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Aus: Ausgabe vom 21.05.2021, Seite 8 / Ansichten

Enkelin des Tages: Annalena Baerbock

Von Felix Jota
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Annalena Baerbock äußerte eine höchst seltsame historische Einordnung ihrer Familiengeschichte

Für die Kanzlerkandidatin der Olivgrünen kommt es derzeit knüppeldick. Am Wochenende bezog Annalena Baerbock Prügel wegen ihres Vorschlags, Kurzstreckenflüge zu verbieten. Fast zeitgleich fragten User bei Twitter unter dem Schlagwort »#studierenmitBaerbock«, wie sie denn in Großbritannien einen Master als Völkerrechtlerin erlangt haben soll, ohne vorher – wie erforderlich – einen Bachelor in der BRD gemacht zu haben. Am Mittwoch kam dann die Nachricht, dass sie »versehentlich« Sondereinkünfte als Parteichefin nicht gemeldet hatte.

Als wäre all das nicht genug, postete ein User am Mittwoch bei Twitter auch noch den Videoausschnitt eines Auftritts von Baerbock, den sie am 6. Mai beim »Atlantic Council« absolviert hatte – einer US-amerikanischen »Denkfabrik«, die sagt, wo es langzugehen hat. Was die Grünen-Frontfrau dort mit goldenen Sternen in den Augen zum Thema Europa verzapfte, ist ebenso haarsträubend wie aufschlussreich.

Ihr Großvater habe im Winter 1945 an der Oder gekämpft, trug Baerbock in – trotz angeblichen Abschlusses an der London School of Economics – sehr deutschem Englisch vor. Im Jahr 2004 habe sie auf einer Brücke über genau diesem Fluss erlebt, wie der damalige Außenminister Joseph Fischer und sein polnischer Amtskollege die »Wiedervereinigung Europas erneut gefeiert« hätten. Damals habe sie gedacht: »Wow, wir stehen nicht nur auf den Schultern von Joschka Fischer, sondern auch auf denen unserer Großeltern.« Denn die hätten es ermöglicht, dass einst verfeindete Länder nun in Frieden und Freundschaft leben könnten.

Vorausgesetzt, der Opa Baerbocks hat nicht noch in letzter Minute die Seiten gewechselt und in den Reihen der Roten Armee für die Befreiung Europas vom Faschismus gekämpft, ist das ein krasser Fall von Geschichtsklitterung. Dann können ihre Worte eigentlich nur heißen: Danke, Opa, danke, Wehrmacht, dass ihr die Kommunisten noch aufgehalten habt – für Europa!

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Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

