaufstände«, wie sie im Internet zirkulierten. Das Land befinde sich in »völliger Ruhe«, betonte der Minister. Die »Gerüchte über Unruhen« seien von US-Agenten »mit der Komplizenschaft transnationaler Unternehmen und digitaler Plattformen, die Hassbotschaften und Lügen verbreiten«, in die Welt gesetzt worden.

Auch Gerardo Hernández, einer der kubanischen Antiterroragenten, die nach internationalen Protesten 2014 aus US-Gefängnissen entlassen worden waren, wies auf die Verantwortung Washingtons hin. »Der von den USA geschürte Hass und der Terrorismus gehen Hand in Hand. Diese Kriminellen sind es, die ›Freiheit‹ für Kuba fordern? Sind das ›Menschenrechte‹?« fragte Hernández, der im September vergangenen Jahres zum nationalen Koordinator der Komitees zur Verteidigung der Revolution (CDR) gewählt worden war, über ­Twitter.

Erst am Wochenende waren exilkubanische Gruppen in Miami mit dem Versuch gescheitert, mit einer aus »Hunderten von Booten« bestehenden Flottille unter anderem auch Schusswaffen zur »Unterstützung« der Systemgegner nach Kuba zu schaffen. Biden hatte die Extremisten in Florida zuvor als »die besten Botschafter für Freiheit und Wohlstand in Kuba« bezeichnet. Die US-Regierung werde sich »weiterhin mit kubanisch-amerikanischen Interessenvertretern treffen, um den Demonstranten in Kuba Gehör zu verschaffen und ihnen Empfehlungen zu geben, wie die US-Regierung helfen kann«, hatte der Chef des Weißen Hauses erklärt.

Nur Stunden vor dem Angriff auf die Botschaft in Paris hatte US-Außenminister Antony Blinken unter Verweis auf die »gemeinsame Erklärung« der USA und 20 weiterer Länder versichert, dass »die internationale Gemeinschaft in ihrer Unterstützung für das kubanische Volk nicht wanken wird«. Zu den Unterzeichnern des Dokuments gehören neben den USA Österreich, Brasilien, Kolumbien, Kroatien, Zypern, die Tschechische Republik, Ecuador, Estland, Guatemala, Griechenland, Honduras, Israel, Lettland, Litauen, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien, Polen, Südkorea und die Ukraine. Damit hätten »Demokratien auf der ganzen Welt« die kubanische Regierung »mit einer Stimme« verurteilt, behauptete Blinken. Kubanische Medien bezeichneten den vermeintlichen Erfolg dagegen als Pyrrhussieg. Außenminister Rodríguez verwies darauf, dass die »gemeinsame Erklärung« lediglich »auf der Unterstützung einer Handvoll Länder beruht, die unter Druck gesetzt wurden, sich dem Diktat der USA zu beugen«. Tatsächlich belege dies nur »die Isolation der Vereinigten Staaten in der Welt«.

Während Washington weiter auf Druck baut und konterrevolutionäre Gewalttäter versuchten, eine Botschaft in Brand zu setzen, schickte Mexiko am Montag zwei Schiffe mit Lebensmitteln, Medikamenten und Sauerstoff nach Kuba. »Jetzt, wo es dort eine schwierige gesundheitliche Situation gibt, sollten wir alle helfen, anstatt zu blockieren; es ist nicht vorstellbar, dass sie in diesen Zeiten ein unabhängiges Land mit einer Blockade bestrafen wollen«, appellierte Präsident Andrés Manuel López Obrador auf einer Pressekonferenz in Veracruz an die USA.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Josie M. aus 38448 Wolfsburg (28. Juli 2021 um 12:54 Uhr)
    Immer wieder herzlichen Dank, Volker Hermsdorf, diesmal für die Nachricht: »Erst am Wochenende waren exilkubanische Gruppen in Miami mit dem Versuch gescheitert, mit einer aus ›Hunderten von Booten‹ bestehenden Flottille unter anderem auch Schusswaffen zur ›Unterstützung‹ der Systemgegner nach Kuba zu schaffen.« Sowie für die Erwähnung des Twitter-Zitats von einem der fünf kubanischen Helden, Gerardo Hernández Nordelo, jetzt als Koordinator der »Komitees zur Verteidigung der Revolution«: »Der von den USA geschürte Hass und der Terrorismus gehen Hand in Hand. Diese Kriminellen sind es, die ›Freiheit‹ für Kuba fordern? Sind das›Menschenrechte‹?« Wer könnte die jetzige erneute Terrorgefahr besser und glaubwürdiger vor seinem Volk herausstellen als er, der zu den mutigen kubanischen Agenten gehörte, die durch ihre verdeckte unbewaffnete Ermittlung innerhalb der exilkubanischen Netzwerke in Florida bis 1998 zwar nicht alle, aber immerhin mehr als 170 Terroranschläge durch die rechtzeitige Warnung der kubanischen Behörden verhindert hatte und dafür mit 16 Jahren US-Haft büßen musste? Und er gehörte zu denen, die nach der Begnadigung der letzten drei Höchstbestraften der »Cuban Five« durch Obama und den von ihm eingeleiteten Lockerungen der US-Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade vor den »Umarmungen des Bären« warnte. Brecht ließ seinen Galileo Galilei sagen: »Unglücklich das Land, das Helden braucht.« Ja, es hat offensichtlich nur einer US-»Trump«-Legislaturperiode bedurft, um wieder in Habachtstellung vor Terroranschlägen des mächtigen Nachbarns sein zu müssen. Aber was wäre Kuba ohne seine zahlreichen Helden von José Martí über Fidel bis zu den noch lebenden wie Gerardo Hernández? Man kann nur hoffen, dass die jungen Kubaner sich ermutigt fühlen, durch diese Beispiele für den ‚Erhalt der Errungenschaften ihres Volkes zusammenzustehen. Und man muss sie immer wieder wissen und spüren lassen: »Kuba steht nicht allein!«

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