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Aus: Ausgabe vom 17.07.2021, Seite 1 (Beilage) / Wochenendbeilage
Olympisches Boxen

»Hey, da geht noch was!«

Leistungssport mit psychischen Handicaps. Mittelgewichtsboxerin clincht nicht nur im Ring – bisweilen gegen die Verbandspolitik für Athletenrechte. Ein Gespräch mit Sarah Scheurich
Interview: Oliver Rast
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Entschlossener Blick: Lässt sich trotz verpasster Olympiachance nicht unterkriegen

Schlagzeilen im und neben dem Ring. Ob Kritik an der Verbands- und bisweilen Vereinspolitik, Auftritte gegen Sexismus im Boxsport oder das Engagement für eine bessere Gesellschaft: Sarah Scheurich erhebt ihre Stimme – mit Haltung, heißt es. Was motiviert Sie zum Schlagabtausch außerhalb des Seilquadrats?

Wenn Sie so wollen, mein Sinn für Gerechtigkeit. Aber dass ich »Lust« auf einen solchen Schlagabtausch hätte, ist falsch, zumal er mich meine sportliche Karriere kosten könnte. Es ist härter als jeder Boxkampf, immer gradlinig zu sein und an seinen Überzeugungen festzuhalten.

Für Sie geht eine Vereinsära zu Ende. Nach mehr als 15 Jahren haben Sie kürzlich dem Boxclub Schwerin den Rücken gekehrt. Ihr Leben als 27jährige Leistungssportlerin spielte sich bislang am Olympiastützpunkt in der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern ab. Jetzt zieht es Sie in die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover und zum Boxklub Gifhorn. Eine Kurzschlusshandlung?

Nein, sicher nicht. Nach so vielen Jahren in Schwerin habe ich gemerkt, dass bestimmte Dinge nicht mehr passen. Ich hätte mir vor allem in letzter Zeit mehr persönliche Anteilnahme für meine Situation seitens einiger Vereinsverantwortlicher gewünscht.

Wofür genau?

Die Coronakrise war sicherlich ein Faktor. Meine Virusinfektion bei einem Trainingslager in Österreich im Herbst 2020, meine anschließende monatelange Depression samt mehrwöchigem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik. Zu allem Überdruss habe ich per Zufall erfahren, dass meine Bundeswehr-Förderung als Sportsoldatin zum Jahresende ausläuft. Übrigens zwei Tage vor einem angesetzten, dann verschobenen Ausscheidungskampf für ein Qualifikationsturnier in Paris für die Olympischen Sommerspiele Ende Juli. Vieles ist da zusammengekommen.

Blicken wir zunächst zwei Jahrzehnte zurück. Ihre Familie, eine boxsportbegeisterte?

Meine Eltern hatten anfangs keinen Bezug zu Kampfsportarten, dem Boxen etwa. Sie wollten aber, dass sich ihre Kinder, mein jüngerer Bruder, meine ältere Schwester und ich, bewegen, Sport treiben. Bei mir kommt meine Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung, ADHS, hinzu. Ein Syndrom, das in der Regel im Kindes- und Jugendalter auftreten kann. Vor 25, 30 Jahren war darüber noch recht wenig bekannt, Eltern und Kinder waren oft überfordert, was zum Teil heute noch der Fall ist.

Auspowern durch Sport als ein Art Therapieansatz?

Na, zumindest wurde ich durch die sportliche Belastung ruhiger. Angefangen hatte ich mit Jiu-Jitsu, Kickboxen kam dazu, da war ich acht Jahre. Das war alles kindgerecht nach dem Motto »Sport, Spiel, Spaß«. Unsere Eltern hatten Matten auf dem Dachboden ihres alten Bauernhauses in der Nähe von Crivitz, einem Ort im mecklenburgischen Landkreis Ludwigslust-Parchim, ausgelegt. Dort übte ich mit meinen Geschwistern erste Handgriffe und Falltechniken. Zwischendurch hatte ich ein Schlagzeug, um mich auszutoben. Ha, das war vielleicht nicht die schlaueste Idee ... Im Ernst, damals wussten betroffene Familien nicht mit Kindern, die unter ADHS litten, umzugehen. Meine Mutter sagte immer: »Sarah war einfach anders.« Fest steht: Durch das Boxen habe ich mein Leben geregelt und meine Probleme in den Griff bekommen.

