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Aus: Ausgabe vom 10.07.2021, Seite 12 / Thema
Bildende Kunst

Zur Gleichberechtigung befreit

Heute erscheint die siebte Grafik in der junge Welt-Kunstedition: »Paar am Strand« von Thomas J. Richter
Von Andreas Wessel
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Holzschnitt »Paar am Strand« von Thomas J. Richter

Das ist mir jetzt doch zu heikel. Während sich die letzten beiden Linoleumplatten bei leichtem Ziehen und Hebeln nach kurzem Widerstand mit einem leicht schmatzenden Geräusch ablösten, sitzt das jetzt hier wie festgeleimt. »Gib mal her.« Thomas rupft die Druckplatten unzeremoniös auseinander und reicht sie mir – na gut, der Künstler darf das. Vorsichtig streiche ich über die Oberfläche, in die sich das Textilmuster der Rückseite der darauf liegenden Platte eingeprägt hat. Ob das noch zu drucken ist? Thomas zuckt mit den Schultern: »Probiert es halt.«

Schon lange vor dem Start der jW-Kunstedition im Juli 2019 war klar, dass ich unbedingt ein Blatt von Thomas J. Richter dabeihaben wollte – und natürlich nicht nur ich, Thomas ist ja sozusagen der jW-Hauskünstler, und wir bekommen fast täglich eine seiner Grafiken in der Zeitung zu sehen. Allerdings hat die ständige Präsenz seiner »politischen Gebrauchsgrafik« auch ein wenig den Blick dafür verstellt, dass er in erster Linie Maler ist. Und daneben entstand eben auch anspruchsvolle Druckgrafik, entwickelt aus den Motiven der Malerei und als Illustration, wie für die Liebesgedichte von Peter Hacks, publiziert 2006 im Eulenspiegel-Verlag.

Es war aber auch klar, dass Thomas nach seinem Schlaganfall vor einigen Jahren keine neue Druckvorlage mehr für uns schaffen würde. Daher sitzen wir jetzt vor einem beeindruckenden Stapel von Holz- und Linoldruckplatten, und ich habe die Qual der Wahl. Ich wühle mich durch die Herrlichkeiten und stoße unter den belustigten Blicken des Künstlers kleine Freudenschreie aus. Manche der ins Material geschnittenen Bilder haben durch die Werkzeugspuren auf den weggeschnittenen Flächen, die im Abzug einfach frei bleiben, eine fast malerische Anmutung. Die Auswahl ist dann doch nicht so schwer: Das Motiv muss auf das Blattformat unserer Edition passen, und es soll noch nicht in einer Auflage gedruckt oder anderweitig publiziert sein. Sicher kein Zufall, dass es letztendlich ein Paar beim Liebesspiel wird – die Richterschen Liebespaare sind schon legendär, haben allerdings, auch in linken Kreisen, nicht nur Bewunderer. Der Vorwurf steht im Raum: Pornograph! Dazu später.

Kunst, immer, überall

Thomas Jakob Richter wird 1955 in eine Künstlerfamilie hineingeboren. Oder besser, in eine Künstlerwelt hineingeboren, in der über Kunst gar kein Gewese gemacht wird: Sie ist halt da, immer, überall. Es sind da die Werke vom Großvater Gottfried, vom Vater Gottfried Uwe und dessen engem Freund Ernst Schroeder, von Gustav Seitz und vielen anderen, es sind da die skurrilen Künstlerfreunde mit ihren skurrilen Ansichten und skurrilen Lebensgeschichten, die so gar nicht zum Lachen sind, wie Herbert Sandberg oder der heute fast vergessene Fritz Duda.

Thomas’ Vater Gottfried Uwe ist Zeichner und staunt über das Gemalte vom kleinen Thomas, aber der will gar nicht Maler werden, sondern Philosoph. Gottfried Uwe Richter (1930–1977) selbst ist nicht einfach Zeichner: »Das war eben das Problem. Mein Vater, der war ja so ein Frühbegabter, der war mit sechzehn genial, ein genialer Mensch, und der konnte alles zeichnen, ohne dass er je studiert hat, und daran ist er dann gescheitert. Als junger Bursche war er Meisterschüler von Max Pechstein – er hat sich einfach bei Pechstein vorgestellt und Pechstein hat ihn genommen – und dann Meisterschüler an der Akademie bei Max Lingner. Aber er hat immer das Gefühl gehabt, er muss seine Familie ernähren, Frau und zwei Kinder, hat gedacht, er muss irgendwo anfangen und hat dann beim Fernsehen als Grafiker gearbeitet. Zwischendurch wollte er Grafiker beim Neuen Deutschland werden, das, was der Leo Haas gemacht hat, hat aber irgendwie nicht geklappt. Mein Vater war eine ganz tragische Figur, der ist sehr früh gestorben, der hat sich quasi zu Tode gesoffen.« Geblieben ist eine Mappe, herausgegeben 1947 vom Kunstverlag Horst Boettcher in der Reihe Neue Graphik: »Kreatur Mensch« mit 16 Zeichnungen des 16jährigen Gottfried U. Richter – von »Lebensfreude« bis »Totentanz«.

