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Aus: Ausgabe vom 17.07.2021, Seite 7 / Ausland
Flutkatastrophe

Land unter in Belgien und Niederlanden

Besonders Wallonie und Limburg von Hochwasser betroffen. Mehrere Todesopfer
Von Gerrit Hoekman
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Ausmaß der Zerstörung im Osten Belgiens (Pepinster, 15.7.2021)

Der Starkregen der letzten Tage hat auch den Südosten Belgiens, die Wallonie, und die südliche Provinz Limburg in den Niederlanden stark getroffen. Zahlreiche Städte standen oder stehen noch unter Wasser. Wie die Nachrichtenagentur Belga am Freitag unter Berufung auf den Gouverneur der Provinz Lüttich berichtete, kamen mindestens 23 Menschen in der Wallonie ums Leben.

Die Gefahr war am Freitag noch nicht gebannt, da der Pegel der Maas, die das Wasser der vielen kleinen Nebenflüsse aufnimmt, weiter anstieg. Die Behörden evakuierten vorsorglich flussnahe Dörfer sowie Stadtviertel in Liège und Maastricht. Tausende Einwohner mussten ihre Häuser verlassen. Der Schiffsverkehr wurde aufgrund der starken Strömung und der großen Mengen Treibgut eingestellt. In der ganzen Wallonie waren am Freitag morgen noch 21.000 Menschen ohne Strom.

Wo sich das Wasser langsam zurückgezogen hatte, wurde das Ausmaß der Zerstörung sichtbar: Autos lagen übereinander, Möbel versperrten die Straßen, Trümmer eingestürzter Häuser türmten sich auf. Nach den Wassermassen kamen jedoch auch Plünderer und machten sich über die verlassenen Häuser und Geschäfte her. Im belgischen Verviers gilt seit Donnerstag eine Ausgangssperre von 21 bis 6 Uhr, berichtete VRT-»Nieuws« online.

Im niederländischen Valkenburg, wo das Flüsschen Geul über die Ufer getreten war, wurden die Lebensmittel knapp, weil Lkw die Stadt nicht mehr erreichen konnten. »Die Hotels sind voll mit Evakuierten, aber die Lieferanten können wegen des Wassers Valkenburg nicht erreichen«, sagte Bürgermeister Daan Prevoo laut der Tageszeitung Het Parool vom Donnerstag. Das Sondereinsatzkommando »Mobiele Eenheid« versuchte Schaulustige davon abzuhalten, nach Valkenburg zu kommen.

Die niederländische Regierung erklärte die Provinz Limburg am Donnerstag zum Katastrophengebiet, rief aber nicht den Notstand aus. »Wir unterstützen so gut wie möglich, zum Beispiel, indem wir die Armee einsetzen«, zitierte Het Parool den kommissarischen Premierminister Mark Rutte am Donnerstag. Die Regierung versprach schnelle Hilfe auch für jene, bei denen keine Versicherung einspringt.

Am Freitag wollte sich Rutte in Limburg persönlich ein Bild der Lage machen. Das niederländische Königspaar hatte bereits am Donnerstag Valkenburg besucht. Ob Rutte durch seine Anwesenheit – wie einst der damalige SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder beim Hochwasser an der Oder – Pluspunkte in der öffentlichen Wahrnehmung sammeln kann, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Durch die Flutkatastrophe rückt der Konflikt um seinen Kurs in der Coronapandemie erst einmal in den Hintergrund.

Am 26. Juni hatte die Regierung die allermeisten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie überhastet aufgehoben, um viele am 9. Juli ebenso plötzlich wieder einzuführen. Die Zahl der Infizierten war in den Tagen zuvor explosionsartig in die Höhe geschossen. Aktuell stecken sich jeden Tag um die 10.000 Menschen mit dem SARS-CoV-2-Virus an, überwiegend mit der anscheinend besonders ansteckenden Delta-Mutation. Auch die Krankenhauseinweisungen von Patienten in Verbindung mit dem Virus steigen, die Zahl der Todesfälle bleibt im Moment aber stabil. Anfang der Woche bat Rutte die Bevölkerung um Entschuldigung für seine Jo-Jo-Politik. Die Regierung habe die Entwicklung und das Verhalten der Menschen offenbar falsch eingeschätzt, gab er zu.

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