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Aus: Ausgabe vom 10.05.2021, Seite 5 / Inland
Tarifbruch

Brot und Rosen

Böse Überraschung zum »Muttertag«: Verband zieht Tarifangebot für Floristinnen zurück
Von Gudrun Giese
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Außen hui, innen pfui: Der Fachverband Deutscher Floristen verweigert den Abschluss eines neuen Tarifvertrags

Sie bekommen je nach Bundesland zwischen etwas mehr als 1.000 und 2.500 Euro Bruttogehalt im Monat: Floristinnen mit abgeschlossener Berufsausbildung. Dieses Entgelt wird nur in tarifgebundenen Betrieben fällig – und davon gibt es immer weniger. Nun verweigert der Fachverband Deutscher Floristen (FDF) den Abschluss eines neuen Tarifvertrags mit der Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU).

Ausgerechnet kurz vor dem blumenreichen »Muttertag« am 9. Mai zogen die organisierten Floristikunternehmen sich vom Verhandlungstisch zurück. Mitte des Jahres werde man »eventuell« wieder zurückkehren, meldete die Gewerkschaft am Freitag. Besonders pikant daran sei, dass der FDF selbst im vergangenen Dezember einen Vorschlag zur Entgeltanhebung vorgelegt hatte. Demnach sollte es bei einer Laufzeit von zwölf Monaten drei Prozent mehr Lohn sowie monatlich 30 Euro plus für die Auszubildenden geben. Die IG BAU habe dieser Offerte zugestimmt, so dass nur noch die Unterschriften unter dem Tarifvertrag fehlten.

Um so unbegreiflicher sei der Rückzieher des Verbandes, sagte Harald Schaum, der stellvertretende Bundesvorsitzende der IG BAU. »Für diese Rolle rückwärts und Hinhaltetaktik habe ich überhaupt kein Verständnis.« Absurd sei die dafür angeführte Begründung des FDF, der Umsatz sei wegen der Coronapandemie komplett eingebrochen. Schaum: »Man liest es täglich in der Zeitung, alle Welt rennt in die Gartenmärkte und Blumengeschäfte, um es sich zu Hause schön zu machen, Pflanzen gehen über den Ladentisch wie nie zuvor. Diese Begründung ist einfach lächerlich.« Der IG-BAU-Vize forderte den Verband auf, das zuvor präsentierte Angebot zu reaktivieren und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Sonst würden die Gewerkschaftsmitglieder aus der Floristik in nächster Zeit ihrem Ärger »mit vielerlei Aktionen Luft machen!«

Bereits im vergangenen Herbst hatte die Gewerkschaft darauf hingewiesen, dass in der Floristikbranche oft keine existenzsichernden Löhne gezahlt werden und als einen der Gründe dafür die schwindende Tarifbindung genannt. Der FDF hatte damals im Branchenmagazin Gestalten und Verkaufen (gundv.de) erklärt, er setze sich als Verband für eine flächendeckende Tarifbindung in der Floristik ein. Derzeit liegen die Bruttoentgelte etwa in Nordrhein-Westfalen für ausgelernte Floristinnen laut Tarifregister-nrw.de zwischen 1.809 im ersten Berufsjahr nach der Ausbildung und 2.532 Euro brutto für Meisterinnen. Nicht tarifgebundene Blumenhändler bleiben deutlich unter diesen Sätzen.

Insofern war das Bekenntnis des FDF zur flächendeckenden Tarifbindung im vergangenen Jahr auch aus Gewerkschaftssicht positiv zu werten. Der Verbandsvorsitzende des FDF-Ausschusses für Tarif und Soziales, Kai Jentsch, erklärte laut gundv.de, dass es Absicht des Verbandes sei, für gerechte Löhne in der Branche einzutreten. Dass nun im zweiten Jahr der Coronapandemie bei guten Umsätzen der Blumengeschäfte und hohem Einsatz der Beschäftigten die dringend benötigte Tariferhöhung verwehrt wird, bleibt unverständlich.

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