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Aus: Ausgabe vom 23.07.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Suchtepidemie

Milliarden für Vergiftung

USA: Pharmakonzerne stimmen Opioidvergleich mit Bundesstaaten zu
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Nicht mehr ansprechbar nach der Überdosis: Sanitäter der Cataldo Ambulanz in Boston bringen einen Patienten ins Krankenhaus (9.8.2017)

Im Zuge der juristischen Aufarbeitung der Opioidkrise in den USA haben vier Unternehmen der Pharmabranche eingewilligt, insgesamt 26 Milliarden US-Dollar (22 Milliarden Euro) zu zahlen. Im Rahmen einer Vereinbarung mit den Strafverfolgungsbehörden mehrerer US-Bundesstaaten sollen durch die Zahlungen rund 4.000 vor Gerichten anhängige Schadenersatzforderungen beigelegt werden, wie die Generalstaatsanwältin des Bundesstaats New York, Letitia James, am Mittwoch (Ortszeit) mitteilte. James sprach von einer »historischen« Vereinbarung. Damit sie in Kraft treten kann, muss sie aber noch von einer »substantiellen« Zahl weiterer Bundesstaaten sowie von Verwaltungsbezirken abgesegnet werden.

Vorgesehen ist nach Angaben von Chefanklägerin James, dass der Konzern Johnson & Johnson über einen Zeitraum von neun Jahren fünf Milliarden Dollar zahlt; McKesson, Cardinal Health und Amerisource-Bergen sollen innerhalb von 18 Jahren insgesamt 21 Milliarden Dollar zahlen. Die Gelder sollen auch für die Finanzierung der Behandlung von Opioidsüchtigen sowie für Präventionsprogramme verwendet werden. »Die zahlreichen Unternehmen, die Opioide hergestellt und in der ganzen Nation verteilt haben, taten das ohne Rücksicht auf Leben oder sogar auf die nationale Krise, die sie mitbefeuert haben«, erklärte James. Am übermäßigen Konsum von Opioiden sind in den USA in den vergangenen 20 Jahren nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC mehr als eine halbe Million Menschen gestorben.

Nach Einschätzung der Staatsanwälte werden die meisten Bundesstaaten die Chance auf sofortige Gelder begrüßen. Mindestens zwei Bundesstaaten kritisierten dagegen die Einigung und kündigten an, den Rechtsstreit fortzusetzen. Washingtons Generalstaatsanwalt Bob Ferguson erklärte, die für einen Zeitraum von 18 Jahren vorgesehene Zahlung von 527,5 Millionen Dollar an seinen Staat reiche nicht aus, »um die verheerenden Folgen der Opioid­krise anzugehen.« West Virginias Generalstaatsanwalt Patrick Morrisey kritisierte, dass die Vereinbarung kleinere Staaten benachteilige, da sich die Zahlungen nach der Bevölkerungszahl richteten und nicht nach dem tatsächlichen Ausmaß der Krise. Der Vergleich geht auch nicht auf die Rolle von mehreren Apothekenketten ein, die ebenfalls verklagt wurden. Ihnen wird vorgeworfen, die Nachfrage der bei längerer Anwendung süchtig machenden Mittel bewusst geschürt und Warnzeichen der Suchtkrise ignoriert zu haben. (AFP/jW)

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