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Aus: Ausgabe vom 14.06.2021, Seite 7 / Ausland
Vor dem NATO-Gipfel

Russland einschnüren

NATO beansprucht Seeherrschaft in der Ostsee und im Schwarzen Meer
Von Reinhard Lauterbach
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Während des »Baltops«-Manövers im Juni 2020

Der diesjährige NATO-Gipfel findet vor dem Hintergrund praktisch ständiger Marinemanöver der westlichen Kriegsallianz in den europäischen Meeren statt. Aktuell laufen gleich zwei Übungen der NATO-Seestreitkräfte: die eine, »Baltops 50«, in der Ostsee, die andere, »Steadfast Defender«, im Mittelmeer und im Schwarzen Meer.

»Baltops« begann am Sonntag vor einer Woche – einem bewusst gewählten symbolträchtigen Datum, dem 77. Jubiläum der anglo-amerikanischen Landeoperation an der französischen Kanalküste. Implizierter geopolitischer Kontext dieser behaupteten Analogie: Russland okkupiere den europäischen Kontinent ebenso wie einst Nazideutschland. Insofern ist es auch kein Zufall, dass der operative Höhepunkt des Manövers in dieser Woche eine amphibische Landung an der litauischen Ostseeküste sein wird. Die Übung vereint 40 Kriegsschiffe, 60 Flugzeuge und 4.000 Soldaten aus 16 NATO-Staaten sowie den »Partnernationen« Schweden und Finnland. Schweden spielt dabei den Gegner, indem es ein »hochbefähigtes« U-Boot abordnet, das der Rest der Truppe außer Gefecht setzen soll. Im übrigen haben die Planer den teilnehmenden Einheiten vielfache Ziele gesetzt: neben den bereits genannten Aspekten auch die Erkämpfung des Zugangs zur Ostsee in den dänischen Meerengen, die Fähigkeit, Seegebiete zu sperren, sowie die Verteidigung gegen Cyberangriffe. Zu Wasser.

Parallel dazu läuft schon seit Mai im Mittelmeer das NATO-Marinemanöver »Steadfast Defender«, das im Schwarzen Meer in die alljährliche Übung »Sea Breeze« übergehen soll. Ziel ist auch hier, Russland die Seeherrschaft im Vorfeld der eigenen Küste streitig zu machen. Verhandelt wird dies unter dem ideologischen Titel, die »Freiheit der Schiffahrt« zu sichern. Beide Manöver schließen an eine erste Serie von Marineübungen der NATO im Nordatlantik an, bei denen im März und April sowohl die Heranführung von Einheiten aus den USA trainiert wurde als auch Landeoperationen in Norwegen – lies: an der russischen Schwarzmeerküste mit ihrem gebirgigen Relief – sowie Langstreckenangriffe mit Flugzeugen und Marschflugkörpern von Schiffen aus, die zwischen Norwegen und Island kreuzten. Es ist insofern wenig erstaunlich, dass Russland die Übungsserie der NATO als Provokation und als Säbelrasseln vor seiner Haustür kritisierte. Die Erklärung des Moskauer Außenministeriums hob insbesondere den Umstand hervor, dass zur »Sicherung des Seegebiets« aus NATO-Sicht auch die Teilnahme von atomwaffenfähigen US-Langstreckenbombern des Typs B-52 für erforderlich gehalten werde.

Ebenfalls im Vorfeld des NATO-Gipfels gab das US-Verteidigungsministerium bekannt, dass die Ukraine weitere »Militärhilfe« im Umfang von 150 Millionen US-Dollar (etwa 124 Millionen Euro) erhalten wird. Das Geld ist Teil eines bereits unter Donald Trump zugesagten Pakets und umfasst Artillerieaufklärungsradare, Systeme zur Erkennung von Drohnen und abhörsichere Kommunikationsausrüstung sowie die Ausbildung ukrainischen Militärpersonals an diesen Systemen.

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