Zur neuen Leserbrieffunktion auf jungewelt.de

  • Leserbrief von Bernhard May aus Solingen (15. Juni 2021 um 12:35 Uhr)
    Der Rundumschlag gegen die »grüne« Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock riecht mir dann doch zu stark danach, als wolle hier die durch und durch verkommene, korrupte und mafiöse CDU/CSU über möglichst viele Kanäle mit billigstem Whataboutismus von ihrem nächsten Dutzend eigener Skandälchen ablenken. Frau Baerbocks Vorschlag, Kurzstreckenflüge zu verbieten, ist in diesem Wahlkampf die erste konkrete Aussage. Ein solches Verbot ist längst überfällig, wie spätestens durch »Fridays for Future« bekannt sein müsste. Es ist notwendig für den Klimaschutz, dienst daneben auch dem Lärmschutz und der Reisekultur. Allenfalls müsste »Kurzstrecke« durch eine Obergrenze, sagen wir zunächst 800 bis 1.000 Kilometer, später mehr, konkretisiert werden. Frau Baerbock sprach wohl von Inlandsflügen, womit der Unfug, zwischen Friedrichshafen und dem nahen österreichischen Dornbirn zu fliegen, noch gar nicht erfasst wäre. Baerbocks Ernsthaftigkeit wäre zu hinterfragen, da bislang weder den hessischen Grünen die Stillegung von Kassel-Caldern gelang noch den rheinland-pfälzischen jene von Frankfurt-Hahn: Allerdings stört in Hessen die CDU, in Rheinland-Pfalz die FDP. Vielleicht könnten sich für die Landtagswahl 2022 in NRW, bei der »Schwarz-Gelb« krachend durchfallen wird, Grüne, SPD und Linke auf die klare Forderung einigen, die Flughäfen von Weeze, Mönchengladbach, Osnabrück/Münster, Essen/Mülheim und Dortmund-Holzwickede zu schließen: Das täte niemandem weh, ließe mit Düsseldorf und Köln/Bonn noch immer einen Flughafen zuviel übrig und hülfe sogar in bescheidenem Umfang gegen den angeblichen »Fachkräftemangel« in sinnvolleren Branchen.
    Die krasse Geschichtsklitterung, um die es dem Kommentator wirklich geht, ist allerdings heftig. Hätte ich die »Schultern« Joseph Fischers zu erklettern, so zöge ich robuste Bergstiefel an und begänne mit aller Kraft zu strampeln und zu treten: Dieser Wicht ließ 1999 Belgrad, Novi Sad und andere Orte der serbischen Teilrepublik der BR Jugoslawien bombardieren, und weil ihm niemand in die Arme fiel, machte er 2001 in Afghanistan gleich weiter. Allerdings hätten Angela Merkel (CDU) und Edmund Stoiber (CSU) sogar noch im Irak nach Fortsetzung gegiert, was gewissermaßen »zu einem Drittel« noch ein wenig für SPD und Grüne sprechen mag. (…)
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ralf S. aus Gießen (21. Mai 2021 um 15:12 Uhr)
    Die jW, wenngleich in diesem Fall ein einzelner Autor, täte gut daran, sich nicht an den von rechts und rechtsaußen angestoßenen Kampagne bezüglich der angeblich fehlenden Studienabschlüsse Baerbocks zu beteiligen. Ich kann mir schon vorstellen, wie hoch der AfD- und »Wutbürger«-Anteil unter den #studierenmitBaerbock-Tweets war. Denn, ja, da spielt ganz viel Frauenfeindlichkeit mit, indem man die Kompetenzen von Frauen in Frage stellt. Und ja, das Thema ist von rechten Rand auch in die sogenannte Mitte geschwappt und es wurde offenbar auch von Sozialdemokraten und anderen aufgegriffen, weswegen sich die Grünen genötigt sahen die Studienabschlüsse zu veröffentlichen, was schlimm genug ist, hat beispielsweise Friedrich Merz jemals seine Abschlüsse auf Twitter veröffentlichen müssen? Aber (latente) Frauenfeindlichkeit ist freilich kein Alleinstellungsmerkmal der Rechten. Immerhin geht Herr Jota nicht auf die gefälschten Nacktbilder von Frau Baerbock ein, die im Netz kursieren. Inhaltlich habe ich nicht viel mit der »grünen« Spitzenfrau gemeinsam. Aber angesichts der offensichtlich frauenfeindlich motivierten Kampagnen, die gegen sie gefahren werden, worin sich wohl die Panik ausdrückt, dass sie Bundeskanzlerin werden könnte, kann ich es nicht vermeiden, mich solidarisch zu fühlen.
    • Leserbrief von Uwe Nebel (23. Mai 2021 um 09:37 Uhr)