Und mit elf Jahren wurden Sie Schülerin auf der Schweriner Sportschule ...

Stimmt. Als erstes boxende Mädchen deutschlandweit überhaupt, wohlgemerkt. Einfach war das nicht, auch mit den Jungs, klar. Die jungen Volleyballerinnen hatten ihre Gruppe, die Handballerinnen, ich nicht, aber das war okay. Seitdem gehört Boxen zu meinem Leben, untrennbar.

Okay, aber nicht einfach, sagen Sie ...

Ja, viele Mitschüler fanden es schon interessant, ein Mädel zieht Boxhandschuhe an und schlägt zu. Aber richtig anerkannt war das nicht, und eigentlich wurde es Mädchen und jungen Frauen nicht zugetraut. Und das, obwohl sie das gleiche Training absolvierten. Ich dachte mir, gut, woher sollen sie es wissen, wenn es keine weiblichen Vorbilder gibt. Deshalb habe ich sehr früh über Facebook und später über Instagram gezeigt, dass wir uns nicht verstecken müssen, genauso im Ring stehen und kämpfen wie die Jungs und Männer.

Die langjährige frühere Weltmeisterin Regina Halmich gilt als Protagonistin für das Boxen von Frauen, ein Idol für Sie?

Direkt aufgeschaut habe ich nicht. Aber die Showeinlagen mit Stefan Raab 2001 und 2007 haben zur Popularität unseres Sports beigetragen. Eine kleine, blonde, eher zierliche Frau bricht dem Raab im Ring die Nase. Dafür bin ich Regina Halmich dankbar und natürlich auch Stefan Raab. Er hat noch Glück gehabt, bei einem Kampf in meiner Gewichtsklasse wäre es nicht bei einem Nasenbeinbruch geblieben. Gewiss nicht. (Lacht.)

Sport vor, während und nach dem Schulunterricht. War das Leben als junge Athletin völlig durchstrukturiert, haben Sie rasch gespürt, dass Schule und Trainer etwas mit Ihnen vorhatten?

Damals war das nicht so, wir waren eine Sportgruppe, alle sind irgendwie mitgeschwommen. Als mich mein späterer Trainer Michael Timm bei einem Trainingswettkampf sah, wollte er eigentlich zu mir gehen und sagen: »Mädchen, das sieht so schlecht aus, hör lieber auf mit dem Boxen!« Er kam nicht, und es kam bekanntlich anders. Hm, ich hatte nie die Ambition, andere Dinge über meinen Sport zu stellen. Für mich war es das normalste von der Welt.

Der erste echte Kampf im Ring, wann war der?

Da war ich 13. Ich habe in der Folgezeit oft durch Abbruch gewonnen. Körperlich war ich zumeist weiter als die anderen jungen Frauen, zudem sehr groß, auch wenn es an boxerischen Mitteln zum Teil fehlte. Na ja, und wenn ich manche frühere Kämpfe anschaue, bin ich nicht sonderlich begeistert. Mein Trainingsvorteil durch die Sportschule machte aber vieles wett. Und klar, meine sportlichen Erfolge haben mir viel gegeben, dass ich intensiv weitermachte. Heutzutage ist das Training individueller, manchmal denke ich: O mein Gott, die Jüngeren sind technisch so gut wie ich, obwohl ich schon so lange trainiere. Wo soll das noch hinführen ... Aber ich freue mich, wie stark sich das Boxen von Frauen in den zurückliegenden Jahren entwickelt hat.

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Ausnahmesituation für Leistungsportlerin: Ruhepause im Geräteraum

Boxen, auf Höchstleistung getrimmt, nicht immer Vergnügen, oder?

