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Aus: Ausgabe vom 30.06.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Starlink-Projekt

Weltraumschrott und Klimakiller

Tesla-Chef Elon Musk will Zigtausende Satelliten ins All schicken. Kritik von Konkurrenten
Von Ralf Wurzbacher
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Hat zuviel Geld in den Händen: Elon Musk (Berlin, 1.12.2020)

Elon Musk will bekanntlich hoch hinaus: auf den Mond, auf den Mars und was dereinst noch so alles in Reichweite zur Erde rücken mag. Bis es so weit ist, wirtschaftet der Tesla-Gründer den blauen Planeten richtig runter, zum Beispiel mit seinem Starlink-Projekt, das der Menschheit superschnelles Internet bis in die tiefsten Höhlen Afghanistans verspricht. Damit das weltumspannende Netz auch richtig schön dicht und undurchdringlich wird, will der Multimilliardär nicht weniger als 42.000 Satelliten in die Erdumlaufbahn schießen. Was man mit viel Geld und viel Macht halt so macht, um noch mehr Geld zu machen. Dabei ist das Vorhaben nicht nur ein Super-GAU für alle Astronomen, die vor lauter Geblinke am Himmelszelt bald schon keinen Stern mehr vor die Linse kriegen. Auch Kommunikationskonzerne wie Viasat, SES oder One Web sind alarmiert: Das werde »früher oder später in einem Desaster enden«.

Zitiert wird so Viasat-Vorstandsmitglied Mark Dankberg in einem Handelsblatt-Beitrag vom Dienstag. Das Unternehmen mit Sitz in Kalifornien verdient selbst an satellitengestützten Breitbanddiensten. Als Musks Kritiker ist er damit sicher nicht ganz unbefangen, haltlos erscheinen seine Einwände deshalb aber nicht. Dankberg warnt insbesondere vor unkalkulierbaren Umweltschäden. Anders als herkömmliche Satelliten werden die Starlink-Abgesandten in einer Höhe von lediglich rund 500 Kilometern über der Erdoberfläche, im »Low Earth Orbit« (LEO), in Position gebracht. Bei künftig Zehntausenden Objekten auf einem Niveau werde die Gefahr von Kollisionen dramatisch zunehmen, glaubt der Viasat-Manager. Er fürchtet einen Lawineneffekt: Zerschellt einer der winzigen Erdtrabanten, könnte der Trümmerflug reihenweise mehr davon zerfetzen und einen Kordon aus Schrott zurücklassen, der den Zugang zum Kosmos versperrt. Niemand wisse, wann dies der Fall sein könnte, so Dankberg, aber: »Der Zeitpunkt liegt viel näher als zuvor.«

Kommt es so, droht anderen Satellitenbetreibern, deren Apparate sehr viel weiter weg von der Erde plaziert werden und andere Funktionalitäten bieten, die Geschäftsgrundlage entzogen zu werden. Diesem Zweck dient womöglich auch die offenbar ziemlich chaotische Verteilung der Starlink-Flotte am Firmament. Ein Durchkommen könnte dabei auf lange Sicht immer unmöglicher werden, glaubt etwa Steve Collar, Chef der Luxemburger SES S. A., die das Astra-Satellitensystem betreibt. »Vielleicht steckt dahinter die Absicht von denjenigen, die derzeit starten, dass jeder andere außen vor bleiben muss.« Neben Musks Space-X-Unternehmen hat auch der Onlinehandelsgigant Amazon Überirdisches vor und will mit dem Projekt Kuiper selbst über 3.200 Kommunikationssatelliten aussetzen.

Was die Sache erst richtig bedrohlich macht: Jedes einzelne Glied von Musks galaktischer LEO-Armee hat nach fünf bis sieben Jahren ausgedient. Dann sacken die Dinger allmählich ab und verglühen schließlich in der Erdatmosphäre. Weil dabei große Mengen Aluminium freigesetzt werden, könnte einmal mehr die Ozonschicht Schaden nehmen. Das Handelsblatt verweist ferner auf Berechnungen von Wissenschaftlern der University British Columbia in Kanada, wonach mit der ersten Generation der Starlink-Typen täglich 2,2 Tonnen Metall Richtung Erde stürzen. Dabei entsteht Aluminiumoxid, das Licht in bestimmten Wellenlängen reflektiert. In der Folge könnte sich das Klima der Erde in unabsehbare Richtung verändern, geben die Forscher zu bedenken und sehen »mehrere Tragödien des Allgemeinguts« heraufziehen.

Bisher wurde Musk durch die US-Aufsichtsbehörde FCC die Entsendung von 4.400 Satelliten bewilligt, wovon derzeit schon 1.800 um die Erde kreisen. Weil sich keine Regierung der Welt anschickt, den Wahnsinn zu stoppen, müssen vernunftbegabte Zeitgenossen auf den Widerstand seiner kapitalistischen Widersacher bauen. Vor wenigen Wochen reichte Viasat vor einem US-Bundesgericht Klage ein, um den Start weiterer Satelliten zu unterbinden. Ein Versuch des Unternehmens, die FCC per Petition zum Umdenken zu bewegen, war vor einem halben Jahr gescheitert.

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  • Leserbrief von E. Rasmus aus Berlin (30. Juni 2021 um 14:43 Uhr)
    Milliardäre hinter Gitter oder gleich ohne Rückfahrkarte ins All, bevor sie den Planeten Erde zum Grab allen Lebens machen! Unglaublich! Die Atmosphäre soll mit 42.000 Satelliten fürs Internet zerstört und mit Aluminium vergiftet werden? Privateigentum an Produktionsmitteln macht’s möglich.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

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