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Aus: Ausgabe vom 10.06.2021, Seite 11 / Feuilleton
Klassik

Der Sound der Leichtigkeit

Arte präsentiert das sinfonische Gesamtwerk von Ludwig van Beethoven
Von Reinhard Lauterbach
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Spektakulärer Spielort: Proben der Compagnie »Sasha Waltz & Guests« im antiken Theater von Delphi

»Lange Nächte« zu irgendeinem Thema präsentieren die öffentlich-rechtlichen Sender öfter. Der große Nachteil dieser Programmidee ist, dass man entweder alles aufzeichnen muss oder irgendwann in der Mitte einschläft. Der deutsch-französische Kulturkanal Arte hat jetzt dieses Schema umgedreht und am Sonntag einen ganzen Tag lang Beethoven gesendet: jede Sinfonie – und bei der Gelegenheit noch die sinfonischen Ouvertüren –; und jedes Werk übertragen aus einem anderen Land Europas. Vom Innenhof des Bonner Schlosses (Nr. 1) bis zum Gartenparterre des Wiener Belvedere-Palasts mit eingeschalteten »Wasserkünsten« (Nr. 9). Wohl der spektakulärste Spielort war das antike Theater von Delphi, wo Teodor Currentzis mit seinem Orchester »Musica Aeterna« in der Abenddämmerung die Siebte zu Gehör brachte: präzis und vielstimmig, der zweite Satz so gespenstisch intoniert, wie es die zahlreichen Adaptationen als »Trauermarsch« in Vergessenheit haben geraten lassen. Nur wer ist auf die Idee gekommen, die Musikerinnen und Musiker ganz in Schwarz wie ein Trauerzug ins Theater einziehen zu lassen? Das ging nach hinten los.

Generell war ein leicht und federnd gespielter Beethoven zu hören, Meilen entfernt vom schweren Furtwängler- und Karajan-Sound der Vergangenheit. Atemberaubend zum Beispiel die Pianissimi und langsamen, gefühlt über ganze Sätze laufenden Crescendi des finnischen Radiosinfonieorchesters unter Nicholas Collon in der »Eroica« aus der in den Naturstein gehauenen Felsenkirche in Helskinki, architektonisch mit dem Lichteinfall von oben ein modernes Zitat des römischen Pantheon. Leider brach die Liveübertragung im zweiten Satz wegen technischer Probleme ab: desto wichtiger die Möglichkeit, diese und die anderen Sinfonien noch bis zum 4. September auf der Seite von Arte nachzuhören.

En passant gaben die Konzerte auch einen Überblick über den Stand der Coronamaßnahmen in den einzelnen Ländern. Mal saß das Publikum auf Distanz, mal fehlte es ganz. In Griechenland und Wien spielten die Orchester schon wieder ohne Masken, in den meisten Ländern aber noch mit, außer die Bläser, naturgemäß. Wie sehr die Masken auch das Musizieren behindern können, zeigte eine kleine Geste der Konzertmeisterin bei der Achten aus Strasbourg: wie sie sich zum Schluss, als sie als Solistin noch eine Romanze gab, das schwarze Stück Stoff geradezu von der Nase riss, um wieder mit freiem Atem aufzuspielen.

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