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Aus: Ausgabe vom 01.06.2021, Seite 8 / Ansichten

Selbstherrliche des Tages: Spahn/Scheuer

Von Michael Merz
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Mit Flunsch die Flausen kaschieren: Die Minister Jens Spahn (l.) und Andreas Scheuer

Die Nerven liegen weiter blank. Mit etwas gutem Willen war zu hoffen, dass die sich als gottgleich betrachtenden Regierungsvertreter am Wochenende wieder in den Griff bekommen. Die Voraussetzungen: Als »Modellprojekt« hatten sieben Schickimickitempel in Berlin-Mitte – etwa das »Borchardt« und die »Austernbank« – ihre Innenbereiche und damit die Hoffnung eröffnet, dass die Selbstherrlichen ihre Komplexe außerhalb der Öffentlichkeit kompensieren.

War wohl nix. Wer Jens Spahn am Sonntag abend bei »Anne Will« erlebt hat, wie er selbst den Porsche-Fan Christian Lindner – im übrigen Mieter in einer der Spahn-Immobilien – wie einen kleinen Jungen abkanzelte, weiß, dass das hohe Ross mit größter anzunehmender Unfähigkeit weiter geritten wird. Ein dreifaches »Aha!« des FDP-Chefs genügte, um die hilflosen Erklärungsversuche des Gesundheitsministers in ein gereiztes »Was heißt denn jetzt ›Aha!‹?« münden zu lassen. Das riecht nach Kündigung wegen Eigenbedarfs. Weil es so schön ist, sei hier erinnert an ein Zitat Spahns im Interview bei Welt-TV Ende April: »Wir haben jetzt jeden vierten Deutschen geimpft. Diese Woche wird es noch jeder fünfte werden.«

Rechnen muss Andreas Scheuer glücklicherweise nicht selbst, sonst säße er wahrscheinlich längst im Knast. Dafür hat der Verkehrsminister Berater und Anwälte, die sich die Begründungen seiner Harakiripolitik angenehm versüßen lassen. Wie der Tagesspiegel am Montag berichtete, haben Juristen die Beantwortung von sieben simplen Fragen von Bürgern, die Auskunft verlangten, übernommen. Es ging um die Pkw-Maut, die die Steuerzahlenden etwa 700 Millionen Euro kosten wird. Eine Kanzlei namens Greenberg Traurig Germany – heißt wirklich so – hat sich dazu ein paar Floskeln einfallen lassen, dafür 175.000 Euro kassiert und kann die Belegschaft nun mehr als einmal ins »Borchardt« einladen.

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