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Thomas J. Richter

Der junge Thomas Richter fand stets alles Nötige, um alles Mögliche zu bemalen und zu bezeichnen. Er wurde nicht bestärkt, und er wurde nicht gehindert. Und seine Begabung wurde durchaus auch außerhalb der Familie erkannt. Thomas erinnert sich, als Junge einmal in Dresden von Lea Grundig empfangen worden zu sein, und zwar als Goldmedaillengewinner des DDR-weiten Wettbewerbs »Galerie der Freundschaft«. Nach dem obligatorischen Armeedienst sollte es trotzdem die Philosophie sein. Thomas Richter erscheint vor der Aufnahmekommission an der Humboldt-Universität und schwärmt von den Problemen, von denen er meint, sie müssten im sozialistischen Deutschland philosophisch angegangen werden. Besonders das damals aktuelle Buch eines »DDR-kritischen Menschen, der dann in den 90ern noch in die PDS eingetreten ist, bevor er starb« (es war wahrscheinlich Wolfgang Harich mit seinem 1975 bei Rowohlt erschienenen Buch »Kommunismus ohne Wachstum«), hat ihn angeregt. Er lässt außerdem noch die Namen Biermann und Havemann fallen und ist raus: »Ich war dann der einzige in meiner Klasse, der keinen Studienplatz hatte.«

Nun ist guter Rat teuer, und als ein Freund nach Leipzig geht, um Kunsterziehung zu studieren, folgt Thomas Richter diesem und seiner Begabung. Das war zwar schon nahe an der Kunst, aber noch nicht ganz das Richtige. Etliche Kommilitonen springen im zweiten Studienjahr ab, einige der übriggebliebenen schreiben einen Protestbrief ans Ministerium, fordern mehr Freiheiten in der künstlerischen Ausbildung. Die Folge: »Alle haben dann über kurz oder lang Kunst studiert, ich ging nach Weißensee.« Er stellt sich beim Rektor der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, Walter Womacka, vor. »Ich kam dahin und musste keine Aufnahmeprüfung machen. Und da mich Womacka sofort genommen hatte, erschien ich allen als komischer Überflieger, keiner wusste so recht, was mit mir los war.« Auf den Menschen Walter Womacka lässt Thomas Richter bis heute nichts kommen. »Der war ja bei allen verschrien als DDR-Staatskünstler, aber dit war ein juter Mensch. Beim Fasching in der Kunsthochschule, da saß der große Rektor irgendwo an der Bar und hat vor sich hinjesoffen, und man konnte sich prima mit ihm unterhalten. Ich war ja auch schon damals in der Hochschule Genosse, ich war da in der Parteileitung der Kunsthochschule, und da waren schon komische Typen bei, aber mit Womacka hatte ich nie Schwierigkeiten.«

Die Studienzeit war wichtig, aber nicht unbedingt die Lehrer. »Die Klasse war die von Günther Brendel, aber eigentlich hat sein Assistent Dietrich Noßky unsere Malklasse geleitet. An der Kunsthochschule da hat mich eigentlich gar keiner weiter interessiert. Ich hatte aber damals schon ein sehr gutes Verhältnis zu Lothar Böhme und lernte Hans Vent, Dieter Goltzsche, Wulff Sailer, Manfred Böttcher kennen.« Also die Gruppe von Malern und Grafikern, die halboffiziell als die Berliner Schule firmierten. »Genau. Mit Böttcher war ich dann gut befreundet, der war auch der geistige Typ, der alles im Überblick hatte. Das hat mich viel mehr interessiert, das war die eigentliche Hochschule, die mich und andere geprägt hat.«

