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Aus: Ausgabe vom 12.06.2021, Seite 8 / Ansichten

Bankrottmacher des Tages: Paul Singer

Von Oliver Rast
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Lässt tief blicken und zuckt bei Kapitalverbrechen nicht

Nickelbrille, grauer Rand, dahinter strenger Blick. Ober- und Unterlippe sind leicht zusammengepresst, drumherum ein weißer Vollbart – Modell Zehntagebart. Der Träger heißt Paul Singer, 76. So sieht sich der US-Milliardär gerne auf Hochglanztiteln. Er zählt zu den Hedgefondsjongleuren aus der Extrasuperliga. Er ist der Macher der Elliott Associates. Elliott ist Singers zweiter Vorname.

Nun hat er zum Wurf über den Teich angesetzt. Im Visier: die Immobranche der BRD. Nachrichtenagenturen vom Freitag zufolge mischt Singer mit seinem Fonds bei der geplanten Übernahme der Deutschen Wohnen (DW) durch Vonovia mit. Demnach hat er rund drei Prozent der DW-Anteile geordert. Überraschend ist das nicht. Singer hat eine Marotte: Er kauft sich bei Unternehmen, die geschluckt werden sollen, ein, um den Kaufpreis in die Höhe zu treiben. Seine Aussichten bei der Immofusion sind gut. Vonovia will dafür rund 18 Milliarden Euro hinblättern oder 53,03 Euro je DW-Aktie, worin die Dividende von 1,03 Euro enthalten ist. Das entspricht einer Prämie von 25 Prozent auf den Dreimonatsdurchschnittskurs, berichtete die Kapitalschmonzette Manager-Magazin am Donnerstag. Denkbar, so die Auskenner börsianischer Umtriebe, dass Elliott hier noch mehr rausschlagen will. Welches Motiv sollte er auch sonst haben?

Der notorische Republikaner zuckt nicht, wenn andere krepieren. Nach der Insolvenz Argentiniens 2001 hatte Singers Elliott Staatsanleihen des Landes zum Spottpreis zusammengeklaubt. Um bei Rückzahlungen nicht hinten anzustehen, waren seine Advokaten vor Gerichte gezogen, verklagten den souveränen Staat. Argentinien erklärte sich damals für bankrott. Es half nichts. Singer bekam 2,4 Milliarden US-Dollar zugesprochen. Ein Lehrstück für Immohaie hierzulande. Der Herr mit dem strengen Blick baut nicht, er hinterlässt Brachen.

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