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Aus: Ausgabe vom 06.07.2021, Seite 7 / Ausland
#Unblock Cuba

Im Auge des Sturms

Kuba: Neben US-Blockade leidet Bevölkerung derzeit unter Tropensturm »Elsa« und Coronapandemie. Havanna setzt auf eigene Impfstoffe
Von Volker Hermsdorf
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Wappnen sich gegen Sturm »Elsa«: Menschen laden Möbel auf ihre Trucks (Havanna, 4.7.2021)

Neben der von US-Präsident Joseph Biden unverändert aufrechterhaltenen Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade ist Kuba derzeit zwei weiteren Bedrohungen ausgesetzt. Tropensturm »Elsa«, der zuvor mindestens drei Todesopfer in der Karibik gefordert hatte, zog am Montag über die Insel und verursachte Millionenschäden an Gebäuden, Lebensmittellagern und in der Landwirtschaft. Gleichzeitig steigt die Zahl der Coronaneuinfektionen kontinuierlich an.

Am Sonntag meldete das Gesundheitsministerium einen Rekord von 3.519 neuen Fällen, die höchste Zahl an einem Tag seit Beginn der Pandemie. Von bisher insgesamt 204.247 in ­Kuba an Covid-19 Erkrankten waren bis zum Montag 1.351 Menschen gestorben. Zwar steht das Land wegen seines vorbildlichen Gesundheitssystems und durch die Entwicklung hochwirksamer eigener Impfstoffe deutlich besser da als alle Nachbarn in der Region. Die Blockade erschwert jedoch den Kampf gegen die Ausbreitung der Corona­pandemie stark. Wirbelsturm »Elsa«, der sich am Wochenende vom Hurrikan zu einem tropischen Wirbelsturm abgeschwächt hatte, verschlechtert die Lage der kubanischen Wirtschaft in der ohnehin kritischen Situation weiter.

Die ersten Ausläufer des Sturms hatten die Insel am Sonntag nachmittag an der Küste von Cabo Cruz in der Provinz Granma mit Windgeschwindigkeiten von 85 Kilometern pro Stunde und mehr als drei Meter hohen Wellen erreicht. Am Abend war aus der Region die Zerstörung zahlreicher landwirtschaftlicher Kulturen, hauptsächlich Bananen- und Kaffeeplantagen, gemeldet worden. Beim Zug durch die zentralen Provinzen verwüstete »Elsa« dann durch heftige Regengüsse und orkanartige Windböen weitere Plantagen, Gebäude und Kommunikationseinrichtungen. Tausende Menschen waren zeitweise ohne Strom, Wasser und Telefon.

Trotz der extremen ökonomischen Probleme konnte das Land seine Präventionsmaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung aufrechterhalten. Landesweit waren seit Sonntag früh Hunderttausende evakuiert und in Schutzeinrichtungen in Sicherheit gebracht worden. Reparaturteams und Techniker standen in den gefährdeten Gebieten bereit, um unmittelbar nach Durchzug des Sturms mit der Behebung der gravierendsten Schäden zu beginnen. »Kuba ist darauf vorbereitet, dem Wirbelsturm auch unter Covid-19-Bedingungen zu begegnen«, zitierte die Parteizeitung Granma am Montag Präsident Miguel Díaz-Canel.

Voraussagen zufolge sollte »Elsa« am späten Montag abend (Ortszeit) das kubanische Territorium zwischen den Provinzen Artemisa und Matanzas in Richtung Florida (USA) verlassen. Vor allem in Matanzas herrschte besondere Alarmbereitschaft. Mit 1.191 neuen Fällen hatte das Gesundheitsministerium dort am Sonntag die landesweit höchste Zahl von Coronaneuinfektionen gemeldet. Angesichts dieser Situation appellierte der Leiter der örtlichen Kata­s­trophenschützer und Vizeminister der Revolutionären Streitkräfte, Joaquín Quintas Solá, »Leichtsinn jeglicher Art, der Leben in Gefahr bringen könnte«, zu vermeiden, wie Granma berichtete.

Im Kampf gegen die Auswirkungen der US-Blockade, der noch bis November zu erwartenden Tropenstürme und der Pandemie setzt die kubanische Regierung derzeit vor allem auf die Impfkampagne mit eigenen Vakzinen und hat sich zum Ziel gesetzt, bis Jahresende die gesamte Bevölkerung zu impfen. Der vom Zentrum für Gentechnik und Biotechnologie (CIGB) entwickelte Impfstoff »Abdala« übertrifft mit einer Wirksamkeit von 92,28 Prozent die Anforderungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an einen ­Covid-19-Impfstoffkandidaten und spielt in der gleichen Liga wie die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna. »Wir wissen, dass wir uns auf uns selbst verlassen müssen, auf unsere eigenen Kräfte und Fähigkeiten«, erklärte Gerardo Guillén Nieto, Direktor der biomedizinischen Forschung beim CIGB, den Erfolg. Und Staatschef ­Díaz-Canel lobte die Leistung der kubanischen Wissenschaftler als »Beispiel für die Widerstandskraft eines Landes, das über eine Pharmaindustrie verfügt, die seit 1962 der Wirtschaftsblockade der USA trotzt«.

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