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Aus: Ausgabe vom 14.07.2021, Seite 10 / Feuilleton

Hirsch, Schwabe, Edel

Von Jegor Jublimov
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»Das Auge von Dresden«: Kameramann, Regisseur und Dokumentarfilmer Ernst Hirsch

»Das Auge von Dresden« lautet der Titel eines Films über das Schaffen des Kameramanns und Regisseurs Ernst Hirsch. Er wurde am Dienstag 85 und ist Chronist seiner Heimatstadt, seit er 1953 begann, der Nachrichtensendung »Aktuelle Kamera« Berichte aus Dresden und Umgebung zu liefern. Besonders lagen ihm Dresdens Kunstschätze am Herzen. Er arbeitete als Trickfilmer und intensivierte seine Zusammenarbeit mit dem Regisseur Peter Schamoni, als man ihn 1989 in den Westen ziehen ließ. Schon bald war er wieder zurück und hat seitdem neben der eigenen Filmarbeit filmische Zeugnisse über Dresden aus früheren Jahrzehnten gesammelt und archiviert. Das macht ihm noch immer Freude!

Am Montag jährte sich zum 30. Mal der Todestag eines der­ populärsten Schauspieler der DDR. Willi Schwabe begann nach dem Krieg bei Brecht und Weigel und galt lange als dienstältestes Mitglied des Berliner Ensembles. Große Bekanntheit brachten ihm aber seit 1955 die Besuche in seiner »Rumpelkammer«, eine monatliche Sendereihe des DFF mit von ihm ironisch oder auch mit gebührendem Ernst kommentierten Ausschnitten aus alten, meist deutschen Filmen. Das hielt er zur Freude des Publikums 35 Jahre lang durch. Wenn er Zeit fand, spielte er bei Film und Fernsehen und war ein Chansonnier, der auch mal die »Nacht der Prominenten« oder den »Kessel Buntes« launig moderierte.

Manchmal befürchtet man, der Künstler Peter Edel könnte vergessen werden. Die Schule, die in Pankow-Buchholz seinen Namen trug, wurde umbenannt. Aber das frisch ­umgebaute »Bildungs- und Kulturzentrum ›Peter Edel‹« in Berlin-Weißensee lud zum 100. Geburtstag des Graphikers und Schriftstellers am Montag u. a. Gisela Steineckert zum virtuellen Gespräch ein. Physisch dabei waren Marzahn-Hellersdorfs Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle und jW-Autor F.-B. Habel, als nahe der Peter-Edel-Straße ein kleiner Festakt zustande kam. Peter Edel, der nach langer Krankheit mit nur 61 Jahren starb, eiferte zunächst seinem Großvater Edmund Edel nach, der ein gefragter Graphiker war, aber auch Romane schrieb. Peter hatte einen jüdischen Vater, weshalb er schon als Jugendlicher viele Repressalien zu ertragen hatte. Als es offiziell nicht mehr erlaubt war, erteilte ihm Käthe Kollwitz nach 1938 Privatunterricht. Er konnte noch 1941 seine Jugendliebe Esther heiraten, aber 1943 wurden ­beide getrennt nach Auschwitz verbracht. Esther überlebte nicht. Peter Edel, der auch im Lager zeichnete, wann immer es ging, überlebte, weil die Nazis ihn in Sachsenhausen als Fälscher brauchten. Die Geschichte ist aus Adolf Burgers Buch »Des Teufels Werkstatt: Im Fälscherkommando des KZ Sachsenhausen« (1985) und aus dem österreichischen Film »Die Fälscher« (Stefan Ruzowitzky, 2007) bekannt.

Nach der Befreiung machte Edel mit dem Antisemitismus in Österreich und Westdeutschland üble Erfahrungen, weshalb er in der DDR leidenschaftlich gegen Krieg, Gewalt und neue faschistische Umtriebe kämpfte. Neben seiner graphischen Arbeit schrieb er über seine Erlebnisse u. a. den Roman »Die Bilder des Zeugen Schattmann«, der 1971/72 aufwendig als Vierteiler fürs DDR-Fernsehen verfilmt wurde.

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