3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Sa. / So., 24. / 25. Juli 2021, Nr. 169
Die junge Welt wird von 2567 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 13.07.2021, Seite 1 / Titel
Solidarität mit Kuba

Mit Fidel gegen Contras

»Die Straßen gehören den Revolutionären!«: Bevölkerung mobilisiert gegen Aktivitäten von Systemgegnern
Von Volker Hermsdorf
1.JPG
Am Sonntag gingen wie hier in Havanna landesweit Zigtausende zur Verteidigung der Revolution auf die Straße

In zahlreichen Städten Kubas protestieren seit Sonntag (Ortszeit) Zigtausende gegen den Versuch, durch die US-Blockade und die Covid- 19-Pandemie verursachte Mängel für konterrevolutionäre Aktionen zu instrumentalisieren. Die landesweiten Aktionen richten sich gegen die Einmischung Washingtons und fordern die Beendigung der seit mehr als 60 Jahren gegen das Land verhängten US-Sanktionen.

Wie im Internet veröffentlichte Videos zeigen, hatten sich zuvor in mehreren Orten teilweise Hunderte Personen versammelt und zunächst friedlich ihre Unzufriedenheit über den Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten sowie Stromausfälle ausgedrückt. Unter sie mischten sich dann auch Akteure, die US-Fahnen und -Symbole mit sich führten, Parolen wie »Freiheit« und »Nieder mit der Diktatur, nieder mit dem Kommunismus« skandierten, Steine warfen und im Stadtteil Diez de Octubre der Hauptstadt Havanna ein Polizeifahrzeug umstürzten.

Washington sicherte den Systemgegnern Unterstützung zu. Der staatliche US-Propagandasender Radio and TV Martí widmete den Vorgängen seinen gesamten Internetauftritt und bezeichnete die vereinzelten Proteste als »Volksaufstand«. Noch am selben Tag erklärte Julie Chung, stellvertretende Sekretärin für Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre im US-Außenministerium, ihre Regierung sei »tief besorgt« und werde »das Recht des kubanischen Volkes auf friedliche Versammlungen« verteidigen. Der republikanische Senator Marco Rubio forderte die Revolutionären Streitkräfte Kubas zur Meuterei auf. »Die inkompetente Kommunistische Partei kann das Volk nicht ernähren oder vor dem Virus schützen. Jetzt muss das Militär das Volk verteidigen«, zitierte der Sender den Politiker.

Medien in der Bundesrepublik vermengten Informationen mit Fake News. So begründete Spiegel online die regierungskritischen Aktionen unter anderem mit der Behauptung, dass in Kuba – dem einzigen Land Lateinamerikas, das eigene Impfstoffe entwickelt hat, derzeit fünf hochwirksame Vakzine produziert und bereits eine der höchsten Impfquoten der Welt vorweisen kann – der »Impfstoff gegen Corona rar ist«. Zugleich diffamierte tagesschau.de Bürger, die für die Unabhängigkeit ihres Landes demonstrieren, mit der Unterstellung: »Die speziellen Einsatztruppen der Regierung waren in Zivil gekleidet. Sie zogen durch die Straßen und riefen: Wir sind Fidel!«

Tatsächlich übersteigt die Zahl derjenigen, die seit Sonntag zur Verteidigung der Revolution, für das allen Bürgern unentgeltlich zugängliche Gesundheits- und Bildungssystem und gegen die US-Blockade auf die Straße gehen, die der US-freundlichen Systemgegner um ein Vielfaches. Präsident Miguel Díaz-Canel wandte sich am Sonntag per Fernsehansprache an die Bevölkerung. Er erinnerte daran, dass die Regierung bereits 2019 auf die negativen Folgen der mittlerweile 243 neuen Sanktionen zur Verschärfung der US-Blockade hingewiesen hatte, zu denen die Auswirkungen der Pandemie hinzugekommen seien. Es sei verständlich, wenn diejenigen, die seit Monaten unter der Situation litten, ihre Unzufriedenheit ausdrückten, unterstrich er seine Bereitschaft zum Dialog. Jedoch erklärte er auch unmissverständlich: »Wir werden nicht zulassen, dass auch nur ein Konterrevolutionär, der sich an die USA verkauft hat, der Geld von ihnen erhält, unser Land destabilisiert. Die Straßen gehören den Revolutionären!«

Marx für alle!

