3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Montag, 2. August 2021, Nr. 176
Die junge Welt wird von 2567 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 28.06.2021, Seite 1 / Ausland
USA gegen Wikileaks

Ein Hauptzeuge gegen Assange packt aus

Zentraler Anklagepunkt der USA gegen Wikileaks-Gründer im Interview widerlegt
Von Ina Sembdner
imago0102691757h.jpg
Der Kampf für die Freilassung von Julian Assange hat neues Futter bekommen (London, 11.4.2021)

Für den US-amerikanischen Whistleblower Edward Snowden und den UN-Sonderberichterstatter über Folter, Nils Melzer, ist die Sache klar, wie sie auf Twitter bekundeten: »Dies ist das Ende des Verfahrens gegen Julian Assange.« Beide beziehen sich auf ein am Sonnabend von der isländischen Zeitung Stundin online veröffentlichtes Interview mit einem Hauptzeugen der US-Anklage gegen den Wikileaks-Gründer, die bei erzwungener Auslieferung auf eine Verurteilung zu 175 Jahren Hochsicherheitsgefängnis hinauslaufen könnte. Seit Anfang des Jahres bereitet das US-Justizministerium seine Berufung gegen die im Januar von einem britischen Gericht aus »humanitären Gründen« abgewiesene Auslieferung vor.

Sigurdur Ingi Thordarson, isländischer Staatsbürger und 2010 mit 17 Jahren Freiwilliger bei Wikileaks, hat sich demnach der US-Bundespolizei FBI für 5.000 US-Dollar als Informant angedient. Wie er nun gegenüber Stundin zugegeben hat, habe er wichtige Teile der Vorwürfe, auf die sich die US-Anklageschrift stützt, erfunden. Im Gegenzug sei ihm Immunität in bezug auf seine kriminellen Aktivitäten – Missbrauch Minderjähriger und weitreichender Finanzbetrug – versprochen worden.

In ihrem im Juni 2020 vorgelegten »Superseding indictment« hatte die US-Justiz den bereits bestehenden 18 Anklagepunkten keinen weiteren hinzugefügt, sondern »Beweise« vorgelegt, um Assange für das illegale Eindringen in Computer (Hacking) zu kriminalisieren. Der Wahrheitsgehalt der unter dem Punkt »Teenager, Manning und NATO-Land 1« enthaltenen Angaben wird nun von dem Hauptzeugen, auf dessen Aussage sie beruhen, direkt widerlegt, wie es bei Stundin heißt. Demnach fällt der Anklagepunkt, der explizit im Urteil zur Auslieferung aufrechterhalten worden war, in sich zusammen: Assange und Thordarson hätten einen »gemeinsamen Versuch« unternommen, eine aus einer isländischen Bank gestohlene Datei zu entschlüsseln.

Dass Thordarson durchaus Versuche unternommen hat, isländische Einrichtungen zu hacken, bestreitet er nicht – nur hatte weder Assange noch jemand anderes von Wikileaks etwas damit zu tun.

kurzelinks.de/Thordarson

Marx für alle!

Die junge Welt gibt's jetzt im Aktionsabo! Für 62 € erhältst du 3 Monate lang die gedruckte Ausgabe der jW, danach endet das Abo automatisch.

Jetzt selber abonnieren, verschenken oder schenken lassen!

Mehr aus: Ausland

Marx für alle! 3 Monate Tageszeitung junge Welt lesen für 62 €. Jetzt bestellen!