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Aus: Ausgabe vom 21.07.2021, Seite 8 / Abgeschrieben

»Unerhörter Vergleich von Entgegengesetztem«

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Das Grauen des Vernichtungskrieges: Szenenbild aus »Geh und sieh«

In einem offenen Brief des Bundessprecherrats der Kommunistischen Plattform der Partei Die Linke an den Ministerpräsidenten von Thüringen, Bodo Ramelow (Linke), heißt es:

Sehr geehrter Bodo Ramelow,

in Deinem Onlinetagebuch finden sich die Sätze: »Mein Blick fällt dabei besonders auf den 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion einer- sowie den 60. Jahrestag des Mauerbaus andererseits. Beide Daten – der 22. Juni 1941 sowie der 13. August 1961 – markierten auf natürlich sehr verschiedene, aber dennoch einschneidende Weise für viele Millionen Menschen in Deutschland, Europa und der Welt katastrophale Wendepunkte ihres Lebens.«

Was denkst Du Dir nur bei einem so unerhörten Vergleich von Entgegengesetztem? Setzt Dein Denken aus, wenn Du Geschichte thematisierst? Oder glaubst Du tatsächlich, was Du da schreibst? Sollte letzteres der Fall sein, so empfehlen wir Dir, Dir die Zeit zu nehmen, den Film »Geh und sieh« von Elem Klimow anzusehen. Nur diesen einen Film, weil Du sicher nicht die Zeit hast, all die Bücher zu lesen, all die Filme zu sehen, die das unfassbare Grauen schildern, welches den sowjetischen Menschen durch Deutsche widerfuhr.

Es reicht jedoch, wenn Du Dir nur diesen einen Film ansiehst: »Geh und sieh«.

Bundessprecherrat der KPF

In Berlin demonstrierten am Dienstag verschiedene Organisationen für die Freigabe der Patente für Covid-19-Impfstoffe und teilten dazu mit:

Die Welthandelsorganisation (WTO) trifft sich, um erneut über eine mögliche Freigabe der Impfstoffpatente zu verhandeln. Zur gleichen Zeit protestieren die Organisationen »We Act« (Petitionsplattform von Campact), »We move Europe« und »Zero-Covid« vor dem Bundeskanzleramt. (…) Banner mit der Aufschrift »Impfpatente freigeben – Leben retten!« begleiten die Aktion. Denn während über 100 Länder den Antrag von Südafrika und Indien an die WTO mittragen, sperren sich seit neun Monaten Bundesregierung und EU-Kommission dagegen. Dabei ist die bisherige Versorgungsstrategie gescheitert. Nur rund drei Prozent der afrikanischen Bevölkerung haben mangels Impfstoff bislang eine Erstimpfung erhalten, so das Statistik-Portal »Our World in Data«. Zum Vergleich: In der EU und den USA sind es jeweils 55 Prozent. Die gemeldeten Todesraten in Afrika übersteigen diejenigen in der EU bei weitem. Während Deutschland alle Hoffnung auf eine hohe Impfquote setzt, kommen andere Länder kaum gegen neue Varianten an. (…)

»Je länger wir für die Durchimpfung benötigen, desto größer wird die Gefahr, dass weitere resistente Virusmutationen entstehen. Dem können wir nur entgegenwirken, wenn die Patente auf die Covid-19-Impfstoffe ausgesetzt werden. Auf diese Weise könnte überall auf der Welt Impfstoff hergestellt werden. Das würde die notwendige Verbreitung von Impfstoffen wesentlich beschleunigen«, betont We-move-Campaignerin Annemarie Botzki.

»Alle Schranken für die globale Versorgung mit Impfstoffen, Therapien, Tests und Schutzausrüstung müssen fallen. Ärmeren Ländern dürfen durch Patente keine Steine in den Weg gelegt werden. Impfstoffe müssen dort zur Verfügung stehen, wo sie am dringendsten benötigt werden. Es braucht eine globale Kooperation für einen schnellen Technologietransfer und weiteren Produktionsausbau«, ergänzt Zero-Covid-Sprecher Jonathan Schmidt-Dominé.

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  • Leserbrief von Dr. Hans-Herbert Nehmer (22. Juli 2021 um 10:55 Uhr)
    Liebe Kommunisten! Wenn zwei das gleiche tun, ist es nie dasselbe. Natürlich hätte sich der thüringische Ministerpräsident die Gleichsetzung von zwei Kalenderdaten extrem gegensätzlicher politischer Bedeutung ersparen können oder auch müssen. Aber Eure Filmempfehlung ist auch kein Treffer ins Schwarze. Die Folgen einer Erscheinung für die Menschen eignen sich ganz schlecht als Vergleich. Es sind die Ursachen von Tatsachen, die überhaupt nicht vergleichbar sind! Krieg und Frieden sind niemals gleich! Das muss nicht bewiesen werden. Hier aus der Fülle der Ursachen und Bedingungen des Mauerbaus nur eine kleine Erinnerung, die z. B. auch die materiell mit verursachenden unterschiedlichen Wahlergebnisse verdeutlichen. Welche Kreise jammerten in Berlin und Umland am lautesten über die »unmenschliche« Grenzziehung? Dämmert es? Ein gewisses Mitleid hatte ich ausschließlich zum Thema »Trennung von Familien«. Wieder Platz in einer östlichen Gaststätte ohne langes Anstehen zu finden und den Unterschied zwischen einer Westmark und einer Ostmark nicht ununterbrochen vorgeführt zu bekommen, fand ich damals prima. Und die meisten Werktätigen Ost auch. Die Mauer war ein Produkt des Kalten Krieges. Und die Überwindung der Mauer ist wirklich nur aus rein menschlicher (unpolitischer) Sicht zu begrüßen. Deshalb hätte unser »Westlinker« – und manch anderer Politiker – seinen Spruch besser überlegen sollen.

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