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Aus: Ausgabe vom 01.07.2021, Seite 8 / Inland
Fleisch und Industrie

»Brauchen sozial gerechtes und ökologisches Agrarsystem«

Bündnis will industrielle Fleischproduktion abschaffen und plant zivilen Ungehorsam gegen »Wiesenhof«. Ein Gespräch mit Stefanie Popp
Interview: Christof Mackinger
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Der Geflügelhersteller »Wiesenhof« ist nicht für exzellente Tierhaltung bekannt (Köln, 8.10.2011)

Ihr Bündnis »Gemeinsam gegen die Tierindustrie« ruft für Juli zur »größten Blockadeaktion gegen einen Tierindustriekonzern in Deutschland« auf. Worum geht es da?

Unser zentrales Ziel ist der Ausstieg aus der Tierindustrie und ein Umstieg auf ein sozial gerechtes und ökologisches Agrarsystem. Unser Protest richtet sich hierbei gezielt gegen die großen Konzerne und globalen Player der Branche. Im Juli werden wir uns PHW, dem größten Geflügelfleischproduzenten Deutschlands, in den Weg stellen. Wir werden damit den Betrieb lahmlegen. PHW ist bekannt durch die Marke »Wiesenhof«. Wir wollen das Unternehmen auch als Stellvertreter der ganzen Industrie thematisieren.

Die großen Fleischkonzerne sind maßgeblich an der Klimakrise beteiligt. Durch die Emissionen, die bei der Tierhaltung entstehen, und durch den Futtermittelanbau, durch den in Südamerika die Zerstörung des Regenwalds vorangetrieben wird. In den Zuchtbetrieben herrschen entsetzliche Zustände – sowohl für viele Menschen, die dort beschäftigt sind, als natürlich auch für die Millionen von Tieren, die dort in ihrem kurzen Leben nichts als Leid und Angst erfahren.

Sie wollen die Nutztierhaltung abschaffen?

Wir wollen die Abschaffung der Tierindustrie. Unser konkretes erstes Ziel ist eine drastische Reduktion der Bestände, und zwar sofort. Zur kompletten Abschaffung der Nutztierhaltung gibt es in unserem Bündnis unterschiedliche Positionen – wir setzen uns zusammen aus Menschen aus der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung, Aktivistinnen und Aktivisten für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit sowie Leuten, die aus dem Sektor Arbeitsrecht und Umweltschutz kommen. Wir richten uns gezielt gegen die großen Fleischkonzerne und nicht gegen kleinbäuerliche Betriebe und Landwirtinnen und Landwirte. Es kann nicht sein, dass unsere Lebensmittelindustrie von so großen Konzernen gesteuert wird. Lebensmittelproduktion darf nicht profitorientiert organisiert sein! Wir wollen, dass die großen Agrarkonzerne vergesellschaftet werden und die Menschen bei der Produktion von Lebensmittel nmitbestimmen können.

Was ist Mitte Juli bei Ihrem Camp in Niedersachsen zu erwarten?

Auf unserem Camp in Niedersachsen im Landkreis Vechta wird es fünf Tage lang Programm geben – mit Workshops und kulturellen Veranstaltungen. Was genau bei unserer Massenaktion passieren wird, kann ich noch nicht sagen. Wir werden jedenfalls in irgendeiner Form den Betrieb bei PHW lahmlegen. Wir planen eine Aktion des zivilen Ungehorsams, weil braves Demonstrieren leider nicht gehört wird. Wir müssen uns dieser zerstörerischen Industrie in den Weg stellen!

An der Branche hängt aber eine Vielzahl von Arbeitsplätzen …

Wir gehen mit unserem Camp im Juli genau dorthin, wo es weh tut: Die Region in Niedersachsen ist geprägt von der Tierindustrie, und wir wissen natürlich, dass an der Industrie eine Menge Arbeitsplätze hängen. Wir wissen aber auch, dass ein Großteil der Beschäftigten dort unter schlimmen Bedingungen schuften muss und sich für diese Menschen dort auch etwas ändern muss. Die Tierindustrie wird aktuell mit Milliardenbeträgen an Subventionen gefördert. Das Geld könnte man gut und gerne auch in die Transformation der Landwirtschaft investieren. Der Prozess muss stattfinden, wir haben angesichts der Klimakrise gar keine andere Wahl! Und wir wollen auch, dass Menschen, die von dem Prozess betroffen sind, daran beteiligt werden.

Stefanie Popp arbeitet als freischaffende Künstlerin in Köln und ist aktiv beim Bündnis »Gemeinsam gegen die Tierindustrie«

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