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Aus: Ausgabe vom 14.06.2021, Seite 5 / Inland
Tarifkonflikt

Schrauber im Ausstand

Warnstreiks: IG Metall mobilisiert Beschäftigte im Kfz-Handwerk
Von Oliver Rast
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Wollen deutliches Lohnplus: Vier Prozent und höhere Ausbildungsvergütungen (Hannover, 9.6.2021)

Null komma nichts. Das ist das Angebot der Unternehmer in der laufenden Tarifrunde im Kfz-Handwerk. Die Folge: Die IG Metall (IGM) hatte die Beschäftigten in den Autohäusern und Vertragswerkstätten in der vergangenen Woche zu bundesweiten Warnstreiks aufgerufen. Die Kollegen in den Verkaufssalons und an der Hebebühne in den Bastelbuden stehen am unteren Ende der Nahrungskette der Automobilindustrie. Die Verhandlungen in den einzelnen Tarifbezirken gehen ab Montag in die zweite Runde – etwa im Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt mit seinen rund 52.000 Branchenbeschäftigten.

Die IGM fordert für die Belegschaften des Kfz-Handwerks vier Prozent mehr Entgelt und eine deutliche Erhöhung der Ausbildungsvergütungen. Weitere Streitpunkte: Nachtschichtzulagen, Streichung der untersten Gehaltsstufe sowie die Forderung nach einer tarifvertraglich geregelten Übernahme der Auszubildenden. Ferner sollen Beschäftigte die Wahl zwischen mehr Geld oder mehr Freizeit haben.

Allein in Hannover hatten sich mehr als 800 Beschäftigte aus dem Kfz-Handwerk an den Warnstreiks beteiligt, teilte die IGM aus der niedersächsischen Landeshauptstadt am Freitag abend in einem Statement mit. Am örtlichen Mercedes-Benz-Logistikcenter sollen es Gewerkschaftsangaben zufolge etwa 150 Beschäftigte gewesen sein. Es war bereits der dritte zeitlich befristete Arbeitsausstand innerhalb weniger Tage.

Die wirtschaftliche Situation ist stabil, wissen Metaller, beispielsweise im Ersatzteilgeschäft. »Auch in Coronazeiten hatten wir ordentlich zu tun und haben die Teileversorgung in Nordeuropa am Laufen gehalten«, wird der Betriebsratsvorsitzende des Logistikcenters und Mitglied der IGM-Verhandlungskommission, Sven Dedden, in der Mitteilung zitiert. Trotz erschwerter Bedingungen wie Maske, Abstandhalten und dem permanenten Gesundheitsrisiko. Das müsse die Unternehmerseite, also die Innungen des Kfz-Technikerhandwerks (IDK), anerkennen, so Dedden. »Wir brauchen keine warmen Worte, wir brauchen ein Plus im Geldbeutel.«

Markus Wente, Verhandlungsführer des IGM-Bezirkes, richtet den Blick auf die Verhandlungen zum Wochenauftakt. »Dass der Verhandlungsführer der Tarifgemeinschaft des IDK für Montag ein Angebot angekündigt hat, ist ein Schritt in die richtige Richtung«, sagte der Gewerkschafter laut besagter Mitteilung. Mehr indes nicht. Belegschaften und Gewerkschaft hätten demonstriert, auch unter Coronabedingungen Druck aufbauen zu können. »Jetzt sind die Arbeitgeber am Zug, eine Lösung herbeizuführen und damit weitere Aktionen der IG Metall überflüssig zu machen«, betonte er – und Wente weiter: »Wir werden eine Nullnummer nicht akzeptieren!«

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