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Aus: Ausgabe vom 21.05.2021, Seite 5 / Inland
Coronapolitik

Mehr als nur ein Prüfungsort

Zunahme psychischer Belastungen bei Schülern während Pandemie gravierender als erwartet. OECD fordert Schulöffnungen
Von Bernd Müller
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Während der Ausgangsbeschränkungen nahmen Depressionen bei Kindern zu

Kinder und Jugendliche leiden besonders stark unter den Folgen der Coronapandemie, bei ihnen werden verstärkt psychische Störungen festgestellt. Das ist kein Phänomen, das auf Deutschland beschränkt ist – in der gesamten Welt gibt es diese Entwicklung. In manchen Ländern vervielfachte sich die Zahl derer, die an Depressionen oder Angststörungen erkrankten.

Das besagen zwei Studien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die am Donnerstag in einer Onlinepressekonferenz vorgestellt wurden. Die Entwicklung komme nicht unerwartet, sagte Christopher Prinz von der OECD, das Ausmaß dagegen schon.

In allen 15 verglichenen OECD-Ländern kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass die Störungen wesentlich häufiger auftreten. In Frankreich verdoppelte sich die Zahl der Menschen mit Anzeichen einer Depression im Jahr 2020 auf 20 Prozent, in den USA vervierfachte sich die Zahl fast auf 23,5 Prozent. Jugendliche seien zwischen 30 und 80 Prozent stärker betroffen als die Gesamtbevölkerung.

Prinz präsentierte bei der Onlineveranstaltung vor allem Daten aus Frankreich. Mit Ausnahme einer kurzen Periode im Sommer traten bei Jugendlichen wesentlich häufiger Anzeichen einer Depression auf. Zwischenzeitlich klagte jeder dritte Jugendliche über Erkrankungszeichen. Anhand einer Grafik zeigte er, dass die Werte anstiegen, als Beschränkungen ausgerufen wurden, und dass sie wieder abnahmen, als die Beschränkungen wieder zurückgefahren wurden.

Er begründete das damit, dass die Jugendlichen den »Risikofaktoren« während eines »Lockdowns« weitgehend schutzlos ausgesetzt waren: Armut und Isolation, Zukunftsängste und Erwerbslosigkeit. Was in normalen Zeiten Schutz bietet, konnte dagegen nur noch eingeschränkt wahrgenommen werden: soziale Beziehungen, Sport, Schule und Arbeit.

Neben Prinz stellten auch andere Experten Ergebnisse ihrer Studien vor. Erst Ende April hatte etwa Susanne Walitza, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich, eine Studie zu den Auswirkungen der Schulschließungen während des ersten »Lockdowns« in der Schweiz veröffentlicht. Sie hob die soziale Spaltung hervor, die sich auch bei den psychischen Belastungen bemerkbar machte: Angst, Depressionen und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen, kurz ADHS, hätten auch in der Schweiz zugenommen – aber vor allem bei den ohnehin benachteiligten Familien. Wer dagegen über ein eigenes Grundstück mit Garten verfügte, konnte der Schulschließung sogar etwas Gutes abgewinnen.

Sämtliche Experten waren sich bei der Vorstellung der Studien einig: Die Schulen sollten in Zukunft offengehalten werden, sogar vom Wechselunterricht solle man Abstand nehmen und zum regulären zurückkehren. Man müsse sich wieder bewusst werden, dass Schule mehr ist als ein Ort, an dem Prüfungen in Deutsch und Mathematik geschrieben würden. Mit geöffneten Schulen könnte Kindern wieder ein geregelter Alltag ermöglicht werden.

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