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Aus: Ausgabe vom 25.06.2021, Seite 6 / Ausland
Bewusste Provokation

Moskau antwortet

Bewusste Provokation durch britisches Kriegsschiff vor der Krim: Russischer Anspruch auf Küstengewässer sollte herausgefordert werden
Von Reinhard Lauterbach
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Das britische Kriegsschiff »HMS Defender« am vergangenen Freitag im Hafen von Odessa

Von 1945 bis 1991 war es gemeinsame Position des kollektiven Westens, die Eingliederung der baltischen Staaten in die Sowjetunion diplomatisch nicht anzuerkennen. Trotzdem folgte daraus nicht mehr, als dass sich in Westeuropa und den USA eine baltische Emigrantenszene etablierte, die sich mit staatlicher Duldung auf den »Tag X« vorbereitete. Keinem NATO-Kriegsschiff fiel es ein, während der Zeit, in der die Ostküste der Ostsee sowjetisch war, in der Rigaer Bucht oder der estnischen Inselwelt spazierenzufahren und zu behaupten, dies seien schließlich internationale Gewässer.

Dieser historische Vergleich macht den Grad der Provokation deutlich, den sich das britische Kriegsschiff »HMS Defender« am Mittwoch geleistet hat. Der russische Anspruch, mit der Eingliederung der Krim 2014 auch deren Küstengewässer einschließlich Zwölfmeilenzone übernommen zu haben, sollte ganz praktisch herausgefordert werden. Und von wegen »friedliche Passage«: Ein »eingebetteter« BBC-Reporter, der an Bord der »HMS Defender« mitfuhr, berichtete, dass die Besatzung das Schiff schon vor dem Eindringen in die zumindest faktisch russischen Territorialgewässer gefechtsklar gemacht habe. Der Kommandeur und seine Vorgesetzten wussten genau, was sie taten.

Und haben bekommen, was zu erwarten war: eine »überaus robuste Reaktion«, wie die BBC kommentierte. Nach Beschattung, Überflügen und Warnschüssen dann offenbar Warnbomben. Dass London das Bombardement bestreitet, macht die Sache nicht besser. Auch wenn es dort heißt, die »HMS Defender« sei vorab über russische Schießübungen im Schwarzen Meer vor der Krimküste informiert worden. Denn wer mitten in ein Manöver eines anderen Staates hineinfährt, will dieses stören – oder provozieren, zum Opfer eines »zufälligen Treffers« zu werden, mit allen Optionen weiterer Eskalation.

Das Ganze passt in das Szenario, das die NATO mit ständigen Marinemanövern im Schwarzen Meer seit einigen Jahren verfolgt: die faktische Seeherrschaft Russlands zu bestreiten und zu testen, ob eine »kürzeste Route« ausgerechnet zwischen der Ukraine und Georgien für die NATO befahrbar ist. Sollte Russland das dulden, wäre seine Schwarzmeerflotte, ob mit oder ohne Sewastopol, wieder in ihren Häfen blockiert; genau, wie es eingetreten wäre, wenn die Krim 2014 in westliche Hände gefallen wäre. Die ganze »Annexion« wäre nachträglich zwecklos geworden.

Kiew plant für Ende August aus Anlass des 30. Jahrestags der ukrainischen Abspaltung von der UdSSR die Einberufung einer sogenannten Krimplattform, auf der Wege zur Rückgewinnung der Halbinsel erörtert werden sollen. Wenn der »HMS Defender«-Zwischenfall ein Versuch war, aus Sicht einer der militärisch potenten Mächte praktisch zu testen, wie weit der Westen bei seiner Unterstützung des vorläufig theoretischen ukrainischen Anspruchs gehen kann, dann hat er eine Antwort erhalten.

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  • Leserbrief von E. Rasmus aus Berlin (25. Juni 2021 um 10:52 Uhr)
    Die Provokationen häufen sich nicht nur, sondern sie werden zunehmend aggressiver, von dem maßlosen Wahn durchsetzt, die Neuaufteilung der Welt grenzenlos und ohne Rücksicht auf souveräne Staaten wie Russland fabrizieren zu können. Wie verhält es sich im Vergleich dazu mit dem Fußballspektakel um Regenbogenfarben, die angeblich Leben, Heilung, Sonne etc. symbolisieren sollen? Übrigens ist es ja üblich, bei kriminellen Oppositionellen inszenierte Medienaufschreie gegen die russische, chinesische oder andere missliebige Staatsführungen zu Gehör zu bringen. Im Fall der britischen Kriegsprovokation allerdings herrscht Schweigen im Lügenwald.

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