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Aus: Ausgabe vom 21.07.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Agrarsektor

Mehr »Bio« und Tierwohl im Blick

EU-Staaten wollen ökologische Landwirtschaft deutlich stärken
Von Bernd Müller
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Mehr »Bio« und weniger Massentierhaltung ist gut, macht aber Fleisch für Geringverdiener zum Luxusgut

In der EU-Landwirtschaft soll das Augenmerk mehr auf die Produktion von Bioprodukten gelegt und stärker auf das Tierwohl geachtet werden. Am Montag einigten sich die zuständigen Ministerien der Mitgliedstaaten darauf, dass bis 2030 ein Viertel der Agrarfläche in der EU für Biolandwirtschaft genutzt werden soll. Einen entsprechenden Aktionsplan hatte die Brüsseler Kommission bereits im Frühjahr vorgelegt.

Für die Bundesrepublik bedeutet das: nachbessern. Im nationalen Aktionsplan strebt Berlin bislang 20 Prozent an. Aber nicht nur die BRD muss nachlegen. Nach Angaben der EU-Statistikbehörde Eurostat lag 2019 der Anteil der Biolandwirtschaft in Malta lediglich bei 0,5 Prozent, in Irland bei 1,6 Prozent und in Bulgarien bei 2,3 Prozent. Die BRD rangierte mit damals 7,7 Prozent im unteren Mittelfeld. Österreich kommt hingegen die Aktivistenrolle zu: Mit einem Bioanteil von 26 Prozent übertrifft es die Vorgabe schon heute.

Am Montag abend diskutierten die Minister über Pläne für mehr Tierwohl. Dabei ging es um Käfighaltung, Putenmast und das Schreddern von Küken. Zu letzterem hatten Frankreich und Deutschland eine gemeinsame Initiative gestartet, die ein EU-weites Verbot des Tötens männlicher Küken vorsieht. Bislang werden jedes Jahr mehr als 40 Millionen männliche Küken getötet, nachdem sie geschlüpft sind. Der Grund: Sie werfen keinen Profit ab. Die als Legehennen gezüchteten Rassen sind nicht für die Mast geeignet, da sie kaum Fleisch ansetzen. In Deutschland ist das Töten dieser Tiere bereits ab kommendem Jahr verboten.

Die Bundesregierung unterstützt zudem einen Vorstoß der EU-Kommission, 2023 einen Vorschlag zum Verbot der Käfighaltung vorzulegen. Brüssel war auf Druck einer erfolgreichen Bürgerinitiative tätig geworden. Wird der Zeitplan eingehalten, dann könnten die Vorschriften bis 2027 in Kraft treten. Auch in der Putenmast soll es Verbesserungen geben. Bislang fehlt es in diesem Bereich an spezifischen Mindestanforderungen.

»Bio« in der Tierhaltung umzusetzen, das ist eine Herausforderung. Darauf wies der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am vergangenen Donnerstag hin. In der Bundesrepublik erzeuge gerade einmal jeder zehnte Hof Biofleisch – und die Betriebe sind zudem klein und haben geringere Tierbestände als konventionelle Anbieter. »Nur acht Prozent der Rinder und fünf Prozent der Hühner in Deutschland werden nach ökologischen Gesichtspunkten gehalten«, heißt es auf der BUND-Website, und noch nicht einmal eines von 100 Schweinen dürfe ökologisch aufwachsen. Damit sich daran etwas ändert, fordert die Organisation nicht nur mehr Subventionen für die ökologische Landwirtschaft, sondern auch Obergrenzen für den Tierbestand, eine flächengebundene Tierhaltung und ein »Verbot tierquälerischer Haltungsbedingungen«.

Die Massentierhaltung birgt auch Gefahren für Menschen, wie eine Anfang Juli von Greenpeace präsentierte Untersuchung angibt. Es wurde nach Bakterien in Fleischprodukten gesucht, die gegen Antibiotika resistent sind – und man wurde fündig. In zehn von 44 Proben von Schweinefleisch wurden Keime entdeckt, die gegen Mittel resistent sind, mit denen Infektionen beim Menschen behandelt werden. In vier Fällen waren die Bakterien gegen Colistin resistent, das ein wichtiges Reserveantibiotikum ist. Auch wenn die akute Gefahr für Verbraucher nur gering sei, hieß es bei Greenpeace weiter, trügen resistente Keime dazu bei, dass Infektionskrankheiten immer schwerer zu behandeln seien.

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