Manchmal wurde Richter auch direkt als jüngster Spross oder – je nach Blickwinkel – auch Ausläufer der Berliner Schule bezeichnet. »Da kann ick mit leben.« Den mit Abstand stärksten Einfluss hatte jedoch ein künstlerisches Phantom, ein Mitbegründer der Berliner Schule, der jedoch 1958, mit 30 Jahren, aus der Kunstszene verschwand: »Das meiste hab’ ich von Ernst Schroeder, muss ich sagen. Mein Vater war ja sehr gut mit Ernst Schroeder befreundet. Wir hatten noch viele Originale, die hingen bei uns in der Wohnung, und das hat eigentlich mein frühes Leben ganz stark geprägt. Dann hatten wir auch noch ein Haus auf Rügen, da war ich in den Ferien sowieso immer.« Und so beginnt das eigenständige Werk mit klar gebauten Küstenlandschaften, Traumlandschaften – menschenleeres Arkadien im Nordlicht. »Und dann schmuggelten sich so langsam die Menschen rein, das waren halt meistens nackte Weiber.« Und die nackten Weiber gesellten sich im heraufdämmernden neuen Jahrtausend mit mannhaften Gegenstücken – Selbstprojektionen oder auch -prospektionen des Malers – zu ungeniert geschlechtlich tätigen Paaren.

Gegengegenaufklärung

Und da nähern wir uns schon wieder der Pornographiefrage, aber gemach. Zuerst muss noch geklärt werden, was den vielbeachteten Maler in die Sphäre der jungen Welt führte. »Politisch war ich immer im Gange. Mit den Leuten, mit denen ich zusammen studierte, hatte ich dann auch gar nichts weiter zu tun, ich bin so meinen Weg gegangen. Ja, wie bin ick zur jungen Welt gekommen? Ich weiß es nicht mehr. Ich war immer mittendrin, bei allen Demonstrationen dabei, und dann kam das halt so. Die junge Welt war für mich so wie ’ne politische Partei … Für mich war junge Welt dann die politische Heimat.« Am Sonntag, dem 7. Oktober 2007, um 11 Uhr, wird die junge Welt-Ladengalerie in der Torstraße 6 in Berlin-Mitte mit Thomas J. Richter als ihrem künstlerischen Leiter eröffnet. Die erste Ausstellung mit »Bildern zur Zeit« von Joachim John gibt die Richtung vor: ein Kulturkampfplatz der Gegengegenaufklärung ist entstanden.

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Harald Weller

Nun aber zur Pornographie. Das Misstrauen gegenüber der expliziten Darstellung von sexuellen Handlungen auch in der linken Kunstszene und Kunsttheorie kommt nicht von ungefähr. Die kapitalistische Pornographie hat im überwältigenden Maße Sexualität kommerzialisiert und damit entsozialisiert, die Menschen so völlig von der kommunikativen Seite der körperlichen Liebe entfremdet. Das baute wiederum auf der vorbereitenden religiösen Pervertierung der Rolle der Sexualität auf. Pornographie im Kapitalismus ist Verdinglichung christlicher Pseudomoral plus Verwandlung von geschlechtlicher Liebe in ein handelbares Gut.

Gleichberechtigte Lust

Ich sprach von »kapitalistischer Pornographie« – gibt es demzufolge auch eine sozialistische oder gar kommunistische Pornographie, und wenn ja, wie sähe sie aus? Peter Hacks lässt die Gesprächspartner in seinem Essay »Linke Arbeiter« von 1988 erklären: »Sozialistische Pornographie, das versteht sich ja von selber, wäre gleichberechtigte Pornographie.« Sie folgern zwar sofort messerscharf, dass Pornographie im Sozialismus ein Widerspruch in sich sei, da Pornographie Hurerei, das heißt »die geschlechtliche Hergabe zu Gewerbszwecken« sei und es so etwas im Sozialismus nicht gibt (oder geben sollte). Nichtsdestotrotz findet »die Zurschaustellung oder unvermittelte Nachahmung geschlechtlicher Werkzeuge und ihrer Taten zu nichtmedizinischen Zwecken« einen Platz im utopischen Sozialismus: Pornographie solle aus dem Alltag genommen, selten gemacht und kultiviert werden – das »pornographische Gemälde« im privaten Umfeld wird ausdrücklich empfohlen!