Puh. Verzicht, Entbehrungen, alles gehört dazu. Vor allem merkt man das erst so richtig krass nach Niederlagen. Dann, wenn dein Arm nach einem entscheidenden Kampf unten bleibt, der deiner Gegnerin durch den Ringrichter nach oben gereckt wird. Erst danach wird einem voll bewusst, wieviel harte Arbeit in all den Monaten zuvor drinsteckte. Schmerzlich.

Dieses Gefühl kam vorher nicht auf?

Nein, nicht so. Davor bin ich von Turnier zu Turnier geeilt, stand fast immer auf dem Podest und holte Medaillen. Ich war die erste Frau in einem Europameisterschaftsfinale im olympischen Boxen. Ich wurde Vizemeisterin, 2014 war das. Als ich bei der Olympiaqualifikation für Rio 2016 scheiterte, stellte ich zwischenzeitlich alles in Frage. Die Qualen der Vorbereitung, alles. Leben und Glück scheinen von Kampfrichterentscheidungen abhängig zu sein. Alle, die sich für Olympia qualifizieren wollen, dort vielleicht erfolgreich sind, bezahlen – psychisch, physisch. Und alle haben sich geplagt, nicht nur die späteren Siegerinnen und Sieger.

Mit Verlaub, lohnt der ganze sportliche Aufwand?

In den vergangenen Monaten habe ich viel darüber nachgedacht, ob eine Olympiateilnahme oder eine Medaille all das aufwiegen können. Ich denke, die Bedeutung einer Olympiamedaille können vermutlich auch nur die begreifen, die diese extrem harte Wegstrecke gegangen sind.

Was bringt der soziale Alltag einer Leistungssportlerin noch so mit sich?

Das zum Beispiel: Ich muss täglich meinen Übernachtungsort bei der Nationalen Antidopingagentur angeben, für spontane Kontrollen. Zwischen morgens um sechs Uhr bis abends um 22 Uhr kann es an der Wohnungstür klingeln, und ich darf dann vor einer wildfremden Kontrolleurin in einen Becher pinkeln. Besonders schön ist so was, wenn man gerade ein Date hat, einfach toll ...

Zur Saalschlacht im Ring. Dort, wo um den Sieg gefightet wird ...

Ganz ehrlich, ich würde gegen mich nicht boxen wollen.

Klingt keck, wieso das?

Weil ich weiß, welche Fähigkeiten ich habe. Oder anders: Zwei, die ähnliche Voraussetzungen mitbringen, stehen sich gegenüber, wollen gewinnen. Mich beeindruckt jede und jeder, die und der sich das zutraut, in den Ring zu steigen. Dreimal drei Minuten eins gegen eins, absolute Spannung im Körper, drei Runden lang. Training und Wettkampf, dass sind zwei komplett verschiedene Dinge. Ja, manche meinen, man müsse nur alles geben, dann klappt das schon. Hey, wir reden hier nicht nur von zehn Sekunden. Die psychische Belastung steigert sich weiter, wenn das Publikum gegen dich ist, Ringrichterentscheidungen zweifelhaft scheinen. Du darfst dich dann nicht von deiner Wut steuern lassen, musst statt dessen fokussiert bleiben.

Wann baut sich der Stress auf, weit vor dem Eintritt in das Geviert?

Mir wird vor einem Kampf, gerade bei großen Turnieren, mitunter regelrecht schlecht. Ich denke mir dann, wie bescheuert, du hast so lange auf diesen Moment trainiert, das soll sich doch gut anfühlen. Genieße das, habe deinen Spaß dabei – und mache deiner Gegnerin das Leben im Ring zur Hölle! Richtig ist auch, manchmal geht’s nicht, weil es nicht immer möglich ist. Traurig bin ich nur, wenn ich nicht alles gegeben habe, glücklich hingegen, wenn ich einen guten Kampf abgeliefert und toll geboxt habe, besser war als das Mal davor. Sieg oder Niederlage sind dabei dann nicht die zentralen Kriterien.

Und nach einer solchen Extremanspannung folgt der freie Fall, emotional vor allem?

