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Aus: Ausgabe vom 23.07.2021, Seite 8 / Ansichten

Förderprogramm des Tages: Böse DDR

Von Michael Merz
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Näher dran an der Wirklichkeit: Schülerinnen im FEZ in Berliner-Köpenick (2009)

Gemeinschaftliches Erleben statt vereinzeltes Dahindümpeln, humanistische Werte statt Hartz IV, Pioniernachmittag statt Playstation – in der DDR seine Kindheit und Jugend verbracht zu haben, hatte schon was. Jeden Tag war richtig was los. Und die Heranwachsenden haben dabei sogar jede Menge gelernt. Doch das ist es nicht, was die altvorderen Betonköppe der immer noch siegen wollenden Kolonialmacht BRD hören wollen. Seit Jahren schon ist der Trend zu beobachten, dass sich Jugendliche verstärkt für den sozialistischen deutschen Staat interessieren, und wie es denn da so gelaufen ist. Das Abschreckungsdreieck Stasi-Mauer-Diktatur bröckelt und muss neu verputzt werden. Ein Problem ist, wie in den Fördergrundsätzen des Programms »Jugend ­erinnert« benannt, es gebe »noch kein allgemein akzeptiertes Geschichtsbild, das nicht durch familiäre oder sonstige persönliche Überlieferungen mindestens flankiert würde«. Sprich: Zu viele Menschen wissen aus eigenen Erfahrungen, wie das Leben in der DDR wirklich war. Das gefährdet die Wirkung der schwarzen Pädagogik.

Die böse DDR kann nur mit viel Kohle vermittelt werden, genauer: sieben Millionen Euro bis 2023. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und die »Bundesstiftung zur Aufarbeitung des SED-Unrechts« stellten am Donnerstag 44 vornehmlich digitale Projekte vor, die diesen Zweck verfolgen. Unter den Empfängern sind alte Bekannte: die Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen (199.195 Euro) will auf virtuelle Exkursionen locken, die Stiftung Berliner Mauer (295.862 Euro) macht irgendeinen Messengerdienst zum Checkpoint Charlie und sogar die Stiftung Garnisonkirche Potsdam kriegt was ab (168.222 Euro), um die schlimme Christenverfolgung darzustellen. Und bitte immer schön das Förderziel im Auge behalten: »Vereinnahmung und Indoktrinierung gerade junger Menschen« aufzeigen. In der DDR natürlich.

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