Nun haben wir keine kommunistische Gesellschaft für den aktuellen empirischen Vergleich, aber wir können immer noch einen Blick zurückwerfen auf das real existiert habende Land, das auch Hacks zu seinen utopischen Spekulationen veranlasste – die DDR. »Liebte der Osten anders? – Do communists have better sex?« fragte 2006 der Dokumentarfilmer André Meier und konstatiert, dass ostdeutsche Frauen doppelt so häufig Orgasmen hatten wie ihre bedauernswerten westdeutschen Schwestern. Und das war nur das Ergebnis des so bedrängten, räumlich und zeitlich beengten, »auch oft hilflosen und oft grauen und müdemachenden, zermürbenden, ätzenden Versuch(s)« (so TJR) des Aufbaus des Sozialismus in der kleinen DDR gegen den heute herrschenden »aberwitzigen kapitalistischen Stumpfsinn«. Was hingegen wäre möglich, in einer tatsächlich kommunistischen Gesellschaft, in der die Freiheit des einzelnen nicht nur an der Freiheit des anderen endet, sondern »worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist«, so Marx und Engels im »Kommunistischen Manifest«.

Sex war im realexistierenden Sozialismus keine Ware. Sex war auch kein »Bindemittel«, mit dem der materiell schwächere Partner in einer Beziehung die unterhaltsichernde Partnerschaft aufrechterhalten musste. Sex war Kommunikation – lustvoll, anregend, erhellend. Meine Freiheit ist auch ein Geschenk meines Gegenübers. Das Gegenteil ist die Spiegelung des Ich in der Wahrnehmung des anderen, die nur auf Selbstbestätigung hinausläuft. Der Boom der digitalen Partnerportale wird ja nicht nur durch die verzweifelte Suche nach dem perfekten Partner befeuert. Die virtuelle Realität dient auch dazu, den virtuellen Marktwert des virtuellen Selbst zu ermitteln. Wir richten den digitalen Avatar nach akzeptierten Attraktivitätskriterien bzw. Kriterien der akzeptierten Attraktivität zu, um dann uns nach dem Avatar zuzurichten. Das Ergebnis ist perfekte Selbstverleugnung in der perfekten Selbstinszenierung – ganz individuell.

Ersatzselbstbewusstsein

Die Jugend soll, so Richter 1998 in einem Interview mit Stefan Amzoll, ein »Ersatzselbstbewusstsein haben, was ihnen auch plausibel macht, dass sie diese ganze Scheiße konsumieren müssen. Diejenigen, die das Geld haben, die großen Konzerne, die wollen etwas verkaufen, die müssen ja denen, die es kaufen sollen, auch eintrichtern, dass sie dadurch bessere Menschen sind, dadurch zu denen gehören, die besser Bescheid wissen. Und bevor sie überhaupt angefangen haben zu denken und zu fühlen und miteinander richtig umzugehen, werden sie schon in den Zustand versetzt, dass sie alles besser wissen.« Die rote Fahne wird ersetzt durch das Regenbogenfähnchen.

Dagegen also nun als siebte Grafik der jW-Kunstedition das »Paar am Strand« (ein Schelm wer dabei an das Womackasche Pärchen denkt). Nach Siebdruck und Lithographie nun endlich auch ein Hochdruck, die älteste künstlerische Drucktechnik, in der Edition. Mit drei Druckplatten, einer Holz- und zwei Linolplatten gehe ich zu Harald Weller, der sie bedächtig in der Hand wiegt: Natürlich ist das alles noch druckbar, auch in einer 250er-Auflage – man muss nur wissen wie! Wir entscheiden uns für den Holzschnitt. Theoretisch kann eine perfekt plane Holzschnittplatte auch auf einer Schnellpresse gedruckt werden, und die Editionsgrafiken wären in einer halben Stunde fertig. Leichte Unebenheiten lassen es aber geraten sein, auch hier, wie bei allen anderen Editionsgrafiken, im Handdruck zu arbeiten. Dazu benutzt Weller eine Andruckpresse aus den 1960er Jahren, die Farbe wird per Hand auf die Rolle aufgetragen und verteilt, die einzelnen Bogen mit unendlich oft geübten Bewegungen eingelegt, bevor die Maschine mit einem schweren Summen darüberfährt. Ein kurzer Kontrollblick, und ab mit dem Bogen auf das Trockenregal. Das cremefarbene Munken Pure, wieder 300 g/m2 stark für ein Blatt zum In-die-Hand-Nehmen, lässt die Druckfarbe samtig aufleuchten. Für das frech-frivole Blatt war uns ein einfaches Schwarz aber zu langweilig, daher gab es einen ordentlichen Schluck Violett hinein!