Ja. Das Adrenalin schießt aus deinem Körper, alles fühlt sich leer an, ich bin nach Wettkämpfen oft in ein tiefes psychisches Loch gefallen. Das ist für Menschen mit ADHS durchaus typisch. Für einen kurzen Zeitraum wie dreimal drei Minuten Kampfzeit kann ich mich hyperfokussieren, regelrecht in die Situation hineinsteigern. Somit ist meine spezielle Situation für meinen Sport durchaus vorteilhaft, auch wenn danach ein körperlicher und seelischer Einbruch folgen kann.

Ein Themensprung. Sie haben im Januar 2018 die Initiative unter dem Hashtag »Coach, don’t touch me« mitinitiiert. Was war der Anlass?

Sexismus und sexualisierte Gewalt beginnen mit Sprache, mit Sprüchen wie »Schlag nicht wie ein Mädchen«, »Mannsweib«, »Kampfsport ist Männersache«. Standardsprüche, die ich nicht nur von Posts auf Instagram oder bei Facebook zur Genüge kenne, sondern auch von Trainern. Hintergrund des Hashtags war ein Missbrauchsfall einer Boxerin aus Hamburg. Wir wollten für das Thema sensibilisieren, Öffentlichkeit schaffen und vor allem auch den Verband dazu bewegen, Schutzräume für Mädchen und junge Frauen in unserem Sport zu schaffen.

Wie hat der Deutsche Boxsportverband, DBV, reagiert?

Wir hätten uns mehr Unterstützung erhofft. Es gab rasch negatives Feedback, das hätte ich so nicht gedacht. Schnell haben sich ein Pro- und ein Kontra-Lager gebildet, letztere warfen uns vor, gegen Trainer vorzugehen. Dabei ging es uns nur darum, deutlich zu machen, dass Missbrauch im Sport nichts zu suchen hat, dafür steht der Hashtag. Und dagegen kann niemand was haben.

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Markenzeichen Schlaghärte: Scheurichs Gegnerin in der Defensive

Offenbar doch ...

Eigentlich wäre es aus Verbandssicht nur klug gewesen zu sagen: »Wow, unsere Mädels engagieren sich«, wir unterstützen sie mit Rat und Tat. Aber statt dessen haben Personen aus der kleinen Boxwelt viel Kraft aufgebracht, um uns auszubremsen. Was nutzt eine Frauenbeauftragte, was nutzt eine Athletensprecherin, wenn sich im Kern nichts ändert? Was Sexismus im Boxsport betrifft, wird nur reagiert, wenn es den älteren Kalibern im Verband nötig erscheint. Es ist reine Alibipolitik. Deshalb bin ich 2018 auch als Athletensprecherin zurückgetreten, ich wollte kein Feigenblatt sein, dafür stehe ich nicht zur Verfügung.

Was ist aus dem Hashtag geworden?

Der ist mehr oder weniger inaktiv. Wir waren anfangs viele motivierte Mädchen und Frauen. Die ganze Abwehrhaltung hat Wirkung gezeigt, leider. Momentan gibt es auch keine Athletensprecherin mehr im DBV, das ist eine Botschaft, finde ich.

Auf eine Unterstützung durch den Verband ist nicht zu setzen?

Vor allem ist mit dieser Art von Verbandspolitik der Bedeutungsverlust des Boxens hierzulande nicht aufzuhalten. Immer weniger junge Menschen wollen sich dem extremen Trainingspensum aussetzen. Eltern wollen wissen, dass es im Sport Schutzräume für ihre Kinder vor sexuellen Übergriffen gibt. Dass es nicht sein kann, dass Trainer mit minderjährigen Athletinnen beispielsweise in Trainingslagern auf einem Zimmer schlafen. Klare Regeln und Sanktionen, die fehlen.

Nur: Was erwarten Sie vom Verband?

Andersherum: Man erwartet von uns, Meinungen zu bekunden, Haltung zu zeigen. Ha, nur wenn man es macht, auf Missstände hinweist, wird man fallengelassen. Es wird ein Exempel statuiert, die, die sich nicht verbiegen lassen, bekommen Steine in den Weg gelegt.