      Kritik an Frau Baerbock, die ja nun unbestritten viel – mit Verlaub – Saudummes in Mikrophone gesprochen hat, als »Frauenfeindlichkeit« abzutun, ist – wiederum mit Verlaub – ebenso intelligent. Dummheit ist, ob bei Politikern oder Privatpersonen, eindeutig geschlechtsneutral.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Dr. rer. nat. Harald W. aus 58989 Hagen (21. Mai 2021 um 10:44 Uhr)
    Wow: »Wir stehen nicht nur auf den Schultern von Joschka Fischer, sondern auch auf denen unserer Großeltern.« Zitat des Zitats von Baerbock. Nun, man sollte ihr doch genug Intelligenz und Kenntnisse in ihrem Fachgebiet Völkerrecht zutrauen, dass sie von selbst auf die Analyse Guattaris in seinem Buch »Chaosmose« (1992 – direkt zum Sowjetfall) kommt: dass es sich um äußerst zweischneidige politische Assoziationen mit stark faschistisch-reaktionären Kräften handelt, wobei die Hoffnungen auf Guattaris alte Trotzkistenkumpels, die er kurz vor seinem ungewöhnlich frühen Tod als ökologischer auch theoretischer Mediziner und Arzt (Ökosophie!) noch verklausuliert zu Protokoll gegeben hatte, sich leider ziemlich zerschlagen haben. Sehr offen erklärt Guattari den Wechsel der Sozialdemokraten ins neoliberale Lager (was die spätere Schröder-Fischer- und die großen Koalitionen im voraus erklärt, aber auch die politischen Ereignisse in EU-Einzelländern). Guattari kandidierte damals auch für die französischen Grünen (nicht mit den Linken in einer EU-Fraktion) und konnte als weltberühmer Klinikchef in der Provinz trotzdem den lokalen »Platzhirsch« nicht mal ankratzen: nur 22 Prozent! Zu bedenken ist dabei das besonders französische (auch britische und US-amerikanische) Mehrheitswahlrecht (»Hier wird gemauschelt«), das fast alles politisch mit Blick auf die BRD unvergleichbar macht (…). Die französischen Trotzkisten mit ihrer eigenen Gewerkschaft und die Grünen bekommen kein Bein auf die parlamentarische und die Regierungserde! (…)
    • Leserbrief von oskar nothnagel aus berlin (23. Mai 2021 um 10:49 Uhr)
      Ich bin perplex: Wie kommt man von Baerbock zu Guattari? Angeblich zu Intelligenz&kenntnisse, die zwangsläufig zur analyse von guattari (welcher?) führt? dass guattari keine wahl gewann, sagt wirklich überhaupt nichts über sein intellektuelles vermögen aus, das im übrigen, sehr schwer zugänglich; selbst deleuze, ein meister intellektuellen verstehens, bemängelte dies an ihm! bearbock~guattari, was für eine absurde formel? baerbock kann noch nicht einmal als negativ guattaris präsentiert werden!guattari hat mit ökologie insofern absolut etwas zu tun, als es ihm gelang, in seinen drei ökologien, selbe überhaupt zu 'problematisieren', was bis datu nur wenigen gelang. von bearbock ist in dieser hinsicht - ihr bezug zur ökologie - zu sagen, was nietzsche vom weibe sagte: das weib kennt keine 'tiefe' [mit spinoza, nietzsche, etc., kann man oberflächliche, tiefe und 'intuitive' ideen unterscheiden], ja, es ist noch nicht einmal 'oberflächlich' - was ist also dann, verdammt noch mal, das weib? nach nietzsche: maske (schein, schminke), nach mir : 'caprice'; darum redet das weib absolut dummes zeug, wenn es dem mann vorwirft, es nicht zu verstehen! an der 'caprice' (launenhaftigkeit) gibts nichts zu verstehen, dies verstanden, hat mann das weib aber verstanden! die dummheit des weibes macht aber beim mann halt, um sich nicht selbst zu desavouieren: das weib versteht die 'caprice' des weibes nämlich genau so wenig, wie der mann! weil es am weib nichts , oder fast nichts, aus leere, zu verstehen gibt! das allerschlimmste dabei aber ist, dass das weib seine 'caprice' - oh hölle - mit dem 'tiefsten' möglichen gedanken verwechselt: dem intuitiven - seine 'caprice' (was etwas sehr niedriges ist) als etwas, ja, das höchste ausgiebt! und das auch noch glaubt, glauben machen will! dumm genug ist es ja, aber männer solten nicht auf plumpestes weibsgetue hereinfallen! nietzsches großartige formulierung für das intuitive denken: die griechen waren 'oberflächlich' - aus tiefe!

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