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Aus: Ausgabe vom 27.05.2021, Seite 8 / Ansichten

Balla-Balla-Boss des Tages: Ray Dalio

Von Oliver Rast
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Gibt gerne Direktiven und erheitert mit einem selbstgebastelten »Persönlichkeitstest« (Lissabon, 7.11.2018)

Er wirkt wie der liebevolle, grauhaarige Opa von nebenan. Mit beigefarbener Strickjacke, offenem himmelblauen Hemd. Klamotten von der Stange. Sieht jedenfalls so aus. Indes, Obacht: Diese umgängliche Erscheinung mit hoher Stirn und linksseitig gescheiteltem Resthaupthaar, heißt Ray Dalio.

Der 71jährige ist Gründer des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater, einer der reichsten Kapitalverbrecher, dessen Vermögen laut Businessmagazin Forbes auf mehr als 20 Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Und er ist Hobbypsychologe mit dem Extratick, seine Beschäftigten mittels selbstgebastelten »Persönlichkeitstests« durchzuchecken. Einer mit besonders doller Psychomacke also – und mit klarem Doppelziel: Untergebene mit null »Schwächen«, Höchstleistungen aller. Seine kriechenden Kreativen müssen einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) vom Mittwoch zufolge festgelegte Regeln (Principles) einhalten, lückenlos, exakt 200. Darunter solche: »Akzeptiere keine Schlechtheit«, »Suche nach Menschen, die glitzern«. Und: »Sei bereit, die Leute zu erschießen, die du liebst.«

So’n Multimilliardär darf sich Mordaufrufe und Beihilfe zum Killen offenbar leisten. Und sowieso, wer nicht spurt und die Sperenzchen seines Balla-Balla-Bosses ablehnt, fliegt hochkant, will die SZ wissen. Auch das kaum noch zu ertragen: Dalios mitleidige Legendenerzählung. Er, der »Selfmade Billionaire«, als Personifizierung des US-amerikanischen Traums, der für die Verdammten dieser Erde nichts als ein Endlostrauma ist.

Seitdem der Bridgewater-Kreateur seine Investmentklitsche nicht mehr offiziell führt, drängt er verstärkt als Heilsbringer in die Medienwelten. Es geht ihm gewissermaßen um die Weitergabe seines metaphysischen Erbes. Mal ehrlich, Zeit wird’s für Regel 201: Dalio erden – per Arbeiterfaust.

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