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Aus: Ausgabe vom 08.06.2021, Seite 7 / Ausland
Technisches Patt

Patt in Peru

Linkskandidat Castillo und Rechte Fujimori bei Stichwahl um Präsidentenamt fast gleichauf. Ergebnis wohl erst in kommenden Tagen
Von Quincy Stemmler, Lima
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Präsidentschaftskandidat Pedro Castillo am Sonntag vor Anhängern in seinem Heimatort Tacabamba

Das Rennen bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Peru am Sonntag (Ortszeit) ist äußerst eng. Laut Wahlrat ONPE lagen die Rechtskandidatin Keiko Fujimori und Pedro Castillo von der sich als marxistisch-leninistisch bezeichnenden Partei »Perú Libre« (Freies Peru) nach Auszählung von mehr als 92 Prozent der Stimmen am Montag nahezu gleichauf.

Bis ein offizieller Wahlsieger feststeht, könnten womöglich noch Tage vergehen. Die Situation erinnert an die letzten Präsidentschaftswahlen 2016, bei denen Fujimori gegen den Wirtschaftsliberalen Pedro Pablo Ku­czynski in der Stichwahl stand. Damals hatten die Prognosen am Abend des zweiten Wahlgangs Fujimori ebenfalls einen knappen Sieg vorhergesagt. Trotzdem gewann Kuczynski letztlich – mit 42.597 Stimmen Vorsprung.

Entsprechend vorsichtig äußerten sich die Kandidaten am Sonntag. Fujimori zeigte sich erfreut, mahnte aber zur Besonnenheit. »Unsere Wahlbeobachter müssen wachsam bleiben, bis die letzte Wahlurne ausgezählt wurde.« Auch Castillo rief zur Zurückhaltung auf: »Noch haben wir nichts Offizielles gehört.«

Die regionale Stimmverteilung konnten die Umfrageinstitute allerdings bereits deutlich feststellen: Castillo gewann in den Anden-Departamentos mit teils großem Vorsprung, während die Bewohner der Hauptstadt Lima sowie anderer Großstädte an der Küste mehrheitlich für Fujimori stimmten. So kam der linke Grundschullehrer etwa in der Region Huan­cavelica auf 88 Prozent, auch andere Departamentos im Hochland wie ­Cusco (84,5 Prozent) oder Puno (86,9 Prozent) entschied der 51jährige klar für sich. Fujimori gewann besonders deutlich in Lima (68,1 Prozent) und in La Libertad (62,4 Prozent).

Fujimori geht es um die Verteidigung des neoliberalen Modells gegen »den Kommunismus«, wie die Rechtskandidatin im Wahlkampf immer wieder betonte. Dieses hatte ihr Vater Alberto Fujimori in den 1990er Jahren während seiner autoritären Präsidentschaft eingeführt. Castillo hingegen setzt auf eine »Reformierung des Systems« und einen Verfassungsprozess, mit dem die 1993 entworfene Konstitution begraben werden soll. Zwar verzeichnet der Andenstaat seit drei Jahrzehnten ein stetiges Wirtschaftswachstum, doch profitieren nur wenige davon. Die Lebenssituation großer Teile der Bevölkerung hat sich kaum verbessert, was sich gerade in der Coronapandemie erneut zeigte. Auch Fujimori versprach – in Reaktion auf Castillos populäres Linksprogramm – großzügige Bonuszahlungen an die ärmere Bevölkerung, um die Auswirkungen der Pandemie abzufedern.

Während des Wahlkampfs hatten die meisten privaten Medien eine aggressive Kampagne gegen Castillo geführt. Obwohl am Sonntag Banken ihre Filialen und einzelne Einkaufszentren ihre Geschäfte aus Angst vor politischen Unruhen verbarrikadiert hatten, verlief der Wahltag relativ ruhig. Nur vereinzelt kam es zu Zwischenfällen. So berichteten die Bewohner eines Altenheims der nordperuanischen Stadt Piura gegenüber dem unabhängigen Onlinemedium Wayka, sie seien von der Heimverwaltung zur Stimmabgabe für »­Keiko« gezwungen worden. Die Verwaltung des Heims dementierte die Aussagen.

In einem Stadtteil von Lima, in dem der Linken gute Chancen eingeräumt wurden, wurde ein vermeintlicher Wahlbeobachter der »Perú Libre« dabei erwischt, wie er Stimmzettel manipulierte. Die Partei von Castillo distanzierte sich umgehend von den Geschehnissen und gab an, den Mann nicht zu kennen. Kurz darauf konnte der Verdächtige als Mitglied einer mit Fujimori verbündeten Rechtspartei identifiziert werden.

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