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Aus: Ausgabe vom 15.06.2021, Seite 16 / Sport
Tennis

Der andere Djokovic

Seltsame Dinge trugen sich zu bei den diesjährigen French Open
Von Peer Schmitt
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Frisch zum Sieg: Der Mann aus Gummi feiert seinen Triumph über Stefanos Tsitsipas

Es waren seltsame French Open. Am Sonntag endeten sie mit dem Triumph von Novak Djokovic über Stefanos Tsitsipas im Herrenfinale. Selbst das war auf seine Weise so sehr eine Überraschung, wie es ein Sieg von Djokovic überhaupt nur sein kann. Ein eigenartiges Match als Schlusspunkt einer Reihe vieler Seltsamkeiten.

So waren es die ersten French Open in der Geschichte mit Nachtmatches unter Flutlicht. Auch im Herrenfinale wurde das Flutlicht pünktlich um 19 Uhr eingeschaltet, obwohl es zu diesem Zeitpunkt in Paris noch taghell war.

In der ersten Turnierwoche galt in Paris noch eine Ausgangssperre ab 21 Uhr, was bedeutete, dass die Nachtmatches zunächst ohne Zuschauer ausgetragen werden mussten. Es waren also Spiele, die in dieser Form ausschließlich Erlöse von TV-Übertragungsrechten generieren sollten. Während der zweiten Turnierwoche wurde der Beginn der Ausgangssperre auf 23 Uhr nach hinten geschoben. Das Viertelfinale zwischen Djokovic und Matteo Berrettini am Mittwoch abend dauerte allerdings ein wenig länger. Nachdem der an neun gesetzte Italiener den dritten Satz im Tie Break gewonnen hatte, wurde das Spiel ­unterbrochen, um das Stadion zu räumen. Die Zuschauer hatten in der Mehrzahl Berrettini angefeuert. Sie schienen sich gerade warmgebrüllt zu haben und protestierten lautstark gegen die Räumung. Es half nichts. Vor leeren Rängen gewann Djokovic den vierten Satz 7:5 und damit das Match. Im so gut wie menschenleeren Stadion wirkte sein exaltiertes Siegesgebrüll noch seltsamer.

Auch das Halbfinale zwischen Djokovic und Titelverteidiger Rafael Nadal am Freitagabend dauerte mit gut vier Stunden Spielzeit länger, als von der Sperrstunde vorgesehen. Aber die Veranstalter hatten dazugelernt. Diesmal galt eine Ausnahmeregelung, die einzige im gesamten Turnierverlauf. Die Zuschauer durften bleiben und wurden Zeugen der erst dritten Niederlage des dreizehnfachen French-Open-Siegers Nadal seit seinem Debüt in Paris im Jahre 2005. Schon einmal hatte ihn Djokovic an dieser Stelle besiegt, 2015 im Viertelfinale. Der einzige andere Spieler, der Nadal jemals bei den French Open besiegen konnte, ist der Schwede Robin Söderling im Achtelfinale 2009. ­Söderling ist schon seit Jahren in Rente. Nadal und Djokovic, beide Mitte 30, geben es sich immer noch. Im Finale zeigte der 34jährige Djokovic seinem 22jährigen Gegner die wahre Konditionsstärke des Alters. Er ­holte – wie schon in seinem Achtelfinale gegen den 19jährigen Italiener Lorenzo ­Musetti, der im fünften Satz bei 0:4 unter Krämpfen aufgab – einen 0:2 Satzrückstand auf. Musetti hatte die ersten beiden Sätze jeweils im Tie Break gewonnen und danach sage und schreibe nur noch ein einziges Game!

Die Zäsur in beiden Matches bestand aus einer langen Toilettenpause von Novak Djokovic, die ihn wundersam erfrischte. Tsitsipas, selbst kein Kind von Traurigkeit, was gamesmanship betrifft, kommentierte nach seiner Niederlage: »Er verließ den Platz, und ich weiß nicht genau, was da passierte, aber er kam dann wie ein anderer Spieler zurück. Alles an ihm schien plötzlich frischer und besser zu sein. Er ließ mir kaum noch Raum und schien auch mein Spiel besser zu lesen.«

Tstitsipas bekam eine elementare Lektion erteilt: Man kann nicht gegen eine Gummiwand spielen und glauben, auch noch gegen sie zu gewinnen. Diese Gummiwand trägt den Namen Novak Djokovic. Er gewann mit 6:7, 2:6, 6:3, 6:2, 6:4 seine zweiten French Open nach 2016 und seinen insgesamt 19. Major-Titel. Er hat damit jedes der 14 großen Turniere, die vier Majors, die neun Masters 1000 und die ATP Finals mindestens zweimal gewonnen. Kein anderer Spieler in der Geschichte der Open Era hat das auch nur annähernd geschafft.

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