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Aus: Ausgabe vom 14.05.2021, Seite 2 / Inland
Impfkampagne in der BRD

Aufgehobene Abfolge

Mehrere Bundesländer beenden Priorisierung bei Coronaimpfungen
Von Kristian Stemmler
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Erweitertes Angebot: Zunächst konnten sich Menschen ohne Einhaltung der Impfreihenfolge in Praxen nur das Mittel von Astra-Zeneca verabreichen lassen (Köln, 11.5.2021)

Nach Bayern und Baden-Württemberg hebt auch Berlin ab kommenden Montag die Priorisierung für alle verfügbaren Coronaimpfstoffe bei Haus- und Betriebsärzten auf. Das kündigte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Gesundheit am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur dpa an. Bisher war die Vergabe an Kriterien wie Alter, Vorerkrankung und die Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsgruppen geknüpft. Bayern und Baden-Württemberg hatten bereits am Mittwoch angekündigt, dass ab der kommenden Woche die niedergelassenen Ärzte dort ohne staatliche Vorgaben über die Vergabe der Impfstoffe entscheiden.

Die Aufhebung der Priorisierung in Berlin bedeutet wohl nicht, dass jeder dort sofort geimpft werden kann. Die verfügbaren Impfstoffmengen sind laut Gesundheitsverwaltung zunächst weiter relativ knapp, erst ab Juni werde mit größeren Mengen gerechnet. Patienten, die zu einer der drei Prioritätengruppen zählen und noch nicht geimpft sind, hätten zudem weiter Vorrang, erläuterte der Sprecher. Für die Impfzentren der Hauptstadt ändere sich am bisherigen Vorgehen zunächst nichts. In Baden-Württemberg jedenfalls ist das Interesse an Impfterminen bei den Hausärzten nach Angaben des Hausärzteverbandes bereits groß. Allerdings stehe nach wie vor nicht genug Impfstoff zur Verfügung.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) kündigte unterdessen an, dass Kinder über zwölf Jahren schon bald in Schulen und von Hausärzten gegen Covid-19 geimpft werden sollen. Nach Kanada und den USA könnte auch die EU noch in diesem Monat den Coronaimpfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder zulassen. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) arbeitet an einer beschleunigten Zulassung für Zwölf- bis 15jährige.

Angesichts langsam sinkender Infektionszahlen in ganz Europa hat die Bundesregierung mit einer seit Donnerstag geltenden Verordnung die generelle Quarantänepflicht bei der Einreise für mehr als 100 Ländern aufgehoben. Darunter sind einige der in der BRD am häufigsten aufgesuchten Urlaubsländer wie Spanien, Italien, Griechenland, Österreich oder die Schweiz. Wer von dort in die Bundesrepublik einreist, kann sich durch ein negatives Coronatestergebnis fortan von der Quarantäne befreien lassen. Für Flugreisende ist dieser Test ohnehin obligatorisch.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Hagen R. aus Rostock (14. Mai 2021 um 08:24 Uhr)
    Die Aufhebung der Priorisierung zeigt, dass unser Staat mal wieder bei einer scheinbar einfachen Aufgabe versagt hat: eine Terminvergabe nach Reihenfolge der Bedürftigkeit zu organisieren. Eine Aufgabe, für die er fast ein ganzes Jahr lang Zeit hatte. Nun wird also ganz offiziell gemacht, was längst Praxis ist: dass die Impfreihenfolge von dem Zufall abhängt, wieviel Impfstoff die eigene Hausarztpraxis bestellt hat. Mit den Betriebsärzten kommt noch das neue Priorisierungskriterium dazu, ob der eigene Arbeitgeber sich Impfstoffdosen auf einem vermutlich nicht ganz transparenten Markt besorgen konnte. Das wäre ja alles nicht so schlimm, wenn es ein Luxusgut wäre, das hier ungerecht verteilt wird. Das ist leider nicht so, dieses Versagen der staatlichen Organisation wird schon wieder Menschen das Leben kosten.

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