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Aus: Ausgabe vom 07.06.2021, Seite 8 / Ansichten

Realpolitiker des Tages: Robert Habeck

Von Marc Bebenroth
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Frontruhe statt Wahlkampfgetöse: Der Grünen-Kovorsitzende in einem verlassenen Dorf unweit von Mariupol (25.5.2021)

Er habe nichts mehr gewollt, als »dieser Republik als Kanzler zu dienen«. Noch Ende April war Robert Habeck gegenüber der Zeit demonstrativ enttäuscht gewesen angesichts seiner »persönlichen Niederlage« gegen Annalena Baerbock, Kovorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. Jetzt aber gehe es ihm »blendend«. Man habe »einen famosen Start« in den Bundestagswahlkampf hingelegt, urteilte Habeck in der aktuellen Ausgabe des Spiegels. »Annalena macht das super.«

Was Baerbock so gesehen auch super macht, ist, im Rampenlicht zu stehen und den Argwohn sämtlicher Grünen-Hater abzufangen. So sah sich die Kanzlerkandidatin ohne nennenswerte politische Hinterlassenschaften offenbar gezwungen, ihren Lebenslauf zu »präzisieren«, wie Spiegel am Sonnabend online berichtete. In ihre bisherige Vita hatten sich zuletzt Kritiker verbissen, denen Äußerlichkeiten mehr bedeuten als Inhalte. Derweil kann Habeck Realpolitik betreiben und schon mal in die Ukraine reisen, um mit Staatspräsident Wolodimir Selenskij dessen Wunschzettel für Rüstungslieferungen aus der BRD zu besprechen.

»Mein Besuch sollte in Erinnerung rufen, dass der Kampf der Ukraine der Kampf Europas ist«, deklarierte Habeck beim Spiegel-Spaziergang durch das Berliner Regierungsviertel. Deutschland liefere Rüstungsgüter an Länder wie Ägypten – Konfliktpartei im Jemen-Krieg –, kritisierte Habeck. Doch an den Frontstaat im Kalten Krieg mit Russland wolle Berlin nicht liefern. »Die Selbstgerechtigkeit der Regierung«, sich mit letzterem zu rühmen, halte Habeck für »unangebracht«. Gerede von europäischer Souveränität müsse sich »zum Beispiel im Donbass« beweisen. Als erfahrener Draußenminister in Schleswig-Holstein ist er nach wie vor »ein Mann der Exekutive«, gestand er dem Spiegel. Schließlich sei »Macht auszuüben« der Sinn von Politik.

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