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Aus: Ausgabe vom 17.07.2021, Seite 8 / Ansichten

Manipulateure des Tages: Deutsche Medien

Von Sebastian Carlens
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Mit diesem Bild wollte Zeit online am 16. Juli 2021 Chinas »aggressive Außenpolitik« belegen. Es zeigt allerdings keine Parade, sondern eine künstlerische Performance am 28. Juni im Beijinger Nationalstadion

Bilder sind geschriebenem Text überlegen, wenn es darum geht, Menschen emotional anzusprechen. Diese Erkenntnis ist keineswegs neu, schon die Kirchen wurden lieber farbig ausgemalt als mit Psalmen vollgekritzelt. Und auch heute macht es einen Unterschied, von Massenprotesten beispielsweise auf Kuba zu schreiben – oder eindrucksvolle Bilder abzudrucken, auf denen tatsächlich solche Massen zu sehen sind. Der psychologische Mechanismus, auf den dabei gesetzt wird, ist die vermeintliche Authentizität der Augenzeugenschaft.

Auch echte Bilder können, in den falschen Kontext gebracht, eine Irreführung sein. Es gibt die kubanischen Massen, und sie demonstrieren auch – allerdings längst nicht sämtlich gegen die Regierung, wie in den bürgerlichen Medien behauptet. Die Zeitungsfotos zeigen oftmals Regierungsanhänger, die für die Verteidigung der kubanischen Revolution auf die Straße gehen.

Ein anderes Beispiel: Beijing sorge durch »aggressive Außenpolitik für Irritationen«, so Zeit online am Freitag über »Chinas Atomprogramm«. Das ist die These. Bebildert ist die entsprechende Podcast-Sendung mit einem Foto, das eine »Militärparade zum 100. Geburtstag der Kommunistischen Partei« zeigen soll. Und tatsächlich: Darauf sind Menschen in Uniform und ein Panzer zu sehen. Die Sache scheint klar: Wer aggressive Außenpolitik betreiben will, braucht dazu die Armee. Hier soll sie zu sehen sein.

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Hommage an die KPCh: Hier sieht man das ganze Bild, von dem in den hiesigen Medien nur ein Ausschnitt gezeigt wurde, um die »Aggressivität« Chinas zu belegen (Beijing, 28.6.2021)

Stimmt nur nicht: Es gab überhaupt keine Parade bei den Feiern des KP-Gründungstages in China. Das Foto zeigt eine künstlerische Performance mit Tanz und Musik, in der unter anderem militärische Szenen nachgestellt wurden. Das alles fand auf einer Bühne statt.

Es mag einen Unterschied machen, ob hier der Wunsch Vaters des Gedankens ist (Massen müssen gegen den Kommunismus sein, Kommunisten müssen Massenvernichtungswaffen mögen), oder ob bewusst und dreist gelogen wird. Nicht aber im Resultat – Verhetzung der Leserschaft gegen den Sozialismus, auf Kuba wie in China.

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  • Leserbrief von Richard (19. Juli 2021 um 19:05 Uhr)
    Es gibt noch immer ganz weit Rechte, die behaupten, unsere Mainstreammedien seien »links«, wenn nicht gar »linksgrün versifft«. Wie sie auf dieses schmale Brett kommen, ist mir ein absolut unerklärliches Rätsel. OK. Wenn man glaubt, dass nur Hetze gegen Flüchtlinge rechts sei – und daran bezeiligen sich diese Medien überwiegend eher weniger (OK, die Springer-Presse oder der Focus können auch da braun) –, dann könnte man auf diese Idee kommen. Einige haben noch nicht begriffen, dass Hetze gegen China, Russland, Syrien (Assad), Kuba etc. zwecks imperialer Machtausübung genauso rechts ist wie jene Hetze gegen Flüchtlinge etc. Genauso sind ja auch die Grünen eher eine grün lackierte CDU. Das bisschen Gendern, wo man die Menschen, ebenso rechts konnotiert, in eine Gruppe von guten und eine von schlechten Menschen unterteilt (anstatt das Problem von Unterdrückung universell zu sehen – Beispiel: Ob nun eine Frau Vorstandsvorsitzende eines großen Konzerns wird, ändert am geschlechterübergreifenden Gerechtigkeitsproblem der großen Masse so mal rein gar nichts; das ist elitäre Pseudogerechtigkeit, wie wir sie bei den Grünen, aber auch an anderer Stelle vorfinden), ändert auch nichts daran.

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