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Aus: Ausgabe vom 12.05.2021, Seite 16 / Sport

Kein lausiger Treffer

Von André Dahlmeyer
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So schön sind Arbeitssiege: River Plate lässt nichts anbrennen

Einen wunderschönen guten Morgen! Am 13. Spieltag, am vergangenen Wochenende, wurde nach drei Monaten die Gruppenphase des argentinischen Ligapokals beendet, des einzigen in ganz Südamerika, bei dem in zwei Dreizehnerzonen die Viertelfinalisten ermittelt werden: jeder gegen jeden (ohne Rückspiel) plus je ein interzonaler Klassiker. Vakant waren vier Plätze.

In Zone eins hatte River Plate beim Heimspiel im neu modulierten Stadion Monumental (die Leichtathletikbahn etwa ist Geschichte), gute Chancen zu gewinnen. Gegner war Aldosivi aus dem nicht so schönen Atlantikbadeort Mar del Plata. Am Ende bestätigte der Millonario die Erwartungen, erreichte gegen den Haifisch einen ungefährdeten Arbeitssieg und wurde Dritter. Der 35jährige Fernando Gago (einer der besten silberländischen Kicker der nuller Jahre, Meister unter Bernd Schuster bei Real Madrid und 2014 Vizeweltmeister) scheint, mit lediglich drei Erfolgen, seinem Trainerjob bei Aldosivi noch nicht so ganz gewachsen zu sein – aber alle fangen mal an.

Den vierten Zonenplatz sicherte sich etwas überraschend (Rosenkranz Central ging beim Tintenfisch, Aufsteiger Platense, mit 1:4 unter) der Racing Club, der im eigenen Stadion »Presidente Perón« mit 2:0 gegen Papstklub San Lorenzo de Almagro gewann. Beide Treffer notierte Tomás Chancalay. Die zweite Halbzeit sah man ein Spiel auf ein Tor – das von Racing. Hätten die Gäste vom Ciclón nur einen lausigen Treffer erzielt, wären sie an der Académia vorbeigezogen. So aber trat nach dem Spiel Gästetrainer Diego Dabove zurück, und Präsident Marcelo Tinelli erhielt neuerliche Morddrohungen.

San Lorenzo war bereits frühzeitig in der Copa Argentina, dem Pokal der Gauchos, gescheitert, wurde in den Playoffs zur Libertadores vom FC ­Santos regelrecht vorgeführt und also eliminiert, und in der Gruppenphase der Sudamericana liegen sie abgeschlagen auf dem letzten Platz. Man muss nicht die gute alte Kristallkugel bemühen, um vorherzusehen, dass auf den Verein aber mal ganz schwere Zeiten zukommen werden. Immerhin ist Tinellis Vorgänger als Präsident des Ciclón, Matías Lammens, zum Tourismus- und Sportminister aufgestiegen. So wie Argentinien gestrickt ist, dürfte es ihm nicht schwerfallen, die wöchentlich nach Moskau düsenden Flieger, die von dort tröpfchenweise »Sputnik V« in das von der Seuche gebeutelte Land holen, Zwischenstopps im Vatikan machen und Papst Franziskus einige Container Trikots handsignieren zu lassen, um die Chose anschließend meistbietend an die Insassen der peronistischen Partei zu verhökern (nur Peronisten schwören auf den Papa). Natürlich könnte Lammens als Tourismusnerd zu diesem Zwecke auch ausländische Kreuzfahrtschiffe enteignen und unter militärische Kontrolle stellen. Aber bis die mit den Trikots zurück wären, wäre San Lorenzo pleite; davon abgesehen hätten wir dadurch eine internationale Flotte am Hals – und das alles nur wegen Balltreten.

In Zone zwei schnappte sich Independiente das dritte Ticket durch einen 3:1-Auswärtssieg im Ducó bei Huracán, begünstigt durch das Einser-Remis von Unión im Santa-Fe-Klassiker bei Colón. Am schönsten war das 2:1 für die Roten durch Silvio Romero, der einen Freistoß unter der Mauer durch verwandelte, weil die vom Heißluftballon zu blöd (oder zu faul) waren, einen Spieler dahinter am Boden festzudübeln. Auch das von dem Uruguayo Alexander Medina dirigierte Talleres de Córdoba qualifizierte sich, trotz einer 0:1-Niederlage bei Lanús und ebenfalls begünstigt durch das Schulversagen der Unioner. Die Viertelfinals finden am Wochenende auf neutralem Platz statt.

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