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Aus: Ausgabe vom 26.07.2021, Seite 15 / Politisches Buch
Organisierung von Belegschaften

Erfolge sind möglich

Charité: »Outgesourcte« berichten über Kampf um Rückführung in landeseigenen Mutterbetrieb
Von Oliver Rast
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Wichtiges Kriterium für Etappensiege: Zusammenhalt in der Belegschaft (Berlin, 26.8.2020)

Oft ist es so: Die Macht des tarifpolitischen Gegners scheint übermächtig, ein offener betrieblicher Konflikt ein zu großes Wagnis. Und doch lohnt es sich, gegen Tarifflucht, Belegschaftsspaltung und Betriebsratsbekämpfung einzuschreiten. Auch wenn es mehrere Anläufe braucht. Wie im Fall der im Jahr 2009 outgesourcten therapeutischen Abteilung der Berliner Charité. Das zeigen engagierte Beschäftigte und Betriebsräte der »Charité Physiotherapie und Präventionszentrum GmbH (CPPZ)« in einem jüngst erschienenen Band mit dem Titel »Das Ende der Angst«. Während des jahrelangen Betriebskampfes hatten zahlreiche Kolleginnen und Kollegen nicht nur Ängste und Zweifel überwunden, sondern schlussendlich triumphiert: Am 1. Januar 2020 kehrte die ausgegliederte CPPZ in die landeseigene Charité zurück.

Leicht war das nicht. Zumal die Klientel von Physiotherapeuten, Ergotherapeutinnen, Masseuren und Bademeisterinnen keine sonderlich arbeitskampferprobte ist. Die prekäre Jobsituation indes mobilisierte. »In der ausgegründeten tariflosen GmbH wurden die Beschäftigten gnadenlos ausgequetscht«, schreibt etwa Betriebsrätin Susanne Mohrig. Immer mehr Tätigkeiten bei gleichbleibendem Personalschlüssel samt Entgelteinbußen. Alles unter dem »Deckmantel Flexibilisierung«. Das klingt bekannt. Für Mohring und ihre Mitstreiter war klar: »Ein Korrektiv musste her, und zwar in Form eines Betriebsrates.« Das Vertrauen in die Arbeit der Beschäftigtenvertretung wuchs, mehr noch: Die Zahl derer, die Arbeitskampfmaßnahmen erwogen, wurde größer. Die Antwort der Geschäftsführung der CPPZ ließ nicht lange auf sich warten, berichtet Kalle Kunkel, zuständiger Verdi-Gewerkschaftssekretär, in dem Bändchen. Einschüchterungsversuche »wie aus einem Drehbuch für Antibetriebsratsarbeit« begleiteten die gewerkschaftliche Organisierung der CPPZ-Beschäftigten.

Es half nichts. Auf einer Betriebsversammlung im September 2018 wurde ein Streik für die Rückführung der ausgegliederten Tochter-GmbH in die Charité beschlossen. Nicht nur ein Protestsignal. Es war vielmehr Ausdruck einer Bewusstwerdung. »Als es losging und wir über einen Streik gesprochen haben, dachte ich nicht, dass ich auch einmal streiken würde«, schildert eine couragierte Beschäftigte, die anonym bleiben will. Eine andere schreibt: »Schon der erste Streiktag war ein innerlicher Befreiungsschlag.« Und plötzlich sei es keine Option mehr gewesen, »den Mund zu halten und sich ängstlich den Umständen zu unterwerfen«. Es sind diese kleinen Erfahrungsschnipsel, die die Veröffentlichung zu einer Art Handlungsanleitung machen.

Knapp 50 Tage Arbeitsausstand, nicht am Stück, sondern in Etappen, waren nötig, bis das Berliner Abgeordnetenhaus am 31. Dezember 2018 verkündete, neben der CPPZ gleichfalls die Vivantes-Tochter VTD GmbH in die Mutterbetriebe zurückzuführen. Was bleibt? Einiges. »Der Streik hat mich bestärkt, für Sachen zu kämpfen«, erzählt Physiotherapeut Marko Große in einem Abschlussinterview. Nicht als Einzelkämpfer, sondern »in einer starken Gruppe«. Ein Rezept, das Erfolge möglich macht.

Reinhold Niemerg u. a. (Hrsg.): Das Ende der Angst. Charité Berlin: »Outgesourcte« Therapeut:innen erstreiten ihre Rückführung. VSA, Hamburg 2021, 108 Seiten, 9 Euro

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