Der Künstler: Thomas J. Richter

… geboren am 15. Juni 1955 in Ostberlin als Enkel des Malers Gottfried Richter und Sohn des Zeichners Gottfried Uwe Richter; studierte von 1976 bis 1978 Kunsterziehung in Leipzig und anschließend bis 1983 bei Dietrich Noßky Malerei und Grafik an der Kunsthochschule Weißensee. Seitdem lebt er als freischaffender Künstler in Berlin-Friedrichshagen. 1987 erste Einzelausstellung in der Galerie Mitte Berlin, 1989 kauft die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin das Gemälde »Zwischen Häusern am Kanal« (1986). Von 1989 bis 1991 war er Meisterschüler bei Nuria Quevedo an der Akademie der Künste der DDR. Im Oktober 2007 beginnt die junge Welt-Ladengalerie ihre Tätigkeit unter der künstlerischen Leitung von TJR, die er 2012 aus gesundheitlichen Gründen abgibt. Nach einem Schlaganfall Anfang 2015 sind keine neuen Werke mehr entstanden. Das kommende Heft der Melodie & Rhythmus mit dem Themenschwerpunkt »Liebe« bringt eine kleine Galerie mit Malerei von Thomas J. Richter.

Der Drucker: Harald Weller

… geboren 1949 als Bergmannssohn in Gladbeck im Ruhrgebiet als eines von sieben Geschwistern. Politisch wurde in der Familie viel diskutiert, der Vater war nach dem Krieg bis zum Verbot in der KPD, dann in der SPD, dann bei den Grünen, dann parteilos. Das Gymnasium verlässt Weller nach der mittleren Reife, bricht aus der empfundenen Enge aus und erkundet mit einem englischen Freund (»als Hippies«) zwei Jahre lang Europa. Mit 18 erreicht ihn bei einem Besuch zu Hause der Einberufungsbefehl, und er geht nach Westberlin. Dort Abi auf der Abendschule nachgeholt und Beginn eines Mathematikstudiums an der FU (»Aber das stimmte doch nicht mit mir überein«). Er jobbt in einer Druckerei, die dem Vater einer Freundin gehört, lernt das Setzerhandwerk (u. a. den Maschinensatz mit Linotype), lernt dort Peter von Maikowski (1937–2012) kennen und steigt 1980 in dessen Kreuzberger Druckerei ein. Seit 2012 betreibt er die Druckwerkstatt allein, seit 1999 entstehen hier auch die bibliophilen Kostbarkeiten der Corvinus-Presse von Hendrik Liersch, noch länger arbeitet der Tiefdrucker Dieter Béla in der Werkstattgemeinschaft mit. Kürzlich hat Harald Weller ein neues Verfahren für originalgrafische Künstlerdrucke erfunden – dazu an dieser Stelle demnächst mehr.

Abbildungslegende:

Die siebte Grafik der jW-Kunstedition ist ein Holzschnitt von Thomas J. Richter, »Paar am Strand«, Druckplatte entstanden um 2012, gedruckt in Schwarzviolett von Harald Weller (Berlin) auf gelblich-weißem Munken Pure (300 g/m2), Darstellung: 27,3 x 16,5 cm, Blatt: 29 x 20 cm, unten links: Prägestempel der jW-Kunstedition, unten rechts: monogrammiert, Auflage: 250 Exemplare, davon 50 Exemplare h. c.

Die Abbildung hier ist keine Vierfarbreproduktion der Editionsgrafik, sondern ein Druck des Motives in 100 Prozent Schwarz und 100 Prozent Magenta. Dadurch gibt es einen 200prozentigen Farbauftrag, der sich in einem violetten Schimmer bemerkbar macht. Der Zusammendruck der Farben bringt eine Grafik als Offsetlithographie hervor, die vorher so nicht existierte – fast schon eine Originalgrafik!

Die jW-Kunstedition kann auch abonniert werden. Nachdem mit ihrem Start 2019 die 100 Abos schnell vergeben waren, sind nun wieder einige verfügbar. Senden Sie Ihre Bestellung an abo@jungewelt.de oder Verlag 8. Mai GmbH, Aboservice, Torstr. 6, 10119 Berlin. Die Abos werden nach Eingang vergeben. – Einzelne Editionsgrafiken sind im jW-Shop für je 28 Euro plus Versandkosten erhältlich: www.jungewelt.de/kunstedition

Andreas Wessel schrieb an dieser Stelle zuletzt am 13. März dieses Jahres über die sechste jW-Kunstedition, einem Siebdruck von Harald Kretzschmars »Die Bewegten«

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