Die junge Welt gibt's jetzt im Aktionsabo! Für 62 € erhältst du 3 Monate lang die gedruckte Ausgabe der jW, danach endet das Abo automatisch.

Jetzt selber abonnieren, verschenken oder schenken lassen!

Zur neuen Leserbrieffunktion auf jungewelt.de

  • Leserbrief von Reinhold Schramm aus 12105 Berlin (13. Juli 2021 um 05:00 Uhr)
    Kubas Zeitenwende? Die Exilkubaner holen sich ihre verfallenen Häuser und Fabriken zurück. Mit und infolge der Sanierung explodieren die Mietpreise vor allem in den Städten und Zentren der bisherigen Touristik. Neue Arbeitsplätze gibt es vor allem für hochqualifizierte Fachkräfte. Zugleich erhöht sich auch in den übernommenen und zunehmend modernisierten Betrieben die von der neuen Betriebsleitung geforderte Arbeitsleistung. Eine innerbetriebliche Mitsprache der lohnabhängig Beschäftigten wird ausgeschlossen. Die Mehrzahl der Mitarbeiter:innen in staatlichen Einrichtungen, Behörden und Ministerien wird freigesetzt, verliert den Arbeitsplatz und Lebensunterhalt. Die bisherige freiwillige weibliche und männliche Prostitution auf eigene Rechnung wird von den alten und neuen Zuhältern der vormaligen Exilkubaner aus US-Florida gewaltsam beendet. Spielkasinos, Nachtklubs und Bordelle der gehobenen Preislagen für die zahlungskräftige Kundschaft aus den Vereinigten Staaten, EU-Europa und den Golfemiraten werden eröffnet. Die Gesundheitsleistungen werden privatisiert und die höheren Bildungseinrichtungen werden kostenpflichtig. Wer über Familienmitglieder und Verwandte in den USA und Europa und damit über den Zugang an Devisen in US-Dollar und Euro verfügt, der kann auch – noch besser als bisher – an den gehobenen und neuen Konsummöglichkeiten teilnehmen. Zugleich setzt für einen Großteil der kubanischen Bevölkerung – nach wenigen Monaten des Übergangs in die neue Gesellschaft – die zunehmende psychische und soziale Ernüchterung ein. Wie in den Vereinigten Staaten auch, so wird ein großer Teil der Kubaner, vor allem auch Frauen, die Kinder und Jugendlichen, vom materiellen gehobenen Lebensstandard und den größeren Konsummöglichkeiten ausgeschlossen. In Entbehrung einer gesellschaftlichen Alternative wird die Kriminalität und Korruption auf allen Ebenen der kubanisch-amerikanischen Gesellschaft zurückkehren.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Ähnliche:

  • Auch am 1. Mai wurde in Berlin der Protest gegen die US-Blockade...
    26.05.2021

    »Schamlosigkeit kennt keine Grenzen«

    »Unblock Cuba«: Berliner Soligruppe kritisiert weitreichende Konsequenzen der US-Blockade gegen den Inselstaat. Ein Gespräch mit Jutta Kausch-Henken
  • Leer, aber in revolutionärer Stimmung: Straße in Havanna am Inte...
    03.05.2021

    Souverän und kämpferisch

    Erneut virtueller 1. Mai in Kuba. Weltweite Solidarität und Aufruf zu Kampf und Widerstand gegen US-Imperialismus

Regio:

Marx für alle! 3 Monate Tageszeitung junge Welt lesen für 62 €. Jetzt bestellen!