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Aus: Ausgabe vom 29.05.2021, Seite 8 / Ansichten

Doppelbelasteter des Tages: Aleksander Pociej

Von Reinhard Lauterbach
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Aleksander Pociej

Jeder Prolet kann ein Lied davon singen: Dass eine Arbeit monoton ist, heißt nicht, dass man dabei nicht ständig aufpassen muss. Sonst ist ruck, zuck die Hand ab, oder der Lkw liegt im Graben. Damit es aber jetzt nicht wieder heißt, diese Zeitung wärme nur alte Klassenkampfsprüche aus dem 19. Jahrhundert auf, soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass dieselbe Gefahr auch bei wesentlich besser bezahlten Tätigkeiten droht, zum Beispiel der des Abgeordneten.

Zu besichtigen war das am Donnerstag in Polen. Im Senat, dem Oberhaus des Parlaments, hat die Opposition eine hauchdünne Mehrheit. Gelegentlich macht sie sich einen Spaß daraus, der Regierungspartei PiS kurzlebige Abstimmungsniederlagen beizubringen. So sollte es auch diesmal sein. Es drehte sich um irgendwas mit Europa.

Aber die Sache ging schief. Zwei Stimmen fehlten dem oppositionellen Lager. Die eine – Rubrik »Politischer Slapstick« – war auf dem Weg in den Plenarsaal im Aufzug steckengeblieben. Der andere Unglücksfall passierte dem Senator Aleksander Pociej von der »Bürgerplattform«. Der drückte im parlamentarischen Getriebe auf den falschen Knopf, so dass aus einem »Ja« ein »Nein« wurde oder umgekehrt. Ist im Ergebnis ja auch egal. Mehrheit ist Mehrheit, keine Mehrheit ist halt keine.

Lustig ist aber die Erklärung, die Pociej für seine Fehlabstimmung lieferte: Er habe parallel online an einer Sitzung im Europarat teilgenommen, wo er die Fraktion der Europäischen Volkspartei leitet. Und dort sei er gerade dabei gewesen, eine Resolution zur Lage in Belarus zu formulieren und durchzubringen. Da habe er wohl einen Moment nicht richtig aufgepasst, was im heimischen Warschau gerade Stand der Debatte war.

Wie wäre es mit einer Fortbildung über Prioritätensetzung? Auf die Stimme Pociejs wäre es in Strasbourg nicht angekommen – in Warschau dagegen schon.

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