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Aus: Ausgabe vom 10.07.2021, Seite 4 / Inland
Sucht und Rausch

Lebensrettendes Nasenspray

Schutz für Drogenkonsumenten: Modellprojekt mit Medikament Naloxon gestartet
Von Markus Bernhardt
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Notfallset des Medikaments Naloxon (Mannheim, 17.10.2018)

Mehr als 1.581 Menschen sind im vergangenen Jahr in der Bundesrepublik infolge des Drogenkonsums ums Leben gekommen. 572 der registrierten Todesfälle – und somit mehr als ein Drittel – betrafen Konsumentinnen und Konsumenten von Heroin und anderen Opiaten. Am zweithäufigsten führen mit 27,3 Prozent (432 Personen) Langzeitschädigungen in Kombinationen mit Vergiftung durch aktuellen Konsum zum Tod. Zwar wurden die konsumierten Substanzen nicht benannt, es dürfte sich aber häufig um Heroin gehandelt haben.

Dabei hätten eine Vielzahl der Todesfälle durch den Einsatz des Nasensprays Naloxon verhindert werden können, das die atemlähmende Wirkung von Opioiden wie Heroin, Fentanyl oder Methadon binnen weniger Minuten aufheben kann. Jedoch kam das Notfallmedikament bisher nur selten zum Einsatz. So wurde das verschreibungspflichtige Nasenspray im Jahr 2019 nur 370mal per Kassenrezept und 570mal per Privatrezept an Drogenkonsumentinnen und -konsumenten ausgegeben, obwohl Schätzungen zufolge rund 165.000 Menschen in Deutschland Opioide konsumieren.

Zu Beginn dieses Monats starteten das Institut für Suchtforschung Frankfurt am Main, der Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik »Akzept« und die Deutsche Aidshilfe (DAH) daher das Bundesmodellprojekts »Naltrain«. Im Rahmen des Projektes sollen fortan in 40 Städten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Einrichtungen der Aids- und Drogenhilfe durch halbtägige Schulungen ausgebildet werden und das erworbene Wissen dann in an Drogengebraucherinnen und -gebraucher sowie Substituierte weitergeben. Außerdem sollen im Rahmen des Projektes in den teilnehmenden Städten verbindliche Kontakte zu Ärztinnen und Ärzten aufgebaut werden, damit alle geschulten Konsumentinnen und Konsumenten sowie Substituierte auch ein Rezept für das Spray erhalten, das sie dann in der Apotheke einlösen können.

Durch die Einführung des Nasensprays im Jahr 2018 sei die Grundlage geschaffen worden, dass das lebensrettende und einfach anwendbare Medikament verstärkt auch durch geschulte Laien wie zum Beispiel Betroffene, Eltern und Angehörige sowie durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Drogen- und Aidshilfen eingesetzt werden könne, bis Rettungskräfte vor Ort seien, erläuterte Heino Stöver, Gesamtleiter des Projekts, anlässlich dessen Beginns. Jedoch werde das Medikament »bisher nur höchst selten verschrieben«, erklärte Dirk Schäffer, dem als Referenten für Drogen und Strafvollzug der Deutschen Aidshilfe die fachliche Leitung obliegt. Im Rahmen einer Begleitevaluation des Modellprojektes sollen die Daten zur Anzahl der ausgebildeten Personen sowie zur Zahl der Rezepte erfasst werden. Zudem soll ein Rückmeldesystem nach erfolgter Anwendung des Nasensprays installiert werden. Ziel des Projektteams sei es, dass nach Abschluss des auf drei Jahre angelegten Programms viele tausend Drogen­gebraucherinnen, Drogengebraucher und Substituierte das Naloxon-Nasenspray mit sich führen und im Notfall auch anwenden können, erklärte die DAH anlässlich des Projektstartes. Zudem solle das Thema »Drogennotfall« zukünftig auch ein fester Baustein in der Arbeit und Ausbildung aller in den Drogen- und Aidshilfen tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden.

Mit der flächendeckenden Verbreitung eines Naloxon-Nasensprays sollte es sodann zukünftig möglich sein, den Anteil an Todesfällen unter den Konsumentinnen und Konsumenten von Heroin und anderen Opiaten zu reduzieren, so Christine Kluge Haberkorn, Geschäftsführerin von »Akzept«.

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