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Aus: Ausgabe vom 17.05.2021, Seite 1 / Titel
Krieg in Gaza

Bomben gegen Presse

Israelische Luftwaffe zerstört Medienhochhaus in Gaza. Italienische Hafenarbeiter blockieren Waffentransport für Tel Aviv
Von Nick Brauns
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Eine Rakete trifft am Sonnabend das 12stöckige Al-Jalaa-Hochhaus in Gaza-Stadt, Sitz mehrerer Medien

Die israelische Luftwaffe hat am Sonnabend ein Hochhaus in der palästinensischen Enklave Gaza bombardiert, in dem eine Reihe von ausländischen Fernsehsendern und Presseagenturen ihren Sitz hatten. Nachdem ein Militärsprecher den Angriff telefonisch gegenüber dem Besitzer des 12stöckigen Al-Jalaa-Turms in Gaza-Stadt angekündigt hatte, blieb Journalisten und Bewohnern weniger als eine Stunde, um sich in Sicherheit zu bringen, ehe drei Raketen das Gebäude zum Einsturz brachten.

Ziel dieses Kriegsverbrechens sei es, »die Medien zum Schweigen zu bringen und das unsägliche Gemetzel und Leiden der Menschen in Gaza zu verbergen«, erklärte Mostefa Souag, der stellvertretende Generaldirektor des katarischen Fernsehsenders Al-Dschasira, dessen Studio sich in dem Hochhaus befunden hatte. »Aufgrund der heutigen Ereignisse wird die Welt weniger darüber erfahren, was in Gaza geschieht«, befürchtete der Präsident von Associated Press (AP), Gary Pruitt. Die Presseagentur mit Hauptsitz in New York hatte seit 15 Jahren ihre Büros im Al-Jalaa-Turm und lieferte vom Dach des Gebäudes Liveaufnahmen von Luftangriffen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu rechtfertigte die Bombardierung des Hochhauses in einer Fernsehansprache mit der Behauptung, der Militärgeheimdienst der in Gaza herrschenden islamistischen Hamas habe von dort operiert. Für die Anwesenheit der Hamas gebe es keinerlei Hinweise, widersprach Pruitt dieser Darstellung. Die Agentur habe das überprüft, um ihre Journalisten keinem Risiko auszusetzen. In der vergangenen Woche hatte die israelische Armee bereits ein anderes Hochhaus zerstört, in dem sich zahlreiche Büros in- und ausländischer Medien befanden. UN-Generalsekretär António ­Guterres zeigte sich »zutiefst beunruhigt« und mahnte, dass jeder willkürliche Angriff auf zivile- und Medienstrukturen gegen das Völkerrecht verstoße.

Bombardiert wurde auch das Haus des als Spitzenfunktionär der Hamas bezeichneten Jahja Sinwar im Süden von Gaza. Der Politiker dürfte sich zu dem Zeitpunkt allerdings an einem anderen Ort aufgehalten haben. Zuvor hatte die israelische Militärführung der Hamas-Spitze mit gezielter Tötung gedroht. Bei einem Luftangriff auf das Flüchtlingslager Schati im Westen von Gaza wurde in der Nacht zum Sonntag eine zehnköpfige Familie, darunter acht Kinder, getötet. Die Zahl der bei israelischen Angriffen Getöteten stieg damit nach Angaben palästinensischer Gesundheitsbehörden bis Sonntag abend auf 145 Personen. Mindestens zehn Palästinenser wurden nach Angaben des Palästinensischen Roten Halbmonds seit Freitag in der besetzten Westbank erschossen und Tausende verwundet, als israelische Soldaten das Feuer auf Demonstranten eröffneten. Ein 50jähriger Mann in einem Vorort von Tel Aviv wurde am Sonnabend das zehnte Todesopfer des seit Montag andauernden Beschusses Israels durch die Raketen der Hamas, die größtenteils vom Abwehrsystem »Eisenkuppel« abgefangen werden.

Anlässlich des Jahrestages der Nakba (arabisch für »Katastrophe«) – der Vertreibung Hunderttausender Araber durch zionistische Milizen nach der Staatsgründung Israels 1948 – kam es am Sonnabend weltweit zu Solidaritätsdemonstrationen mit den Palästinensern. Praktische Solidarität zeigten Hafenarbeiter im italienischen Livorno. Die in der Basisgewerkschaft USB organisierten Docker weigerten sich, ein Frachtschiff zu beladen, weil es Waffen nach Israel liefern sollte.

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  • Leserbrief von Wolfgang Reinhardt aus Nordhausen (18. Mai 2021 um 09:20 Uhr)
    Nicht mit zweierlei Maß messen. Die Bundesregierung erklärt seit Jahren zu Recht, dass die BRD aufgrund der durch deutsche Faschisten ermordeten 6,3 Millionen Juden eine besondere Verantwortung gegenüber Israel hat. Sie stellt sich daher nahezu kritiklos an die Seite der israelischen Regierung und verteidigt im Grunde genommen deren seit Jahren andauerndes menschen- und völkerrechtswidriges Handeln gegenüber den Palästinensern. Obwohl ich Atheist bin, finde ich die Religionsfreiheit für alle Glaubensrichtungen in Ordnung und bin unter diesem Aspekt auch ein Freund der Juden. Aber gerade deshalb verurteile ich die schändliche Handlungsweise des israelischen Staates, wie sie die vielen, leider wirkungslosen UN-Resolutionen aufzeigen. Unsere Regierung sollte nicht mit zweierlei Maß messen. Gegen Russland verhängt sie wegen diverser unbewiesener »Taten« (zum Beispiel Skripal, Nemzow, Nawalny, »MH 14«) Sanktionen, obwohl wir gegenüber Russland wegen der Tötung von 27 Millionen Sowjetbürgern ebenfalls eine besondere Verantwortung haben. Israels schändliches Handeln billigt sie. Das ist nicht richtig.
    Wolfgang Reinhardt, Nordhausen
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Dr. rer. nat. Harald W. aus %80989 Hagen (17. Mai 2021 um 12:55 Uhr)
    Schon Israels zwei Stürmungen einer Moschee waren kalkulierte Kriminalität: Staatsverbrechen! Sicherlich ist auch in der israelischen Verfassung die Religionsausübung tolerant geschützt. Die fundamentalistischen Fraktionen in den Regierungen der islamischen Länder bekommen Zulauf. Sie sind zumeist trotzdem NATO-treu! Die jW wies schon darauf hin. Es drohten eine Regierungsbeteiligung oder eine Rechtsposition der Palestinänser, was mit emphatisch allen Mittel verhindert wird. Selbstversändlich können die Medien von anderen Büros aus weitermachen, so leicht sollten sie sich nicht aus dem Schlachtfeld schlagen lassen als Kriegsreporter eines lupenreinen Aggressionskrieges der israelischen halblegalen Regierung, vom Militär »reingeschubst« – deshalb knallhärtenst: völkerrechtswidrig!

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