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Aus: Ausgabe vom 15.05.2021, Seite 8 / Ansichten

Nebensache des Tages: Fußball in Kolumbien

Von Frederic Schnatterer
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Fußball findet nicht im luftleeren Raum statt. Erst recht nicht in Zeiten der sozialen Revolte

Die Augen gereizt, das Atmen fällt schwer. Was manche von uns kennen, dürfte für die Protagonisten eines Männerfußballspiels in der Copa Libertadores, quasi der Champions League Südamerikas, eine neue Erfahrung gewesen sein: durch die Luft waberndes Tränengas. In der nordkolumbianischen Küstenmetropole Barranquilla duellierten sich am Donnerstag (Ortszeit) die Teams von América de Cali und Atlético Mineiro aus Brasilien – wenn das Spiel nicht gerade, wie insgesamt fünfmal, unterbrochen wurde.

Tränengas beim Fußball? Hatten etwa wieder einmal Chaoten den Sport für Randale missbraucht? Nein, wegen der Pandemie waren keine Zuschauer im Estadio Romelio Martínez, dementsprechend auch keine Barras Bravas, das lateinamerikanische Pendant zu Ultras. Falsch ist die Annahme indes nicht: Die für Augenrötungen und Spielunterbrechungen Verantwortlichen können getrost als Chaoten bezeichnet werden. Rund um die Spielstätte ballerten Polizeikräfte unter anderem mit Tränengas gnadenlos gegen Demonstranten. Nichts Ungewöhnliches in Kolumbien, wo seit mehr als zwei Wochen täglich gegen die rechte Regierung protestiert wird.

Dass nun auch ein paar Fußballprofis Tränen vergießen mussten: geschenkt – angesichts von bereits weit mehr als 40 Todesopfern im Lauf der Proteste. Getötet von einem Staat, der weiter auf die Austragung internationaler Fußballspiele setzt. Auch die Copa América, das südamerikanische Kontinentalturnier der Nationalmannschaften, soll im Juni und Juli teilweise in Kolumbien stattfinden, während außerhalb der Stadien Menschen massakriert werden. Um so erfreulicher, dass die Barras Bravas der kolumbianischen Vereine getreu dem Motto »In den Farben getrennt, in der Sache vereint« ihre Rivalitäten ruhen lassen und gemeinsam gegen die mörderische Politik der Regierung auf die Straße gehen.

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