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Aus: Ausgabe vom 05.07.2021, Seite 3 / Schwerpunkt
Imperialismus und Pandemie

Versuchter Völkermord

USA und EU blockieren Impfkampagne in Venezuela. Kuba springt ein
Von Santiago Baez
CORONAVIRUS-VENEZUELA.JPG
Impfen mit dem kubanischen Vakzin »Abdala« in Caracas (1.7.2021)

Die von den USA und der Europäischen Union gegen Venezuela verhängten Sanktionen blockieren den internationalen Zahlungsverkehr. Viele Banken verweigern Überweisungen aus oder nach Venezuela, weil sie Strafen aus Washington und Brüssel fürchten. Unter den Folgen leiden insbesondere die Menschen des südamerikanischen Landes.

Am 10. Juni informierte Vizepräsidentin Delcy Rodríguez, dass die Schweizer Großbank UBS zehn Millionen US-Dollar (etwa 8,4 Millionen Euro) zurückhalte – die letzte Tranche von insgesamt 120 Millionen Dollar, mit denen Caracas Impfstoff gegen Covid-19 aus dem »Covax«-Programm der Weltgesundheitsorganisation bezahlen wollte. In einem Schreiben, das Außenminister Jorge Arreaza präsentierte, begründete das Finanzinstitut die Blockade des Geldes damit, dass dessen Herkunft genauer geprüft werden müsse.

Die Kommunistische Partei Venezuelas (PCV) verurteilte das in einem Statement als »Genozidpolitik gegen das venezolanische Volk«. In einer Phase, in der die Zahl der Ansteckungen mit dem Coronavirus wieder zunehme, sei die Verweigerung des Zugangs zu Impfstoffen ein Völkermord, heißt es in der am 11. Juni veröffentlichten Stellungnahme der Partei. Die Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes sei zu einer »Massenvernichtungswaffe gegen Millionen unschuldige Menschen« geworden. Das internationale Finanzsystem müsse endlich die venezolanischen Konten freigeben.

Angesichts der Blockade setzte Caracas zunächst auf die Impfstoffe aus Russland und China. Doch von dort kamen insgesamt nur 2,7 Millionen Dosen, genug für vielleicht fünf Prozent der Bevölkerung. Zwar ziehen seit Monaten Teams durch die Viertel und registrieren die Menschen für die Impfung – doch danach geschieht oft lange nichts. Gewartet wurde auf den Impfstoff von Johnson & Johnson, der für die Bedingungen Venezuelas besonders gut geeignet ist: Er muss nur einmal gespritzt werden und braucht keine ununterbrochene Kühlkette. Mehr als elf Millionen Dosen will Caracas über das »Covax«-Programm beziehen – nun wird das von der UBS verhindert. Damit gehört Venezuela weiter zu den Ländern, deren Bevölkerung dem Coronavirus weitgehend schutzlos ausgeliefert ist. Nach einer im Mai veröffentlichten Studie lag Venezuela beim Anteil geimpfter Einwohner im lateinamerikanischen Vergleich auf dem vorletzten Platz – nur in Honduras waren noch weniger Menschen geschützt.

In dieser Situation richten sich die Augen vieler Menschen einmal mehr auf Kuba. Seit Jahrzehnten sind Ärztinnen und Ärzte von der Insel in Venezuela im Einsatz. Am Rande des Gipfeltreffens der Bolivarischen Allianz für die Völker unseres Amerikas (ALBA) vereinbarten Havanna und Caracas im Juni die Lieferung von zwölf Millionen Dosen des in Kuba entwickelten Impfstoffs »Abdala«. Die erste Lieferung ist bereits eingetroffen und wird in hohem Tempo verimpft.

»Danke, Kuba, für alles, danke für die Zärtlichkeit der Völker«, freute sich am 28. Juni eine junge Frau in Caracas über ihre erste Impfung mit dem kubanischen Stoff. »Der Ablauf ist durch das kubanische und venezolanische medizinische Personal sehr gut organisiert worden. Es fehlte nicht mal die Musik von Buena Fé und anderen kubanischen Künstlern, um Stimmung zu machen«, berichtete sie auf Facebook. »Ich wurde gefragt, ob ich in den vergangenen Tagen bestimmte Symptome gehabt hätte, ob ich an irgendeiner Krankheit leide und ob ich auf irgendein Medikament allergisch reagiere. Aber davon abgesehen musste ich weder meinen Ausweis zeigen, noch sonst etwas mitbringen. Meine zweite Dosis bekomme ich am 11. Juli, an meinem Geburtstag – was für ein schönes Geschenk!«

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