3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Sa. / So., 24. / 25. Juli 2021, Nr. 169
Die junge Welt wird von 2567 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 14.06.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Breitensport

Vereine bleiben auf Kosten sitzen

Studie zu Auswirkungen der Pandemie auf die Sportwirtschaft blendet wichtige Befunde aus
Von Andreas Müller
Coronavirus_Geschlos_69475248.jpg
Kein Zutritt zu diesem Becken. Coronatristesse

Die Sportbranche in der Bundesrepublik hat infolge der Pandemie zum Teil Milliardenverluste hinnehmen müssen, wie eine vom Bundesministerium für Wirtschaft beauftragte Studie erkennen lässt. Die vergangene Woche veröffentlichte Erhebung »Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Sportwirtschaft« kann das im Titel gegebene Versprechen bloß ansatzweise einlösen. Nur »zwischen den Zeilen« wird vermittelt, welche Einbußen das Virus für eine Branche mit sich brachte, deren Umsatz sich vor Corona pro Jahr zirka auf 115,5 Milliarden Euro belief, die rund 1,3 Millionen Arbeitsplätze umfasste und mit einer Wertschöpfung von mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes wirtschaftlich mit der chemischen oder der Metallindustrie zu vergleichen war.

Vor allem die Konsumausgaben von jährlich fast 70 Milliarden Euro dürften im »Dauershutdown« schwer gelitten haben. Fast zehn Milliarden Euro davon entfielen zuvor auf sportbezogene Fahrten zum Training bzw. zu Wettkämpfen. Die entfielen pandemiebedingt weitestgehend ebenso wie touristische Reisen zu Sportevents, die zuvor jährlich mit 7,2 Milliarden Umsatz zu Buche schlugen. Eingebrochen sind ebenfalls die Ausgaben für sportliche Aktivitäten vor Ort wie Eintrittsgeld für Schwimm- und Spaßbäder, für Fitnessstudios oder für andere Sportanlagen und eventuell der Vereinsbeitrag. Auf eine Summe von knapp elf Milliarden Euro hatte sich all das zuvor in einem normalen Jahr addiert. Im Laufe des Jahres 2020 hatten allein die Fitnessstudios einen Rückgang der Mitgliederzahlen von 11,7 Millionen auf 9,8 Millionen zu verzeichnen. Bis Ende 2020, so die Prognose der Betreiber laut der Studie, würden sie 4,4 Milliarden Euro erwirtschaften und damit 1,1 Milliarden Euro weniger als im Jahr zuvor.

Wie der Umsatzverlust tatsächlich ausfiel, beleuchtet die Studie ebensowenig wie jene rund sechs Milliarden Euro, die Eltern vor der Krise regelmäßig fürs sportliche Treiben ihres Nachwuchses ausgaben. Dabei liegen die konsumtiven Einschnitte gerade im Kinder- und Jugendsport, der im Langshutdown besonders zu leiden hatte, auf der Hand. So wenig die Erhebung mit aktuellen Zahlen zum Sport als weitverzweigte Wirtschaftsbranche glänzt, so minutiös widmet sie sich dem organisierten Sport mit ausufernden Grafiken und Tabellen. Durchschnittlich sei jeder der rund 90.000 Sportvereine im Vorjahr von den Ländern mit Coronahilfen zwischen 3.000 Euro und 6.000 Euro unterstützt worden.

Größte Sorgen bereite den Sportvereinen, allen voran fast zwei Dritteln der großen, der Rückgang bei den Mitgliedszahlen. »Für das Jahr 2021 schätzen die Sportvereine ihre Situation deutlich schlechter ein als für das Jahr 2020«, schlussfolgern die Autoren und verweisen auf eine Mitteilung der Sporthochschule Köln vom Januar. Demnach erwartet bis zum Jahresende jeder zweite Sportverein »eine existenzbedrohliche Lage«, weil Mitglieder fehlen oder sich aus dem Ehrenamt zurückziehen. Bundesweit werden die Vereine bis Jahresende wohl rund eine Million Menschen verlieren, schätzt Veronika Rücker, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Für die Autoren der Studie kein Grund zur Panik. »Die Auswirkungen der Pandemie werden bei größeren Sportvereinen als deutlich gravierender wahrgenommen, als dies bei kleineren Sportvereinen der Fall ist.« Die größeren Vereine könnten diese jedoch finanziell besser auffangen als die kleinen, heißt es zusammenfassend. Nach diesem Urteil scheint der organisierte Sport mit einem »blauen Auge« davonzukommen.

Marx für alle!

Die junge Welt gibt's jetzt im Aktionsabo! Für 62 € erhältst du 3 Monate lang die gedruckte Ausgabe der jW, danach endet das Abo automatisch.

Jetzt selber abonnieren, verschenken oder schenken lassen!

Mehr aus: Kapital & Arbeit

Marx für alle! 3 Monate Tageszeitung junge Welt lesen für 62 €. Jetzt bestellen!