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Aus: Ausgabe vom 22.07.2021, Seite 3 / Schwerpunkt
Coronapandemie in Großbritannien

Wissenschaftler und Mediziner schlagen Alarm

Brandbrief: Britische Coronastrategie birgt Gefahr katastrophaler Folgen für Millionen Menschen
Von Christian Bunke
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Auch weiterhin werden in britischen Krankenhäusern Operationen wegen der Überlastung im Zuge der Pandemie verschoben (Milton Keynes, 20.1.2021)

Das britische Gesundheitswesen steht nach wie vor unter großem Druck. Allein im Großraum Manchester stehen 350.000 Menschen auf Wartelisten für teilweise bereits im Jahr 2020 angesetzte Operationen. Diese wurden allesamt wegen der Coronapandemie verschoben. Derzeit kommt das Gesundheitswesen bei der Abarbeitung dieses Rückstaus nur schleppend voran. Ein Grund ist, dass im Umfeld der Pandemie inzwischen eine neuartige Atemwegserkrankung unter Kindern aufgetaucht ist, wodurch vielerorts zusätzliche Belastungen auf die Krankenhäuser zukamen. Die Hygienemaßnahmen der vergangenen Monate haben laut der Auffassung von Medizinern dazu geführt, dass das Immunsystem vieler kleiner Kinder nicht so stark wie üblich ausgeprägt ist und sie somit anfälliger werden für Infekte. Hinzu kommt, dass auch die Zahl der mit einer Coronainfektion in Verbindung stehenden Krankenhausaufenthalte wieder steigt.

Am 7. Juli schlug daher eine Gruppe von 100 Wissenschaftlern und Medizinern in einem offenen Brief in der Fachzeitschrift The Lancet Alarm und forderte eine Rücknahme der Öffnungsschritte sowie die Wiedereinführung der Maskenpflicht in Innenräumen. In Schulen müssten adäquate Luftfilteranlagen eingebaut werden. Die Autoren des Appells begründen ihren Warnruf mit Zahlen aus dem Gesundheitsministerium, wonach bis Herbstbeginn mit 100.000 Neuinfektionen täglich zu rechnen sei.

Zwar würde nicht mehr ein so großer Anteil der Infizierten hospitalisiert wie noch vor einigen Monaten. Trotzdem drohe eine große neue Sterbewelle. Derzeit seien noch 17 Millionen Menschen in Großbritannien ohne jeden Impfschutz, die meisten von ihnen Kinder. Daher sei es wahrscheinlich, dass sich weitere Millionen Menschen infizieren, was »für Hunderttausende eine langwierige Erkrankung mit Einschränkungen und Behinderungen« aufgrund von Long-Covid-Symptomen bedeuten würde. Die von der Regierung verfolgte Strategie riskiere »die Entstehung einer ganzen Generation mit chronischen Gesundheitsproblemen und Behinderungen. Die persönlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen davon werden noch Jahrzehnte zu spüren sein«, so die Autoren des Appells.

Außerdem bereite die Regierung mit ihrem Ansatz einen »fruchtbaren Boden für impfstoffresistente Mutationen«, heißt es in dem offenen Brief weiter. Das stelle »ein Risiko für alle weltweit und in Großbritannien dar, auch für die bereits geimpften Menschen«. Zwar sei es möglich, neue Impfstoffe zu entwickeln. Dazu benötige es jedoch Zeit und Ressourcen, was »besonders die am meisten benachteiligten Menschen in unserem Land sowie die Bevölkerung anderer Länder mit schlechtem Zugang zu Impfstoffen« zu spüren bekommen würden. So würden Ungleichheiten vertieft.

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