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Aus: Ausgabe vom 07.06.2021, Seite 16 / Sport
Skisport

Ein Mann mit sehr viel Geld

Auf dem 52. Kongress des Internationalen Skiverbandes FIS wurde der schwedisch-britische Unternehmer Johan Eliasch zum Präsidenten gewählt
Von Gabriel Kuhn
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Keinerlei Meriten als Athlet oder Sportfunktionär: Johan Eliasch

Eigentlich hätte der 52. Kongress des internationalen Skiverbandes Fédération Internationale de Ski (FIS) im Sommer 2020 stattfinden sollen. Um einen virtuellen Kongress zu vermeiden, wurde er angesichts der Coronapandemie auf den Sommer 2021 verschoben. Nun fand er am Freitag trotzdem virtuell statt. Sicher eine Enttäuschung für alle Skisportfunktionäre, die Kongressorte wie Antalya in der Türkei oder Cancún in Mexiko gewohnt sind.

Der 52. FIS-Kongress war nicht nur aufgrund der äußeren Umstände ein besonderer. Zum ersten Mal seit 23 Jahren wurde ein neuer Präsident gewählt. Amtszeiten, die in der Politik misstrauisch beäugt werden, sind in der Welt des Sports völlig normal. Gian Franco Kasper, der 1998 sein Amt als FIS-Präsident antrat, findet Machtfülle dieser Art in jedem Zusammenhang vorteilhaft. In einem Interview mit dem Schweizer Tagesanzeiger erklärte er im Februar 2019 zur Organisation sportlicher Großveranstaltungen: »Es ist nun einmal so, dass es für uns in Diktaturen einfacher ist. Vom Geschäftlichen her sage ich: Ich will nur noch in Diktaturen gehen, ich will mich nicht mit Umweltschützern herumstreiten.« Aussagen wie diese waren für Kasper kein Rücktrittsgrund. Der 77jährige geht aus Altersgründen in den Ruhestand.

Zu seiner Nachfolge traten vier Kandidaten an. Drei davon haben viel Erfahrung im Skisport, sowohl als Athleten als auch als Funktionäre. Die Britin Sarah Lewis (56) trat bei den Olympischen Winterspielen 1988 im alpinen Skilauf an und war 20 Jahre lang Generalsekretärin der FIS. Der Schwede Mats Årjes (54) ist einer der Vizepräsidenten der FIS und war lange Jahre Präsident des Schwedischen Skiverbandes. Der Schweizer Urs Lehmann (52) wurde 1993 Abfahrtsweltmeister und ist Präsident des Schweizer Skiverbandes. Årjes und Lehmann sind auch erfolgreiche Geschäftsleute. Der vierte Kandidat, der schwedisch-britische Unternehmer Johan Eliasch (59), hat keinerlei Meriten als Athlet oder Sportfunktionär, ist aber ein besonders erfolgreicherer Geschäftsmann. Die einzige Verbindung des Milliardärs zum Skisport ist die Tatsache, dass er seit 1995 Eigentümer von Head ist, einer der größten Skifirmen der Welt.

Eliaschs Kandidatur wurde von viel Prominenz unterstützt. Etwa dem britischen Premierminister Boris Johnson. Während Johnsons Fachkenntnis, was den Skisport betrifft, überschaubar ist, stellten sich auch Stars der alpinen Szene hinter Eliasch, etwa der Norweger Aksel Lund Svindal, die US-Amerikanerin Lindsey Vonn oder der Franzose Alexis Pinturault, Gesamtweltcupsieger der vergangenen Saison. Dass sie alle bei Head unter Vertrag stehen, mag reiner Zufall sein.

Die stimmberechtigten FIS-Delegierten aus mehr als 70 Ländern sahen darin keinen Interessenkonflikt. Sie wählten Eliasch schon im ersten Wahlgang mit einfacher Mehrheit zum Präsidenten. Eliaschs Versprechen sind die üblichen: mehr Demokratie, mehr Transparenz, mehr Umweltbewusstsein – und vor allem mehr Geld.

Urs Lehmann, lange Favorit für das Amt, zeigte sich vor allem vom Präsidenten des Österreichischen Skiverbandes, Peter Schröcksnadel, enttäuscht. Dieser hatte Lehmann zunächst unterstützt, schwenkte dann jedoch auf Eliasch um. Der österreichische ist der mächtigste aller nationalen Verbände und Schröcksnadel als Strippenzieher bekannt. In Österreich hat er nach 31jähriger Amtszeit und einigem Hickhack gerade seine Nachfolge geregelt. Auch dort schaute der ursprüngliche Favorit, Vizepräsident Michael Walchhofer, am Ende durch die Finger.

Im 16köpfigen FIS-Vorstand wird Schröcksnadel, auch er ein erfolgreicher Geschäftsmann, weiterhin vertreten sein. Dort sitzt mit der vielfachen Langlaufweltmeisterin Jelena Wjalbe aus Russland eine einzige Frau. Als der kanadische Skiverband dem neuen Präsidenten Eliasch beim Kongress die Frage stellte, ob er sich für eine Quote von mindestens drei Frauen im Vorstand einsetzen würde, gab dieser sich fortschrittlich: »So bald wie möglich!«

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