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Aus: Ausgabe vom 07.07.2021, Seite 15 / Antifa
Antifaschistisches Gedenken

Erinnerung an Kämpfer wachhalten

Internationale Föderation veröffentlicht Dokumentation zu Gedenkorten für Antifaschisten
Von Ulrich Schneider
neftbhe
Gedenkorte der FIR wie in Radebeul bei Dresden erinnern an antifaschistische Kämpferinnen und Kämpfer (8.11.1989)

Anlässlich des 70. Gründungsjubiläums hat die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) jüngst eine über 100seitige Dokumentation zu »FIR-Gedenkstätten zu antifaschistischem Widerstand und Verfolgung« vorgelegt. Knapp 50 Gedenkorte werden hier abgebildet und erläutert, an denen bis heute das FIR-Symbol zu finden ist. Alle bisher bekannten befinden sich auf dem damaligen Gebiet der DDR, die meisten in Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Auch an einige »verschwundene Gedenkorte« wird erinnert, die nach 1989/90 nicht nur das FIR-Symbol verloren haben, sondern auch politisch umgewidmet wurden. Ausgangspunkt der Recherche zu diesem Buch war übrigens ein faschistischer Vandalenakt, der Diebstahl eines FIR-Gedenksteines in Halbestadt/Königstein am Naturfreundehaus am 20. April 2020. Allein dieser Vorgang zeigt, dass antifaschistische Gedenkorte bis heute Teil der gesellschaftlichen Auseinandersetzung um Erinnerungspolitik sind.

Viele dieser Orte finden gegenwärtig ihren Platz in der lebendigen Gedenkkultur antifaschistischer Kräfte und Organisationen. Gefragt werden muss aber immer wieder, ob sie zeitgemäß sind, um junge Menschen heute zu erreichen, da doch Kranzniederlegungen und ähnliche Formen ritualisierten Erinnerns mit der Lebenswelt vieler Jugendlicher wenig zu tun haben. Bezogen auf antifaschistische Gedenksteine und -stätten trifft dieses interessanterweise nicht zu. Bei Veranstaltungen sind immer wieder junge Menschen mit großer Ernsthaftigkeit beteiligt. Dazu werden sie in manchen Fällen auch durch Lehrkräfte oder andere Erwachsene motiviert. Junge Menschen interessieren sich auch von selbst für Gedenksteine. Dafür müssen die steinernen Denkanstöße in ihrem Alltagsumfeld Wirkung entfalten können. Dazu gehören Fragen wie: Warum steht an dieser Stelle ein solcher Stein? An welche Ereignisse oder Menschen erinnert er? Was kann man über das Leben der Opfer und Verfolgten heute noch herausfinden? Gab es um diesen Ort gesellschaftlichen Streit, und wie wurde er geklärt? Wenn solche Gedenkorte nicht nur rückwärtsgewandt wahrgenommen werden sollen, dann muss auch zugehört werden, welche Fragen Jugendliche heute zu den damaligen Ereignissen haben und welche Verbindungen sie zu heute ziehen.

Schon im vergangenen Jahr organisierten Antifaschisten als »Ersatz« für die abgesagte zentrale Gedenkveranstaltung zum 11. April 1945 auf dem Ettersberg/Weimar ein »virtuelles Buchenwald-Gedenken«. Daran beteiligten sich viele jüngere Menschen, die Fotos ihrer Aktionen an den örtlichen Gedenksteinen schickten. Auch am 8. Mai 2020 nutzten junge Leute diese Erinnerungsform, wie das Bild vom FIR-Erinnerungsort in Templin zeigt. Sie engagieren sich sogar in der Pflege solcher Steine, wenn ihnen die Bedeutung klar ist. So wird der FIR-Gedenkstein für Johannes May – ein kommunistischer Arbeitersportler, der seit 1943 als Wehrmachtssoldat vermisst wurde – in Freital von Mitgliedern eines Sportvereins betreut. Damit bleiben diese Gedenksteine im Bewusstsein der Menschen und werden tatsächliche Denk-Orte.

Gedenkstätten sind und bleiben zeitgemäß – es kommt jedoch darauf an, dass deren Bedeutung und der historische Kontext der zu Ehrenden vermittelt werden. Das ist eine geschichtspolitische Aufgabe für Antifaschisten aller Generationen.

Ulrich Schneider ist Generalsekretär der Internationalen Vereinigung der Widerstandskämpfer (FIR)

Die Broschüre ist gegen eine Schutzgebühr von 5,00 Euro (zzgl. Porto) zu beziehen über den VVN-Shop: https://kurzelinks.de/broschuere-gedenkstaetten

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