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Aus: Ausgabe vom 05.06.2021, Seite 8 / Ansichten

Freiwilliger Rückkehrer des Tages: Horst Seehofer

Von Emre Sahin
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Unter der Maske lassen sich Lieder nur schwer singen und summen: Innenminister Horst Seehofer hört auf (Berlin, 4.5.2021)

Dass der (Neben-)Beruf Politiker laut Umfragen wenig Vertrauen genießt, ist bekannt. Umso schöner ist es, wenn es Politiker gibt, die auch Wasser trinken, wenn sie es predigen. Die Rede ist von Innenminister Horst Seehofer. Unter seiner Ägide gab es 2018 noch die Kampagne »Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt«, die Geflüchtete in allen möglichen Sprachen dazu aufforderte, mit etwas »Hilfsgeld« der BRD die freiwillige Rückkehr ins Heimatland anzutreten. Drei Jahre später nimmt auch Seehofer das Angebot dankend an und verlässt das von »Clankriminalität« geprägte Berlin, mit einer satten Pension als Hilfsgeld Richtung Bayern.

Am Freitag erklärte er dem SZ-Magazin, er beende seine Politkarriere, denn er sehne sich nach mehr »Privatheit«, was übersetzt auch Lobbytätigkeiten für BMW bedeuten könnte. Schon fangen bürgerliche Blätter an, romantische Porträts zu zeichnen. Bei W. Bush waren es noch die Ölbilder. Bei Seehofer ist es die »Heimorgel«. Er vermisse es, »›Let it be‹ (zu) spielen«, und »summt dann immer mit«, so das SZ-Magazin. Bah.

Zugegeben: Seehofer als Innenminister war schlimm, hätte aber auch viel schlimmer sein können, wenn wir nicht bereits dank Schily, Schäuble, de Maizière und Friedrich abgehärtet worden wären. Nebenbei: Die Liste verrät, dass auch der nächste Innenminister wahrscheinlich ein schlecht aussehender Kerl wird.

Was bleibt von Seehofer? Ein Heimatministerium, von dem niemand weiß, warum es existiert. Eine verhinderte Rassismusstudie zur Polizei. Verbotene kurdische Bücherverlage und eine erwogene Anzeige gegen eine Kolumnistin, weil man Seehofer zwar aus dem Bierzelt kriegt, aber das Bierzelt nicht aus Seehofer. Jetzt kann er in aller Ruhe »bis zur letzten Patrone« gegen die Migration kämpfen, der »Mutter aller Probleme«, wie er selbst sagte. Yalla, du rechter Sack!

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