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Aus: Ausgabe vom 05.07.2021, Seite 7 / Ausland
Faschisten Italien

»Aus guten Familien«

»Errichtung neuer Weltordnung«: Italienische Polizeisondereinheit deckt faschistische Organisation auf
Von Gerhard Feldbauer
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Anhänger der faschistischen Casa Pound bei einer Aktion in Rom am 9. Februar 2019

In der lombardischen Hauptstadt Mailand und in Triest hat die Abteilung für allgemeine Ermittlungen und Sonderoperationen (DIGOS) der italienischen Polizei in der vergangenen Woche »eine nazifaschistische Organisation« zerschlagen. Vier junge Männer wurden festgenommen, sie sollen Mitglieder der »Avanguardia Rivoluzionaria« (AR) gewesen sein, wie ANSA am Donnerstag berichtete. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur wollten sie US-amerikanischen rassistischen Gruppen nacheifern.

Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, »zu Gewalt und Diskriminierung gegen Angehörige anderer Nationalitäten und ethnischer Gruppen« aufgerufen zu haben. Zur »Errichtung einer neuen Weltordnung« wollte die Organisation das »absolute Chaos« schaffen, um die Ankunft eines »Diktators« zu begünstigen. Dazu waren, so ANSA, »gewaltsame Einschüchterungsaktionen« in sozialen Zentren und Angriffe auf Personen ausländischer Herkunft und muslimischer Religion geplant.

Laut den Ermittlern sei bezeichnend, dass die Mitglieder der Gruppe sich als Kampfnamen die Namen von »Neonaziikonen« gewählt hätten. Einer hätte sich beispielsweise Anders Breivik genannt. Der norwegische Faschist und Massenmörder hatte am 22. Juli 2011 Terroranschläge in Oslo und auf der Insel Utøya begangen, bei denen insgesamt 77 Menschen starben. Auf der Insel Utøya hatte Breivik unter den Teilnehmern eines Zeltlagers der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei ein Massaker angerichtet.

Die Gruppe hatte DIGOS zufolge versucht, ihren Aktionsradius durch direkte Beziehungen zu faschistischen Organisationen im Ausland zu erweitern. Genannt wird unter anderem der Schweizer Verein »Junge Tat«. Einer der Verdächtigen soll diesen im Mai besucht haben, wie aus Audiomitschnitten hervorgehe.

Auf einer anderen Aufnahme sei zu hören, wie der Vater des mutmaßlichen Anführers der Gruppe sagt, wenn nötig würde er sich eine Waffe besorgen, »um sie gegen Kommunisten, Nigger und Queere einzusetzen«. Laut Ermittlern kamen die jungen Männer alle »aus guten Familien«.

Es ist kein Zufall, dass AR laut DIGOS sich von US-amerikanischen »White Supremacy«-Gruppierungen »inspirieren« ließ. Auch die faschistische italienische Organisation Casa Pound hat einen Bezug zu den Vereinigten Staaten: Ihr Name leitet sich vom US-Schriftsteller Ezra Pound ab, der ein Anhänger des »Duce« Benito Mussolini war. Eine andere faschistische Organisation, die Veneto Fronte Skinheads, bekennt sich neben ihrer Bewunderung für das »Dritte Reich« ausdrücklich zur »Verteidigung der weißen Rasse« und unterhielt Beziehungen zum Ku-Klux-Klan. Diese Organisationen sind in Italien die Sturmtrupps der faschistischen Parteien wie beispielsweise der Lega Matteo Salvinis. Sie agieren offen terroristisch, was den Parteien unter anderem dazu dient, sich als »harmloses« rechtes Zentrum zu tarnen.

Unterstützt werden sie dabei unter anderem vom früheren Premierminister Silvio Berlusconi. Der Chef der Forza Italia hatte Ende Juni erklärt, er könne sich für das Bündnis mit Salvini den Namen »Centrodesta Unito« vorstellen, zu deutsch wörtlich: Mitte-rechts vereinigt. Die Abkürzung CDU sei kein Zufall. Laut Berlusconi sehe man die deutsche CDU als »Referenzmodell«, wie er in einem Interview mit der Zeitung Corriere della Sera sagte.

Salvinis Lega und Berlusconis Forza Italia sind gegenwärtig an der Regierung des früheren Bankers und EU-Technokraten Mario Draghi beteiligt. Für die Parlamentswahlen 2023 planen sie eine stärkere Zusammenarbeit.

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