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Aus: Ausgabe vom 21.07.2021, Seite 5 / Inland
Arbeitskonflikt

Werk vor Demontage

München: Betrieb des Autozulieferers Bosch soll schließen. Betriebsrat und IG Metall protestbereit
Von Oliver Rast
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Ein Firmenlogo, das an einigen Standorten hierzulande demontiert werden wird (Nürnberg, 27.3.2020)

Es ist ein Krisenphänomen: Produktionen werden verlagert, Betriebe dichtgemacht – beim Automobilzulieferer Bosch etwa. Der sogenannte Weltmarktführer will offenbar das Traditionswerk in München demontieren. Darüber berichtete zuerst Merkur.de am Wochenende, das Handelsblatt legte in seiner Montagausgabe nach.

Fest steht: Der Betrieb im Stadtteil Berg am Laim der bayerischen Landeshauptstadt steht zur Disposition. Bosch führe »derzeit Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern zur Zukunft des Standorts«, sagte eine Konzernsprecherin gegenüber Merkur.de. Dabei würden »verschiedene Szenarien geprüft«, darunter eine komplette Produktionsverlagerung, hieß es.

Die Begründungsformel klingt bekannt: Der Wandel vom Verbrennermotor zum elektrischen Antrieb verursache »erhebliche Überkapazitäten und damit einen hohen Anpassungsdruck«, meinte eine Bosch-Sprecherin auf Nachfrage vom Handelsblatt. Das sei eine Entwicklung, der sich der Konzern nicht entziehen könne. Am Münchner Standort fertigt Bosch dem Blatt zufolge mit rund 250 Beschäftigten elek­trische Kraftstoffpumpen und Einspritzventile. Gewissermaßen Produktionsteile für Auslaufmodelle.

Die Demontagepläne gehen aber weit über die Münchner Stadtgrenzen hinaus, Bosch dünnt sein Produktionsnetz erheblich aus. Das Werk in Göttingen soll verkauft werden, die Fertigung von Generatorenreglern am Standort in Arnstadt im Thüringer Ilm-Kreis geschlossen werden. Und Anfang des Monats hatten die Firmenbosse verlautbart, sich von drei Gießereien in Hessen trennen zu wollen. Unter dem Strich dürften 3.000 Arbeitsplätze gefährdet sein.

Zurück nach München. Von »tiefgreifenden Einschnitten« sprach die Werksleitung in einem Rundschreiben an die Belegschaft in der vergangenen Woche, aus dem Merkur.de zitierte. Demnach sei »die absehbare Stückzahlentwicklung der in München gefertigten Komponenten für die nächsten Jahre weiter rückläufig«. Im Klartext: Der Betrieb ist aus Unternehmersicht unrentabel, die Beschäftigten sind überflüssig. Die Führungsetage favorisiert mutmaßlich die Verlagerung der Fertigung an den Standort Campinas in Brasilien. Der Betriebsrat (BR) im Bosch-Werk im Münchner Osten fühlt sich ausgebootet. Das Unternehmen habe den brasilianischen Standort ausgebaut und unter »fadenscheinigen Gründen« befähigt, »unsere Pumpen zu fertigen«, heißt es in einer BR-Mail, die ­Merkur. de erwähnt. »Wir fühlen uns betrogen und belogen.« Eine jW-Anfrage zur Situation in München ließ der Konzern bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Die Bedrohung sei ernst, betonte hingegen Sascha Wojtkowski, zuständiger Gewerkschaftssekretär der IG Metall (IGM) München, am Dienstag gegenüber jW. Zumal bereits 2019 Gespräche über eine Standortsicherung seitens des Konzerns abgebrochen worden waren, so Wojtkowski. Den Metaller ärgert, dass die Gewerkschaft die Entscheider bei Bosch jahrelang auf die fehlende Transformationsstrategie aufmerksam gemacht habe, vergebens.

Unterdessen hat nach jW-Informationen der BR »entschiedenen Widerstand« gegen etwaige Kahlschlagspläne angekündigt. Ist die örtliche IGM in der Lage, Belegschaftsproteste zu organisieren, auch rasch? Wojtkowski: »Immer!«

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