Erhalten Sie keine Rückendeckung von anderen Athletinnen und Athleten?

Nur hinter vorgehaltener Hand. Das bedaure ich sehr, dass nicht mehr Boxerinnen und Boxer aus der Nationalmannschaft Widerspruch äußern. Es geht nicht allein um meine Person, um das an dieser Stelle klarzustellen. Das ist nur der Aufhänger. Ich habe mich für andere in die Bresche geschlagen, wenn ihnen übel mitgespielt wurde und sie benachteiligt und ungerecht behandelt wurden. So wie im Arbeitsleben braucht es auch unter uns Leistungssportlerinnen und Leistungssportlern eine Art Gewerkschaft. Nur durch eine aktive Interessenvertretung können wir unsere Macht erkennen, Protest organisieren und Veränderungen als geschlossene Front durchsetzen.

Hat der Boxsport ein Nachwuchsproblem?

Sicher. Wenn vor Jahren eine aus einem Olympiakader weggebrochen war, standen dahinter drei, vier bereitwillige Neue. Das ist längst nicht mehr so. In meiner Gewichtsklasse bis 75 Kilogramm fehlen Nachwuchsathletinnen komplett, zumal solche, die reelle Chancen auf eine Olympiateilnahme hätten. Um mich gewissermaßen auszutauschen, musste mit Christina Hammer eine Athletin aus dem Profilager geholt werden ...

Nach zwei Niederlagen bei nationalen Ausscheidungskämpfen gegen Ihre Konkurrentin Hammer im Februar und April des Jahres war Ihre Aussicht auf eine Olympiateilnahme in Tokio mehr oder weniger passé. Ein wunder Punkt?

Es waren zwei sehr enge Kämpfe, die auch anders hätten ausgehen können. Boxen ist nun mal ein »subjektiver Sport«, bei dem nicht nur objektive Faktoren eine Rolle spielen, bedauerlicherweise. Das kann eine eher kaputtmachen als Niederlagen im Wettkampf. Ich bin Christina gegenüber keineswegs nachtragend, wir haben zwei klasse Fights auf Augenhöhe über die Bühne gebracht.

Was heißt das für Ihre Boxlaufbahn? Sie wollen tatsächlich noch einmal angreifen?

Natürlich, ja. Einige aus dem DBV und meinem langjährigen Verein Traktor Schwerin gingen in den zurückliegenden Wochen möglicherweise davon aus, dass ich nach der zweiten Niederlage gegen Christina Hammer aufhören werde. Dem ist nicht so. Boxen ist das, was ich liebe. In Hannover und Gifhorn habe ich eine Umgebung und ein Team gefunden, das sich auf mich freut, das spüre ich, das weiß ich. Ich habe in all den Jahren bewiesen, dass ich als Boxerin mit der Weltspitze mithalten kann. Und nach meinem Ortswechsel kann ich sportlich nur noch wachsen, besser werden. Das ist mein Ziel.

Sie haben Ihren sportlichen Zenit nicht schon überschritten?

Was? Ich bin knapp 28 Jahre, war in der Vergangenheit beinahe verletzungsfrei. Mein Leistungspotential ist noch längst nicht ausgeschöpft. Hey, da geht noch was!

Aber irgendwann ist der Akku leer, oder?

Ohne den vollen Rückhalt meiner Familie sowie von Freundinnen und Freunden wäre das Sportliche nicht möglich, zugegeben. Die vergangenen Konflikte haben mich vieles gelehrt, gewiss. Ich habe halt ein Kämpferherz. Und ich habe, auch wenn es paradox klingen mag, als stärkste Waffe mein ADHS.

Sarah Scheurich (geboren 1993 in Crivitz, Mecklenburg-Vorpommern) ist olympische Boxerin und war 2013 zum ersten Mal deutsche Meisterin im Halbschwergewicht der Eliteklasse, 2014 wurde sie Vizeeuropameisterin im Mittelgewicht.

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