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Aus: Ausgabe vom 02.06.2021, Seite 5 / Inland
Autoindustrie

»Nachhaltige Standortentwicklung«

Kompromiss für Continental in Karben: Keine betriebsbedingten Kündigungen bis Ende 2022
Von Susanne Knütter
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So gut wie alle Beschäftigten bei Continental in Karben hatten sich an den Streiks und Protestaktionen während der Verhandlungen zwischen Geschäftsführung und IG Metall beteiligt (15.4.2021)

Zuletzt hatte die IG-Metall-Tarifkommission den mit der Continental-Betriebsleitung für den Standort Karben ausgehandelten Kompromiss platzen lassen. Sie forderte einen umfassenderen Kündigungsschutz und höhere Abfindungen. Am Dienstag erklärte die IG Metall nun, der Autozulieferer habe die Forderungen akzeptiert. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende 2022 ausgeschlossen. Und für Beschäftigte, die älter als 57 Jahre sind und das Unternehmen verlassen wollen, soll es bessere Abfindungsregelungen geben.

So können etwa Arbeiter, die 58 Jahre alt sind, eine Abfindung von bis zu 180.000 Euro erhalten. Darüber hinaus wurde ein Härtefallfonds von einer Million Euro geschaffen. Auch die Altersteilzeitregelungen seien die besten, die bisher an einem Continental-Standort ausgehandelt worden sind, sagte der Geschäftsführer des IG-Metall-Bezirks Mitte, Michael Erhardt, am Dienstag gegenüber jW. Erhardt geht von circa »300 Beschäftigten plus x« aus, die die Altersteilzeitregelungen in Anspruch nehmen werden. Der Großteil der 1.088 Beschäftigten werde sich jedoch andere Arbeit suchen müssen, so Erhardt. Die Aussichten dafür sind momentan denkbar schlecht. Da ein Großteil der Belegschaft keine abgeschlossene Berufsausbildung habe, sei die ausgehandelte Transfergesellschaft besonders wichtig, betonte Erhardt. Pro Arbeiter zahle Continental eine Pauschale von 5.000 Euro für Weiterbildungsmaßnahmen, wie zum Beispiel IT-Kurse, Gabelstaplerführerschein oder Sprachkurse.

Die IG Metall hatte in ihrer Presseerklärung auch auf die »Chance einer nachhaltigen Standortentwicklung« hingewiesen. Das bedeutet letztlich nur, dass ein Bereich, nämlich »Engineering Services« mit etwa 50 Beschäftigten erhalten bleibt. Dieser ist spezialisiert auf Kleinserien. Alle anderen Bereiche von Continental Karben werden geschlossen, nicht 2023, wie ursprünglich vorgesehen, sondern erst 2025. Dass das Werk »dicht gemacht« und die Produktion in »Niedriglohnländer« verlagert wird, hält die IG Metall nach wie vor für »grottenfalsch«, so Erhardt. Er macht sich aber keine Illusionen darüber, dass sich das Unternehmen so etwas wie einer »sozialen Verantwortung« bewusst sei.

Vergangenen Herbst hatte Continental angekündigt, sein ohnehin bereits geplantes Kürzungsprogramm zu verschärfen und weltweit 30.000 Stellen zu streichen, davon allein 13.000 in Deutschland. Anfang Mai konnte der Konzern verkünden, dass er im ersten Quartal 2021 einen Nettogewinn von 448 Millionen Euro einfuhr. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 292 Millionen Euro gewesen. Continental begründete den Aufschwung mit erhöhtem Absatz von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen besonders in China. Der personelle Kahlschlag und die Verlagerung der Produktionsstätten dürften ihr übriges zu künftigen Gewinnen beitragen.

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