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Aus: Ausgabe vom 14.06.2021, Seite 16 / Sport
Fußball

Es liegt was in der Luft

Fußballtraditionsklub Rot-Weiß Erfurt setzt Zeichen gegen Homophobie
Von Thomas Behlert
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Tut was für seinen Ruf: Der FC Rot-Weiß Erfurt (5.9.2020)

Endlich hört man wieder etwas vom insolventen Fußballverein FC Rot-Weiß Erfurt – und zwar nicht das Schlechteste. So konnten sich die Rot-Weißen kürzlich vor einem Sportgericht gegen den Thüringer Fußballverband durchsetzen. Nun wird der Verbandspokal von allen Thüringer Mannschaften, die Bock haben, ausgespielt und nicht nur von den Regionalmannschaften Meuselwitz und Jena, die für das Endspiel gesetzt waren. Nach der Auslosung treffen diese beiden Mannschaften jetzt bereits im Achtelfinale aufeinander.

Noch lange lagen die Flüche der Verantwortlichen aus Jena und Meuselwitz in der guten Thüringer Luft. Doch Rot-Weiß lässt sich nicht beirren und kämpft weiter um den guten Ruf, der längst verloren war. Gemeinsam mit der Stadt Erfurt will der Oberligist Brücken bauen, die zu sozialen Einrichtungen oder benachteiligten Kindern reichen sollen. Und auch auf gesellschaftspolitischer Ebene engagiert sich der Verein. So wirbt Rot-Weiß aktuell für den jährlich stattfindenden »Pride Month«, indem bis Ende des Monats das Vereinslogo im ­Instagram-Kanal mit den Regenbogenfarben unterlegt ist.

Die Reaktionen auf die Aktion zeigen, dass noch viel Aufklärungsarbeit nötig ist. Denn ein Banner, das am Haupttor des Vereins angebracht wurde, trug die bescheuerten Worte: ­»Euer Pride Month interessiert uns einen Scheiß – unsere Farben bleiben für immer rot und weiß«. Da die Kommentare unter den Social-Media-Beiträgen (natürlich alle anonym) beleidigend, hasserfüllt und diskriminierend waren, kam es zur Abschaltung der Kommentarfunktion. Die Erklärung dazu: »Die Kritik an der Änderung des Logos können wir nachvollziehen, die Kritik an der Aktion als solcher auf keinen Fall.«

Das Echo zeigt, dass Homophobie im Fußball noch tief verwurzelt ist. Auch in naher Zukunft wird es wahrscheinlich keinen Profifußballer geben, der sich während seiner aktiven Zeit outet. Der FC Rot-Weiß Erfurt will auch weiterhin positive Zeichen setzen, etwa mit der neuen Satzung, die am 25. Juni vorgestellt werden soll. Der Verein will bei einer Mitgliederversammlung besonders auf den darin enthaltenen Paragraph zwei hinweisen, in dem heißt es, dass man »weltoffen, antirassistisch, demokratisch, humanistisch und familienfreundlich« ist und man »Respekt und Toleranz von seinen Mitgliedern« fördere und fordere. Möge das gutgehen.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ralf S. aus Gießen (14. Juni 2021 um 14:44 Uhr)
    Auch in anderen Bereichen, in denen der Pride Month derzeit zelebriert wird, gab es hasserfüllte, zutiefst menschenverachtende, homophobe Reaktionen. Einerseits, möchte ich sagen, ist das erstaunlich angesichts dessen, dass wir im Jahr 2021 leben, andererseits, mit einer etablierten rechtsextremen Partei, die offenbar nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer rechtsextremen Inhalte eine Kernwählerschaft von um die zehn Prozent hinter sich hat, ist es dann auch weniger erstaunlich. Man könnte meinen, dass angesichts der gesellschaftlichen Modernisierung, was unter anderem Akzeptanz für marginalisierte Gruppen angeht, die Mehrheit der Bevölkerung da schon mitgeht, wenngleich eher passiv, es aber auf der anderen Seite das Phänomen gibt, dass sich der menschenfeindliche rechte Rand dadurch noch weiter radikalisiert. Immerhin konnte sich der Durchschnittsrassist und Schwulenhasser vor nicht mal 15 bis 20 Jahren noch wie ein Fisch im Wasser fühlen, als Affenlaute bei schwarzen Spielern am Ball und »Schwule Sau«-Rufe praktisch niemanden im Stadion gestört haben, bzw. diejenigen, die es gestört haben mag, weil sie sich in der Minderheit wähnten und vermutlich auch waren, es nicht gewagt hatten, offen zu widersprechen. Heute ist das schon anders, und ich kann – mit einiger Genugtuung – verstehen, dass es die Rechten tierisch anpisst, weil es ihnen zeigt, was für ein ekelhafter Haufen sie sind, der immer mehr Widerspruch erfährt, obwohl sie sich selber doch als »das Volk« und »normal« betrachten.

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