3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Sa. / So., 18. / 19. September 2021, Nr. 217
Die junge Welt wird von 2582 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 24.07.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

jW_Leserbriefe_Standart(1).jpg

Ohne Plan

Zu jW vom 16.7.: »Flutkatastrophe im Westen«

Meteorologen haben rechtzeitig gewarnt vor Starkregen. Vorbereitungen, Schlimmes zu verhindern, wären möglich gewesen (…). Derartige Katastrophenschutzpläne für gefährdete bekannte Hochwassergebiete gibt es anscheinend nicht. Das erinnert sehr an die Coronapandemie, dort hat man die Warnungen auch nicht ernstgenommen. Politik handelt nach dem Prinzip: Was ich mir nicht vorstellen kann, das passiert auch nicht. Vorsorge ist teuer – Nachsorge ist unbezahlbar und kostet auch noch Menschenleben.

Thomas Bartsch-Hauschild, Hamburg

Ursachen nennen

Zu jW vom 17./18.7.: »Tage der Verwüstung«

Ich bin etwas enttäuscht über die mangelnde Analyse zur Flutkatastrophe in Westdeutschland. Sie wissen doch, dass »Naturkatastrophen« wegen des Umgangs mit den natürlichen Gegebenheiten entstehen. Es wäre mal eine Recherche wert, um zu erfahren, was die Ursachen sind: zum Beispiel Flussbegradigungen der Erft, Uferbebauung, Zuleitung von Wasser aus dem Braunkohletagebau usw. usf. Stichwort: Erftflutkanal. Unerheblich finde ich es, wenn Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) eine Journalistin mit »junge Frau« angeredet haben soll. Das ist eine Debatte über die Performance der Politiker. Sie müssen jetzt Mitleid und Trauer zeigen, um sich zu profilieren. Laschet hat in dem Interview kritische Fragen zurückgewiesen mit dem Vorwurf »Parteipolitik«. Jetzt sind wir alle Deutsche. Und er hat die »Interview«-Fragen danach bewertet, ob sie ihm Gelegenheit geben, sich als mitfühlender »Landesvater« zu präsentieren: »Endlich stellen Sie die richtige Frage …«

Reinhard Dreischer, Unna

Jahre und Jahrzehnte

Zu jW vom 17./18.7.: »Tage der Verwüstung«

Der Kanzlerkandidat Armin Laschet sagt: »Weil jetzt ein solcher Tag ist, ändert man nicht die Politik.« Dieser Satz ist symbolisch für menschen-, ja grenzenlos lebensfeindlich-zynische Politik. Und der Titel des Beitrags sollte im übertragenen Sinne »Jahre, Jahrzehnte der Verwüstung« lauten. Denn (…) gleich, wo man hinschaut, ob im Gesundheitswesen oder bei der sonstigen Infrastruktur, überall geht es nur um Maximalprofit mit dem Entdecken neuer Marktlücken bei der Totalverblödung der Massen bis zur gnadenlosen Rüstung. (…)

E. Rasmus, Berlin

Schlimmster Gefährder

Zu jW vom 8.7.: »Offenkundige Diffamierung«

Geschichte und Natur der »Reporter ohne Grenzen« waren mir noch gar nicht bekannt gewesen. Danke! – Um so schwerer muss aber wiegen, dass selbst diese Organisation einen himmelschreienden Skandal in NRW thematisiert, seit die Krawallpolizei des Innenministers Herbert Reul des erfolglosen Ministerpräsidenten Armin Laschet (beide CDU) auf einen Journalisten einprügelte. Aktuell schlimmster Gefährder der Medienfreiheit im Inland ist also die Union – und natürlich auch die mitregierende FDP, solange sie die Koalition nicht kündigt. Was von deren Ankündigung zu halten ist, das CDU-»Versammlungsgesetz« vielleicht doch nicht eins zu eins umzusetzen, sahen wir ja schon zwei Jahre früher beim ebenso repressiven CDU-Polizeigesetz mit braver FDP-Zustimmung. Ein weiterer CDU-Angriff auf die Medienfreiheit erfolgte 2019 durch Laschets Vorgängerin im CDU-Vorsitz, Annegret Kramp-Karrenbauer. Dieser hatte das detailliert recherchierte Video »Die Zerstörung der CDU« des Influencers Rezo nicht gefallen, so dass sie prompt nach Zensur im Internet schrie. Offenbar träumt die Union von polnischen oder ungarischen Verhältnissen. Das ist einer von vielen Gründen, weshalb Armin Laschet auf überhaupt keinen Fall Bundeskanzler werden darf. (…) Ließen sich vielleicht die sozialen Medien sinnvoll nutzen für einen möglichst bis zur Wahl nicht mehr abreißenden und möglichst massiven Shitstorm gegen diese CDU/CSU?

