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Aus: Ausgabe vom 19.07.2021, Seite 4 / Inland
Gesundheitsschutz

Warnungen vor vierter Welle

Coronapandemie: Experten fordern besseren Schutz von vulnerablen Gruppen
Von Markus Bernhardt
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Coronaimpfung in einer Bonner Obdachlosenunterkunft (10.5.2021)

Mittlerweile gilt es als ausgemacht, dass es im bevorstehenden Herbst in der Bundesrepublik zu einer vierten Welle von Ansteckungen mit dem Coronavirus kommen wird. Aktuell steigen die Infektionszahlen – wenn auch bisher auf verhältnismäßig niedrigem Niveau – wieder an. Mit Stand von Sonntag sind bundesweit aktuell rund 14.000 Menschen mit dem Virus infiziert. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) kamen von Sonnabend auf Sonntag 1.292 Infektionen hinzu. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz lag am Sonntag bundesweit bei 10,0. Den offiziellen Erhebungen zufolge haben sich seit Ausbruch der Pandemie 3.744.681 Menschen hierzulande nachweislich mit dem Virus infiziert. Die Zahl der Todesfälle liegt aktuell bei 91.362. Insgesamt seien laut RKI in Deutschland 85 Millionen Impfdosen verabreicht worden. Mindestens 59,7 Prozent der Bevölkerung seien demnach zumindest einmal geimpft.

Kritik an den bisherigen Impfbemühungen übte am Freitag der Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte (VDÄÄ). Noch immer seien viele Menschen in Deutschland nicht geimpft, obwohl die Vakzine inzwischen ausreichend zur Verfügung stünden und die Infrastruktur vorhanden sei, konstatierte der Verein. Das sogenannte Impfangebot sei damit zwar gemacht, das reiche aber nicht aus, bemängelte Michael Janßen, Kovorsitzender des VDÄÄ. So sei »der Zugang für sozial Benachteiligte und bestimmte vulnerable Gruppen, wie beispielsweise Menschen mit Substanzgebrauch, unzureichenden Deutschkenntnissen oder Obdachlose, nach wie vor zu hochschwellig«, kritisierte Janßen. Es brauche niedrigschwellige Angebote in den Quartieren, mit Aufklärung vor Ort und durch Menschen aus den Kiezen und Communities sowie lokalen Initiativen und Organisationen sowie sprachliche Vermittlung, um hier die Impfquoten zu erhöhen.

Dass kreative Impfangebote von Erfolg geprägt sind, zeigte sich am Sonnabend auch im Berliner Bezirk Lichtenberg. Dort musste am Sonnabend ein »Impf-Drive-In« auf dem IKEA-Parkplatz wegen des überdurchschnittlich hohen Andrangs vorzeitig geschlossen werden. Der Berliner Senat kündigte an, zukünftig noch mehr mobile Angebote zu machen.

Notwendig erscheint das allemal. So warnte eine Wissenschaftlergruppe um den Mobilitätsforscher Kai Nagel von der Technischen Universität Berlin (TU) am Sonnabend vor einer vierten Coronawelle, die auch an Krankenhäusern nicht vorbeigehen werde. »Laut unseren Simulationen wird im Oktober ein exponentieller Anstieg bei den Krankenhauszahlen starten. Falls die derzeitige Entwicklung anhält, wird dies sogar früher beginnen, und sich im Oktober dann noch mal verstärken«, heißt es in einem Bericht der Wissenschaftler an das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Nur wenn die Impfstoffe gegen die sogenannte Delta-Variante des Virus deutlich besser wirkten als aktuell bekannt, oder wenn eine Impfquote von 95 Prozent erreicht werde, bleibe eine vierte Welle den Berechnungen zufolge aus. Die Simulationen zu Schulen zeigten außerdem, dass Lüftungssysteme und flächendeckender Einsatz von Schnell- und/oder PCR-Tests die Infektionsdynamik verringern könnten. Würden solche Maßnahmen konsequent umgesetzt, was bisher keineswegs der Fall ist, seien Schulschließungen oder Wechselunterricht nicht notwendig.

Die Einsicht, dass relativ einfache Schutzmaßnahmen vor einer weiteren exponentiellen Steigerung der Infektionszahlen schützen, scheint bei den Verantwortlichen auch im zweiten Jahr der Pandemie noch nicht angekommen: Auf Druck der sächsischen CDU hob der Freistaat zum vergangenen Freitag als erstes Bundesland die Maskenpflicht beim Einkaufen auf.

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