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Aus: Ausgabe vom 25.06.2021, Seite 15 / Feminismus
Internationales Frauenfilmfestival

So nah wie möglich

Internationales Frauenfilmfestival überzeugt Teilnehmerinnen auch virtuell. Organisationsteam hat ganze Arbeit geleistet
Von Gitta Düperthal
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Im Spielfilmwettbewerb ausgezeichnet: »Quo Vadis, Aida?« von Jasmila Zbanic

Das feministische Internationale Frauenfilmfestival Köln/Dortmund (IFFF) lebt von spannenden Debatten und persönlichen Begegnungen mit den filmhistorisch und theoretisch vielseitig gebildeten Regisseurinnen und Kamerafrauen. In diesem Jahr konnten zwischen dem 15. und 20. Juni pandemiebedingt nur sechs Filme im Kino gezeigt werden, die anderen rund 70 Festivalstreifen liefen im Internet per Stream. Die Festivalmacherinnen haben sich jedoch einiges einfallen lassen, um den Austausch so intensiv und nah wie möglich zu gestalten.

So etwa mit einem virtuellen abendlichen Barbesuch. In der Cocktailbar oder auf der Popcorncouch war der Blick in vertraute Gesichter, aber auch in neue möglich. Gerade für junge Filmemacherinnen sind Festivals aufgrund der gelebten sozialen Kontakte und des Netzwerkens wichtig, um Fuß zu fassen. »Das Onlinefestival des IFFF war der Hammer«, zeigte sich Denise Riedmayr gegenüber jW beeindruckt davon, was das Organisationsteam auf die Beine gestellt hatte: »Im Anschluss an die Filme laufen sogar noch Interviews mit Regisseurinnen.« Riedmayr ist Videoproduzentin bei »Puls«, dem jungen Programm des Bayerischen Rundfunks, und Regisseurin und Produzentin bei der Produktionsfirma Watch Lola. Ihr Film »An Anna« (2020) lief im Kinder- und Jugendprogramm des IFFF. Dieses »kleine Festivalgefühl, ins eigene WG-Zimmer transportiert«, habe ihr in der Pandemie »die Laune versüßt«.

»Wir haben Ressourcen und Arbeitsplätze im Festivalbereich erhalten können«, bilanzierte Stefanie Görtz, eine der Kuratorinnen und Pressesprecherinnen des IFFF. Immerhin stelle sich nicht die Frage, »ob es uns zukünftig noch geben wird«. Die Zahl der akkreditierten Teilnehmerinnen sei hoch gewesen, offenbar wirke sich die digitale Verfügbarkeit positiv auf die Branche und das Interesse in den Medien aus, so die Festivalleiterin Maxa Zoller. Trotzdem gibt Görtz zu, dass Virtuelles natürlich kein Ersatz sein könne »für die Netzwerke, die Filmemacherinnen und Kamerafrauen bei uns schmieden konnten«. Schade sei zudem das Fehlen unmittelbarer Publikumsreaktionen.

Und trotzdem: Das Festival konnte in diesem Jahr wieder den Preis im Spielfilmwettbewerb vergeben, der an Jasmila Zbanic für ihren Film »Quo Vadis, Aida?« ging. Das Drama über die Massenmorde von Srebrenica, das am 5. August in die Kinos kommt, erhielt den mit 15.000 Euro dotierten Hauptpreis des Festivals – aufgeteilt zwischen der Regisseurin (5.000 Euro) und dem Farbfilm-Verleih (10.000 Euro). Der soll mit dem Geld Regiearbeiten von Frauen in Deutschland fördern. Somit widmet sich das IFFF weiterhin seinem Ziel, die Stellung von Frauen in der Filmbranche voranzubringen. Das Festival bewegt selbst in Pandemiezeiten viel.

Kritik gab es jedoch an der Coronapolitik der deutschen Bundesregierung und den Landesregierungen: »Sie hätten mehr für die Kulturschaffenden tun müssen«, konstatierte Riedmayr. Zermürbend sei es gewesen zu sehen, wie »sich parallel ganz unterschiedliche Welten aufgetan« hätten – »welche Branchen unterstützt wurden und welche nicht«. Kunst und Kultur seien einfach ignoriert worden, wodurch viele Existenzen auf dem Spiel stünden.

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