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Aus: Ausgabe vom 11.05.2021, Seite 2 / Inland
Ausbeutung an Hochschulen

»Sind die, die den Laden am Laufen halten«

Kampagne »TVStud« fordert bessere Arbeitsbedingungen für studentische Hilfskräfte. Länder blockieren Tarifvertrag. Ein Gespräch mit Marvin Hopp
Interview: Kristian Stemmler
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Studentische Beschäftigte bemühen sich seit Jahren für bessere Arbeitsbedingungen (Berlin, 13.6.2018)

Das Kürzel »TVStud« steht sowohl für »Tarifvertrag für studentische Beschäftigte«, aber auch für eine Bewegung. Vor kurzem haben Sie die bundesweite Kampagne mit dem Titel »Keine Ausnahme! Für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen studentischer Beschäftigter« gestartet. Worum geht es?

Knapp 400.000 studentische Beschäftigte gibt es laut einer Studie an deutschen Hochschulen. Sie sind diejenigen, die den Laden am Laufen halten, etwa indem sie bei wissenschaftlichen Arbeiten assistieren, in der Verwaltung arbeiten oder im Tutorium ihre Mitstudierenden unterstützen. Doch während andere Beschäftigtengruppen an den Hochschulen ihr gutes Recht auf einen Tarifvertrag längst durchsetzen konnten, ist der überwiegende Teil der studentischen Beschäftigten – bundesweit rund 300.000 von den 400.000 – von diesen Mindeststandards ausgeschlossen.

Wir kämpfen dafür, dass die Tarifgemeinschaft deutscher Länder endlich ihre Blockadehaltung gegenüber unseren Gewerkschaften Verdi und GEW bezüglich einer tariflichen Absicherung für studentische Beschäftigte in allen Bundesländern aufgibt und den Weg für Verhandlungen frei macht. Berlin ist das einzige Bundesland, in dem studentische Hilfskräfte und Tutoren in den Geltungsbereich von Tarifverträgen fallen. Die Hochschulen dort gehören darüber hinaus zu den wenigen, an denen sie eigene Personalvertretungen wählen können.

Was bedeutet diese Blockadehaltung für die Arbeitsbedingungen?

In Hamburg etwa sind mehr als 4.000 studentische Beschäftigte vom Tarifvertrag der Länder und auch von den Mitbestimmungsrechten des Personalvertretungsgesetzes ausgenommen. Sie erhalten mit 10,77 Euro pro Stunde deutlich weniger als den versprochenen Hamburger Mindestlohn von zwölf Euro – ein Unding. Das zweite Problem sind die Befristungen. Die Arbeitsverhältnisse sind meist auf zwei bis maximal sechs Monate befristet. Das trifft an den Hamburger Hochschulen auf fast 75 Prozent der studentischen Arbeitsverhältnisse zu, woanders ist es auch nicht besser. Das ist ein Super-GAU, wenn man an die Planbarkeit des Studiums oder die finanzielle Absicherung denkt.

Von Urlaub oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall kann vermutlich oft nicht die Rede sein.

So ist es. Das hängt mit den Befristungen zusammen. Wenn man nur zwei bis sechs Monate beschäftigt ist, muss man darauf hoffen, dass der Arbeitsvertrag verlängert wird. Und das führt dazu, dass man meist alles dafür tut, um bei den Chefs gut anzukommen. Da werden dann auch Urlaubsansprüche nicht wahrgenommen. Wir erleben es bei Informationsveranstaltungen immer wieder, dass studentische Hilfskräfte und Tutoren sogar ganz erstaunt darüber sind, dass sie überhaupt einen Urlaubsanspruch haben.

Und wie läuft die von Ihnen gestartete Kampagne?

Zum Auftakt haben wir Anfang April den Protest mit einer coronakonformen Kundgebung vor die Hamburger Finanzbehörde getragen. Finanzsenator Andreas Dressel, SPD, ist auch stellvertretender Vorsitzender der Tarifgemeinschaft deutscher Länder. Wir fordern von Dressel, ebenso wie von Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank, Bündnis 90/Die Grünen, endlich auch für studentische Beschäftigte das Versprechen »Hamburg – Stadt der guten Arbeit« einzulösen. In den nächsten Wochen werden bundesweit Aktionen stattfinden. Für unsere Forderungen sammeln wir Unterschriften und organisieren uns in lokalen Initiativen. Wir arbeiten mit Blick auf die Tarifrunde der Länder im Herbst daran, neue Strukturen aufzubauen und in einigen Städten streikfähig zu werden.

Wer steht hinter der Kampagne?

Sie wird unter anderen von den Gewerkschaften Verdi und GEW sowie dem bundesweiten Dachverband der Studierendenschaften, FZS, unterstützt. Mit dabei sind fast 500 Organisationen und Einzelpersonen aus Gewerkschaften, Hochschulpolitik und Wissenschaft – darunter 59 Professoren, die die Kampagnenpetition erstunterzeichnet haben. Wir wollen einerseits politischen Druck im Vorfeld der Tarifrunde der Länder im Herbst aufbauen, und zum zweiten wollen wir mit dieser Kampagne die Bewegung verbreitern, eine Möglichkeit zum Andocken für ähnliche Initiativen in anderen Bundesländern schaffen. Unterstützen kann man uns durch die Bewerbung und Mitarbeit an der Kampagne sowie mit einer Unterschrift bei unserer Petition.

Marvin Hopp ist aktiv bei »TVStud« in Hamburg

Petition: www.tvstud.de

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