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Aus: Ausgabe vom 08.06.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Landwirtschaft

Luxusgut Lebensmittel

UN-Index: Preise für Nahrung drastisch gestiegen. Millionen Menschen von Hunger betroffen
Von Marco Schröder
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In einigen Gebieten Westafrikas sind die Nahrungsmittelpreise um mehr als 200 Prozent gestiegen (Abuja, 27.3.2020)

Die Preise für Lebensmittel steigen rasant: Der »Food Price Index« der Vereinten Nationen ist im Mai um den höchsten Wert seit 2011 gewachsen – im Vergleich zum Wert des Vorjahres sogar um ganze 39,7 Prozentpunkte. Wie die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO am vergangenen Donnerstag mitteilte, liegt das vor allem am Preisanstieg für Pflanzenöl, Zucker und Getreide. Auch die Börsenpreise für sogenannte Soft commodities wie Kaffee und Milch sind stark gestiegen. Während der Preis von Weizen seit Anfang 2019 um 16 Prozent stieg, ist Mais bis zu 60 Prozent teurer geworden.

Als Ursachen dafür nannte die britische Financial Times (FT) am Donnerstag unter anderem die starke Nachfrage Chinas, das vermehrte Horten von Getreide durch Regierungen weltweit zu Beginn der Coronapandemie und eine verheerende Dürre sowie die damit einhergehende schlechte Ernte in Brasilien, das vor allem Soja und Mais exportiert. Durch die Pandemie kam es zudem zu starken Stockungen der internationalen Lieferketten, die, wie auch die Blockade des Suezkanals durch das Frachtschiff »Ever Given« Ende März zeigt, noch lange nachwirken können.

Die Nachfrage nach Massengutfrachtern für den Transport von Rohstoffen, Rohöl und Landwirtschaftserzeugnissen ist derzeit auf dem höchsten Stand seit über einem Jahrzehnt. Auch die Frachtkosten der drei größten Schiffsklassen der Welt sind laut dem »Baltic Dry Index« (BDI) auf einem Höchststand. Ein Anstieg des BDI gilt als Zeichen für einen Aufschwung des weltweiten Handels, da mehr Schüttgüter und Rohstoffe nachgefragt werden, die als Basis für die Produktion benötigt werden. Neben der steigenden chinesischen Nachfrage nach Eisenerz nannte die FT vom 10. Mai die enormen US-Getreideexporte sowie den Handelsstreit zwischen China und Australien als weiteren Faktor für aktuelle Engpässe auf dem Schiffsmarkt.

Auch wenn viele Banker die derzeitigen Preissteigerungen bei Transportkosten und Rohstoffen als Signal für einen Aufschwung des Welthandels interpretieren und auf einen kommenden Superzyklus spekulieren, ist noch nicht klar, inwiefern die Kapazitäten auf eine erhöhte Nachfrage außerhalb Chinas treffen. Das Land war der Motor des Welthandels während und nach der Weltfinanzkrise 2007. Die steigende Nachfrage Beijings könnte diesmal jedoch nur von kurzer Dauer sein, da sich China u. a. bei der Kreditvergabe zurückhält und weniger für die eigene Infrastruktur ausgibt.

Stärker als im Westen ist der Preisanstieg für Lebensmittel in ärmeren Ländern des Südens zu spüren, die großenteils vom Import abhängig sind. Nach Angaben der Weltbank ist die Zahl der von schwerer Armut betroffenen Menschen im globalen Süden seit Ausbruch der Pandemie um 90 Millionen Menschen gewachsen.

Laut FT vom Donnerstag kam es in Afrika und Südasien zu einer Lebensmittelinflation um bis zu zwölf Prozent, in Südamerika gar von 21. Die Grundnahrungsmittelpreise in Westafrika seien um 40 Prozent angestiegen und in Nigeria um 23 Prozent. In einigen Gebieten Westafrikas, wo zusätzlich zu den Auswirkungen der Pandemie bewaffnete Konflikte stattfinden, sind die Nahrungsmittelpreise um mehr als 200 Prozent gestiegen, berichteten die Vereinten Nationen. Hier zeichnet sich eine Katastrophe ab.

Auch im Westen gibt es beunruhigende Zahlen, die sich durch weitere Preissteigerungen wohl verschärfen werden. Wie Bloomberg am 1. März berichtete, verteilte die britische Hilfsorganisation Trussell Trust nach Ausbruch der Pandemie sechs Monate lang jeden Tag 2.600 Lebensmittelpakete an Kinder in Großbritannien, während die Organisation Feeding America in den USA dieses Jahr für 42 Millionen Menschen Ernährungsunsicherheit prognostiziert. Laut des Welternährungsprogramms der UNO hat sich die Anzahl der Menschen, die von Lebensmittelunsicherheit betroffen sind, mittlerweile weltweit von 150 Millionen zu Beginn der Pandemie auf über 272 Millionen Menschen Ende 2020 erhöht.

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