Bernhard May, Solingen

Funktionierende Systeme

Zu jW vom 15.7.: »Der neue Standard«

Wieder einmal wird ohne Not ein funktionierendes System wie UKW abgeschafft und ersetzt durch irgendwas mit digital. Das hat, wie wir gesehen haben, auch schon bei der Abschaffung der Sirenen, die zuverlässig vor Katastrophen aller Art gewarnt haben, hervorragend funktioniert … Wir brauchen weiterhin funktionierende, bewährte analoge Systeme, und sei es nur als Backup, falls das Digitale mal wieder versagt. (…) »Digital first, Bedenken second« war der bisher dümmste Spruch des 21. Jahrhunderts – selbstverständlich von der FDP.

Chrisz Meier, Nordhorn

Zur Mahnung

Zu jW vom 21.7.: »Feudaler Themenpark«

Diese schlechte Kopie des steingewordenen Feudalismus, aus dem am 18. März 1848 über 600 (bürgerliche!) Revolutionäre niederkartätscht wurden, steht unter den gegebenen Verhältnissen genau richtig dort. Zeigt die dieses Monstrum initiierende Bundesregierung doch damit überdeutlich, auf welcher Seite sie steht. Wenn das nur mehr Menschen verstehen würden … So, wie der Palast der Republik die Machtausübung durch die werktätigen Klassen (bei allem Anlass zur Kritik im Detail: Es verhielt sich so) symbolisierte, symbolisiert das Humboldt-Forum die Änderung der Machtverhältnisse 1989 und signalisiert den Rückfall der Menschheit (…) um rund 150 Jahre. Nicht nur 40 oder 70, sondern tatsächlich 150 Jahre, denn im 19. Jahrhundert war das Klassenbewusstsein unter den Arbeitern weitverbreitet, während heute – jedenfalls in Europa und Nordamerika – sich fast nur noch die Kapitalisten ihrer Klassenzugehörigkeit und der damit verbundenen Verpflichtungen bewusst sind. Selbstverständlich: »We will tear it down«, und zwar dann, wenn der nach 1918 und 1949 dritte Versuch, »alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist« (Marx), erfolgreich gewesen sein wird. Solange aber muss dieses Symbol der Unterdrückung uns jeden Tag erinnern und mahnen …

Oskar Drießler, per E-Mail

Das Monstrum ›Humboldt-Forum‹ zeigt überdeutlich, auf welcher Seite die Regierung steht. Wenn das nur mehr Menschen verstehen würden …

Aktionsabo »Marx für alle« für drei Monate

Die Bundesregierung und der deutsche Inlandsgeheimdienst wollen der Tageszeitung junge Welt den »Nährboden entziehen« unter anderem wegen ihrer marxistischen Weltanschauung. Mit unserem Aktionsabo  »Marx für alle« möchten wir möglichst vielen Menschen diese wissenschaftliche Sichtweise nahebringen und 1.000 Abos für die Pressefreiheit sammeln.

Das Abo kostet 62 Euro statt 126,80 Euro und endet nach drei Monaten automatisch.

Zur neuen Leserbrieffunktion auf jungewelt.de

  • Leserbrief von Andre’Moussa Schmitz aus Berlin /Neukölln (23. Juli 2021 um 23:23 Uhr)
    Die Drogenbeauftragte Daniela Ludwig soll endlich zurücktreten. Denn 1.581 Menschen sind gestorben, weil ihre Politik nicht hilft. Im Gegenteil, sie schadet nur. Ludwig zeigt sich auf Twitter über junge Menschen amüsiert, die ihr Abi alkoholisiert feiern, gleichzeitig muss in Bayern ein Krebskranker für den Anbau von sieben Pflanzen zum Eigenkonsum fast zwei Jahre in Haft! Nein, Frau Ludwig, räumen Sie den Platz für eine kompetente Person vom Fach. Sie werben für das Trinken, an dem Hunderttausende Menschen sterben, man denke nur an die Verkehrsopfer, die Verletzten. 40 Jahre hat diese Drogenpolitik nur eines geschafft, dass die Zahl der Toten steigt. In den USA gibt es kaum einen Bundesstaat mehr, in dem Cannabis noch unter Strafe steht. Unsere Gefängnisse sind dagegen überfüllt mit bis zu 80 Prozent Drogenkranken, Therapien haben eine Rückfallquote von annähernd 100 Prozent ...

Nur noch bis 26. September: 3 Monate Tageszeitung junge Welt lesen für 62 €. Jetzt bestellen!